Aus für „Stop-Loss-Order“ an New Yorker Börse - Wien zieht nicht mit

Wien (APA) - Ab 26. Februar wird es an der New York Stock Exchange (NYSE) nicht mehr möglich sein, Wertpapieraufträge mit „Stop-Loss“-Zusätz...

Wien (APA) - Ab 26. Februar wird es an der New York Stock Exchange (NYSE) nicht mehr möglich sein, Wertpapieraufträge mit „Stop-Loss“-Zusätzen auszuführen. Mit dieser bereits im Vorjahr getroffenen historischen Entscheidung sollen vor allem Privatinvestoren geschützt werden, denen das Risiko zu wenig bewusst sei. Die Wiener Börse denke nicht daran, diese Orderart einzustellen, hieß es auf APA-Anfrage.

Bei „Stop-Loss“-Aufträgen handelt es sich um eine Auftragsart, mit der Wertpapierinvestoren versuchen, sich gegen potenzielle Verluste abzusichern. Erst wenn der Kurs beispielsweise einer Aktie unter einen zuvor bestimmten Wert fällt, wird der Auftrag ins Orderbuch zur Ausführung übernommen. Dort wird sie im besten Fall dann zu diesem - oder einem niedrigerem - Kurs ausgeführt.

Neben der NYSE verbieten auch die Technologiebörse Nasdaq und die Handelsplattform BATS Stop-Loss-Order. Ebenfalls einstellen wird die NYSE die Orderart „Good-Till-Cancelled“ (GTC). Die Order ist hier solange gültig, bis sie entweder ausgeführt oder vom Auftraggeber bzw. vom System - in Wien bei Erreichen der maximalen Gültigkeit von 360 Tagen - gelöscht wird.

„Die Wiener Börse zieht nicht in Erwägung, den Ordertyp Stop-Market- bzw. Stop-Limit-Order oder die Gültigkeitsbeschränkung Good-Till-Cancelled einzustellen“, so die Wiener Börse auf Anfrage. Weder systemseitig noch durch Regulierungen gebe es derzeit Bestrebungen in diese Richtung.

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Der meistverwendete Order-Typ an der Wiener Börse ist - mit Abstand - die Limit-Order gefolgt von den Market-Orders. Stop Orders wurden von den Marktteilnehmern an der Wiener Börse im letzten halben Jahr nur marginal verwendet - ihr Anteil am Gesamtorder-Volumen lag im Promille-Bereich. „Eine mögliche Erklärung dafür ist der niedrige Privatanlegeranteil an der Wiener Börse“, so die Wiener Börse.

Die NYSE will nach eigenen Angaben mit dem Verbot Privatinvestoren schützen. Diese würden das mit den „Stop-Loss“-Aufträgen einhergehende Risiko nicht ganz verstehen. Sie geht davon aus, dass mit dem Wegfall diese Orderart das Bewusstsein über mögliche Risiken bei volatilem Handelsgeschehen steigt. Stop-Aufträge werden demnach an der NYSE ausschließlich von Privatinvestoren verwendet. Diese hätten nicht die Zeit, den ganzen Tag herumzusitzen, und ihre Aktien zu beobachten. Der Anteil dieser Orderart liegt nur bei etwa 0,2 Prozent.

Eine der typischen Schwächen von Stop-Loss-Aufträgen zeigte sich etwa im Zuge der Frankenkredit-Problematik. Als im Jänner des Vorjahres die Schweizer Notenbank den Frankenkurs freigab, sackte der Kurs des Euro zum Franken so rasant und weit nach unten, dass ein Großteil der Stop-Loss-Aufträge erst deutlich unter ihrer Auslösungsschwelle realisiert wurden. Bei den betroffenen Frankenkreditnehmern führte dies zu großen Verlusten und sorgte für noch größeren Ärger.

An der New Yorker Börse werden also am 26. Februar alle Stop-Loss-Orders, die im Orderbuch der Börse bis dahin noch nicht ausgeführt wurden, gelöscht. Broker geben sich mit dieser Entscheidung nicht zufrieden. Einige von ihnen haben sich bereits zusammengetan und bieten den Orderzusatz für ihre Kunden weiter an. Allerdings werden diese Wertpapieraufträge dann nicht mehr direkt an der Börse abgewickelt, sondern intern - oder an sogenannte „Dark Pools“ weitergeleitet. Dabei handelt es sich um unregulierte, intransparente außerbörsliche Handelsplätze. Es gibt auch keine Ausführungsgarantie.


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