66. Berlinale - Händl Klaus: Berlin „absolut bester Ort“ für „Kater“

Berlin/Wien (APA) - Sein Spielfilmdebüt „März“ wurde 2008 bei den Filmfestspielen in Locarno mit dem Preis für das beste Erstlingswerk ausge...

Berlin/Wien (APA) - Sein Spielfilmdebüt „März“ wurde 2008 bei den Filmfestspielen in Locarno mit dem Preis für das beste Erstlingswerk ausgezeichnet. Am Samstag (13.2.) ist es nun so weit: Der zweite Film des in der Schweiz lebenden Tirolers Händl Klaus feiert bei der Berlinale in der Panorama-Sektion Special Premiere. Das sei der geeignetste Geburtsort für seinen „Kater“, freut sich der Regisseur im APA-Interview.

„Die Reihe hat einen guten Stallgeruch, auch in Österreich - schließlich hatten hier erfolgreiche Filme wie ‚Die Vaterlosen‘ oder ‚Revanche‘ ihre Premiere“, sagt Händl. „Außerdem glaube ich, dass Berlin der absolut beste Ort für den Film ist, weil es dort eine große schwul-lesbische Community gibt. Ich hab das Gefühl, ich gehe dort nicht in Feindesland.“ So wird auf der Berlinale etwa der Teddy Award, der bedeutendste queere Filmpreis der Welt, heuer bereits zum dreißigsten Mal vergeben.

„Kater“ erzählt die Geschichte einer schwulen Beziehung zwischen dem Orchestermusiker Stefan (Lukas Turtur) und dem Disponenten Andreas (Philipp Hochmair), in der Kater Moses (gespielt nicht von einem dressierten, vierbeinigen Film-Profi, sondern von Händls eigenem Kater Toni) eine bedeutende Rolle spielt. Ein einziger Moment der Gewalt verändert die Idylle grundlegend.

„Mich fasziniert, dass sich im Katzen-Gesicht sofort ein Charakter zeigt“, ist Händl von der Ausdruckskraft feliden Mienenspiels überzeugt. Neben der Etablierung des Tiers als durchaus eigenwilligen, eigenständigen Protagonisten und der Mensch-Tier-Beziehung habe ihn bei seinem Film vor allem die Frage des Umgangs mit Schuld interessiert, erzählt der Regisseur und Drehbuchautor. „Die Frage, wie wir miteinander leben, treibt mich sehr um. Wie ist es möglich, dass man doch am andern festhält, wenn er schuldig geworden ist?“

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Dabei sei es keineswegs von vornherein um eine homosexuelle Partnerschaft gegangen. „Ursprünglich hatte ich eine Liebesgeschichte zwischen Frau und Mann geschrieben. Aber bei der Besetzung hat die Chemie nie wirklich gestimmt. Ich finde es gut, dass jetzt die Kräfte zwischen den Beiden gleich verteilt sind. Dadurch ist die Geschichte parabelhafter.“

Dass in seinem Film zunächst viel nackte Männerhaut ins Bild kommt, ist Konzept, aber „kein missionarischer Eifer“: „Ich wollte den schwulen Alltag zeigen, wie er ist, in seiner ganzen Selbstverständlichkeit.“ Dazu zähle eben auch körperliche Nähe und Sexualität, die er in größtmöglicher Natürlichkeit zeigen wollte. Doch mit dem Sündenfall hält auch die Schamhaftigkeit Einzug. „Es ist auch die Geschichte einer Vertreibung aus dem Paradies.“

Händls „Kater“ ist alles andere als ein Schnellschuss - nicht nur der zehn Wochen Drehzeit wegen. „Mit meinem Kameramann Gerald Kerkletz habe ich schon am letzten Drehtag von ‚März‘ über ‚Kater‘ zu reden begonnen“, erzählt Händl, der seinen Schauspielern vor der Kamera zwar viel Spielraum lässt, beim Text aber großen Wert darauf legt, dass die von ihm geschriebenen Dialoge auch exakt wiedergegeben werden.

Dass es bis zur Fertigstellung seines Zweitfilms über sieben Jahre gedauert hat, liegt vor allem an einer Viertkarriere, die der 1969 geborene Dramatiker („(WILDE)Mann mit traurigen Augen“, „Dunkel lockende Welt“ u.a.), Schauspieler und Filmemacher mittlerweile eingeschlagen hat: Er reüssierte als Librettist für Opern von u.a. Beat Furrer und Klaus Lang, vor allem aber von Georg Friedrich Haas, dessen mit „Bluthaus“ und „Thomas“ begonnene „Schwetzinger Trilogie“ am 27. Mai bei den Schwetzinger Festspielen mit der Uraufführung von „Koma“ abgeschlossen wird.

„Haas ist einer der weltbesten Komponisten. Er entwickelt sich jedes Mal unglaublich weiter. Ich trau‘ mich mit ihm Sachen, die für niemanden anderen denkbar wären“, schwärmt Händl. „In der neuen Oper geht es um eine Frau, die im Wachkoma liegt, und ihre Angehörigen, die Szenen aus der gemeinsamen Vergangenheit nachstellen, um sie ins Leben zurückzubringen.“

Bis zu seinem dritten Film werde es keine weiteren sieben Jahre brauchen, versichert er. Bei diesem sei er nämlich bereits „tief im Drehbuch“ und „schon am Besetzen“, sagt Händl, lässt sich inhaltlich aber nur eines entlocken: Der Film erzähle „die größte Liebesgeschichte der Welt“. Aber nein, falsch geraten: Es wird keine „Romeo und Julia“-Verfilmung.

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - www.berlinale.de)


Kommentieren