„Keine Selbstzensur“ - Malaysischem Karikaturisten droht lange Haft

Kuala Lumpur (APA/dpa) - Dass Humor äußerst gefährlich werden kann, bekam Zulkiflee Anwar Ulhaque am eigenen Leib zu spüren: Seine kritische...

Kuala Lumpur (APA/dpa) - Dass Humor äußerst gefährlich werden kann, bekam Zulkiflee Anwar Ulhaque am eigenen Leib zu spüren: Seine kritischen Zeichnungen - meist Spott gegen Regierungschef Najib Razak und andere malaysische Politiker - brachten den Zunar genannten Karikaturisten vor etwa einem Jahr ins Gefängnis. Anfang März muss er erneut vor Gericht erscheinen: Wegen Volksverhetzung drohen ihm bis zu 43 Jahre Haft.

Vor mehr als einem Jahr stürmten Dutzende Polizisten das Haus des politischen Zeichners. Der Vorwurf: Mit seinen Karikaturen gefährde der 52-Jährige die öffentliche Ordnung. So landete Zunar mit Drogenkriminellen und anderen Verbrechern in einer Zelle. Nach wenigen Tagen kam er zwar wieder frei. Doch aufatmen kann er bis heute nicht, wie das jüngste Verfahren zeigt.

Die Schikanen der Behörden schüchtern Zunar allerdings nicht ein. „Keine Selbstzensur üben“, lautet seine Botschaft an alle Karikaturisten, wie er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagt. Die Zeichner seien Wächter der Demokratie, in repressiven Staaten ginge ihre Aufgabe sogar darüber hinaus. „Wir müssen in der Lage sein, für Veränderungen zu kämpfen und Reformen voranzutreiben“, betont Zunar, dessen Einsatz für die Meinungs- und Pressefreiheit 2015 von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) geehrt wurde.

Malaysia sei ein Polizeistaat, wirft Zunar der Regierung vor. Presse, Justiz, Sicherheits- und Antikorruptionsbehörde seien nicht unabhängig: „Der Ministerpräsident kann sie jederzeit überstimmen.“ Nach Angaben von Menschenrechtlern haben die malaysischen Behörden in den vergangenen Jahren die Meinungsfreiheit zunehmend eingeschränkt. Die Maßnahmen seien mit jenen in „tyrannischen und repressiven Regimes“ vergleichbar, das Vorgehen gegen Zunar „absurd“, kritisiert die Menschenrechtsorganisation Suaram.

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Für die Behörden des überwiegend muslimischen Landes in Südostasien sei es ein Leichtes, gegen Dissidenten vorgehen, heißt es. Kritik an der Regierung ist strafbar - dafür sorgt ein Gesetz noch aus britischer Kolonialzeit. So landete schon 1999 Anwar Ibrahim, ein Herausforderer des damaligen malaysischen Regierungschefs Mahathir Mohamad, im Gefängnis. Der Vorfall brachte Zunars Karriere als politischer Karikaturist ins Rollen. „Ich war sehr, sehr wütend und habe diese Wut in Zeichnungen umgewandelt“, erzählt er. „Ich für meinen Teil glaube, dass Lachen der beste Protest ist.“

Doch auch bei spöttischen Zeichnungen gibt es für Zunar Grenzen. „Ich fühle mich gekränkt, wenn jemand eine Karikatur zeichnet, die den Propheten Mohammed verhöhnt“, sagt der Muslim. Ein Grund zum Töten sei das aber nicht. Er verurteilt die Pariser Anschläge auf die Redaktion der Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo. „Selbst, wenn ich eine andere Meinung vertrete, muss ich das Recht des Karikaturisten respektieren“, sagt Zunar.

Ihm selbst allerdings machen die Behörden das Leben weiterhin schwer. Nach seiner Entlassung aus der U-Haft stieß Zunar erneut mit der Polizei zusammen. Dutzende Beamte sabotierten die Eröffnung seiner neuen Karikatur-Ausstellung in Kuala Lumpur. Die Gäste hätten die Veranstaltung sofort verlassen müssen, erzählt er.

Doch Zunar knickt nicht ein. Mit roher Gewalt könnten repressive Regierungen zwar Straßenproteste stoppen, aber noch lange keine Künstler. Die Behörden könnten ihn vielleicht ins Gefängnis stecken, doch seinen Kampfgeist würde dies nicht schwächen, sagt er. „Karikaturen sind ein sehr machtvolles Kommunikationsmittel“, betont Zunar. „Wir können unser Talent wirklich dafür einsetzen, Veränderungen herbeizuführen und Reformen voranzutreiben.“


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