Clinton attackiert Sanders: „Auf wen hören Sie in der Außenpolitik?“

Hillary Clinton spürt Bernie Sanders immer deutlicher im Nacken. In der TV-Debatte am Donnerstag zeigte sie sich angriffiger. Die ehemalige Außenministerin erwischte Sanders an seiner Achillesferse: der fehlenden Erfahrung in der Außenpolitik.

Bernie Sanders und Hillary Clinton betonten einerseits, in vielem gleicher Meinung zu sein - und versuchten andererseits, sich deutlich zu positionieren.
© REUTERS

Washington – Nach ihrer deutlichen Niederlage bei der Vorwahl der US-Demokraten in New Hampshire hat Ex-Außenministerin Hillary Clinton ihren Rivalen Bernie Sanders in einer TV-Debatte hart attackiert. Clinton warf dem selbsterklärten „demokratischen Sozialisten“ am Donnerstagabend (Ortszeit) vor, mit seinen Plänen den Staat aufzublähen.

Die Vorhaben des Senators würden den Umfang der Staatsausgaben in Washington um 40 Prozent erhöhen, sagte sie. Clinton kritisierte in der vom Fernsehsender PBS übertragenen Debatte in Milwaukee vor allem Sanders‘ Idee für eine staatliche Krankenversicherung. Das Versprechen des Senators, dass höhere Steuern für die Mittelschicht durch Einsparungen bei den Gesundheitskosten ausgeglichen würden, sei „nicht haltbar“.

Sanders entgegnete, dass Clinton die Wähler mit ihrer Kritik in die Irre führe. „Ich weiß nicht, mit welchen Volkswirten Außenministerin Clinton redet“, sagte er. Mit Blick auf Sanders‘ Schwerpunkt auf dem ungerechten Wirtschaftssystem machte Clinton deutlich: „Ich bin keine Kandidatin mit nur einem Thema. Und ich glaube, dass wir nicht in einem Land mit nur einem Thema leben.“

Sanders: „Ich bin kein Freund von Henry Kissinger“

Ein Teil der Diskussion drehte sich schließlich um die Außenpolitik der USA. Sanders attackierte Hillary Clinton dabei mit dem Vorwurf, diese würde sich von Henry Kissinger beraten lassen. „Ich bin stolz darauf zu sagen, dass Henry Kissinger nicht mein Freund ist. Denn ich bin zufällig der Meinung, dass er einer der destruktivsten Außenminister in der modernen Geschichte dieses Landes war“, sagte Sanders mit Blick auf die Intervention der USA in Kambodscha und den Krieg in Vietnam.

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Clinton, die immer wieder offen bekannte, sich oft mit Kissinger zu beraten, hielt dem entgegen, dass sie sich mit vielen unterschiedlichen Experten berate und gerne wüsste, welchen außenpolitischen Beratern Sanders Gehör schenkt: „Ich kenne Journalisten, die Sie gefragt haben, auf wen Sie in der Außenpolitik hören, und wir waren noch immer darauf, wer das ist.“

Sanders ging nicht auf die Frage ein und erklärte nochmals, warum er die einstige Außenpolitik Kissingers – mit Verweis auf die von ihm unterstützte Dominotheorie – für falsch halte.

Clinton wirft Sanders vor, Obama ungebührlich zu kritisieren

Die frühere Außenministerin warf dem Senator auch vor, nicht loyal gegenüber Präsident Barack Obama zu sein. „Die Art der Kritik, die wir von Senator Sanders über unseren Präsidenten gehört haben, erwarte ich von den Republikanern und nicht von jemandem, der sich um die Nominierung der Demokraten bemüht, um Präsident Obama nachzufolgen“, sagte sie.

Sanders wies die Äußerung als „Tiefschlag“ zurück. Als Senator habe er das Recht, auch den Präsidenten zu kritisieren. Bei den meisten Themen sei er aber ein „starker Verbündeter“ von Obama gewesen.

Clinton will „Rassismus ausrotten“

Beide Präsidentschaftsbewerber warben auch um die Stimmen von Afroamerikanern, ein wichtiger Wählerblock bei den Demokraten. Clinton erklärte, sie wolle den „systematischen Rassismus“ in den USA „ausrotten“. Sanders drehte das Thema auf das Problem der sozialen Ungleichheit und der zugunsten der Reichen „gezinkten Wirtschaft“: Afroamerikaner und Latinos seien besonders hart von der Finanzkrise getroffen worden, sagte er. Einen klaren Sieger gab es bei den Auseinandersetzungen über innen- und sozialpolitische Themen nicht.

Clinton sieht ihren Favoritenstatus im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten zunehmend bröckeln. Die erste Vorwahl Anfang Februar in Iowa gewann sie nur hauchdünn, bei der zweiten Vorwahl in New Hampshire am Dienstag siegte Sanders mit einem Vorsprung von mehr als 20 Prozentpunkten. Auch in landesweiten Umfragen holte der 74-jährige Senator aus Vermont zuletzt auf.

Am 20. Februar wird wieder gewählt

Die nächste Vorwahl der Demokraten findet am 20. Februar in Nevada statt, die Präsidentschaftsbewerber der Republikaner treten an diesem Tag in South Carolina gegeneinander an.

Die USA wählen am 8. November ein neues Staatsoberhaupt. Der Demokrat Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten. Die Vorwahlen in allen 50 US-Staaten ziehen sich bis in den Frühsommer hin, ihre Kandidaten küren Republikaner und Demokraten dann offiziell bei den Nominierungsparteitagen im Juli. (mats/APA/AFP/dpa)


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