Thiem bezwang Nadal sensationell nach Abwehr eines Matchballs

Ein Drei-Satz-Sieg über Weltranglisten-Fünften brachte den Niederösterreicher in Buenos Aires in sein fünftes ATP-Endspiel. Nun geht es gegen Ferrer oder Almagro.

Der Niederösterreicher Dominic Thiem hat mit seinem Sieg gegen Rafael Nadal in Buenos Aires für eine riesige Tennis-Sensation gesorgt.
© AFP

Buenos Aires – Mit Leistungen wie diesen steuert Dominic Thiem auf die Top Ten zu. Der 22-jährige Niederösterreicher machte am Samstag in Buenos Aires die Sensation perfekt und besiegte erstmals Tennis-Superstar Rafael Nadal. Thiem rang den Weltranglisten-Fünften im Halbfinale des 598.865-Dollar-Sandplatz-Turniers in Buenos Aires nach 2:50 Stunden und nach Abwehr eines Matchballs mit 6:4,4:6,7:6(4) nieder.

Im Finale trifft Dominic Thiem auf Nicolas Almagro, der sich überraschend gegen David Ferrer durchsetzte. Für den Weltranglisten-19. Thiem war es im zwölften Aufeinandertreffen mit einem Top-Ten-Spieler der zweite Sieg. Den bis dato einzigen Erfolg über einen Spieler aus diesem Kreis hatte Thiem 2014 in Madrid gegen den damaligen Weltranglisten-Dritten Stan Wawrinka aus der Schweiz gefeiert.

Das Match war mit jenem ersten Aufeinandertreffen mit Nadal vor rund 21 Monaten in der zweiten French-Open-Runde nicht zu vergleichen. Damals hatte sich Nadal souverän mit 6:2,6:2,6:3 durchgesetzt. Doch in dieser Begegnung war von Beginn an sichtbar, welch tolle Entwicklung Thiem seither durchlebt hat. Der mittlerweile in die Top 20 gekletterte Lichtenwörther geriet zwar gleich mit 0:2 in Rückstand, schaffte aber das sofortige Rebreak zum 1:2 und spielte in der Folge durchwegs auf Augenhöhe mit dem 67-fachen Turniersieger und 14-fachen Grand-Slam-Champion.

Nach einem Break zum 5:4 servierte Thiem nach 45 Minuten zur 1:0-Satzführung gegen den Sandplatz-König aus. Im zweiten Durchgang hatte Thiem im siebenten Game bei 3:3 einen Breakball, der das Match sogar nach zwei Sätzen hätte entscheiden können. Doch Nadal schlug zurück und holte mit einem Break zum 6:4 den Satzausgleich.

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Thiem, der immer wieder mit hervorragenden Winnern beeindruckte, ließ sich davon nicht die Schneid abkaufen. Österreichs Nummer eins gelang sofort wieder ein Break und eine 2:0-Führung, die aber wiederum Nadal mit drei Games in Folge umwandelte. Bei 5:4 für Nadal stand Thiem dann vor dem Aus, als der Iberer nach exakt zweieinhalb Stunden einen Matchball vorfand. Das zehnte Game entwickelte sich überhaupt zum Thriller, erst den fünften Spielball zum 5:5 konnte Thiem nutzen.

Danach ging es ohne Serviceverlust ins Tiebreak, das 6:6 besiegelte Thiem mit zwei Assen en suite. Thiem, der in diesen Kurz-Entscheidungen oft sehr stark spielt, ging rasch 3:0 in Führung (auch dank seines neunten Asses) und fand bei 6:1 gleich fünf Matchbälle vor. Drei davon konnte er nicht verwerten, doch 20 Minuten nach seinem Fast-Aus jubelte Thiem über seinen bisher prestigeträchtigsten Erfolg seiner so viel versprechenden Karriere.

Der Niederösterreicher geht damit bei seiner Südamerika-Premiere auf der ATP-Tour auf seinen vierten Titel nach Nizza, Gstaad und Umag (alle 2015 und auf Sand) los. Dabei hatte Thiem auch schon in der zweiten Runde gegen den Portugiesen Gastao Elias einen Matchball abwehren müssen.

Als jüngster Spieler der Top 20 entthronte Thiem damit den Sandplatz-König Nadal, der in Buenos Aires auch Titelverteidiger war. Thiem verhinderte damit vorerst das 100. Tour-Level-Endspiel für Nadal - die Schlagzeilen gehören damit auch international dem Schützling von Günter Bresnik.

Im Finale trifft Thiem unerwartet auf Nicolas Almagro. Der 30-jährige Weltranglisten-72. besiegte David Ferrer (2) in deren 16. Duell auf der Tour zum allerersten Mal. Ferrer hatte dieses Duell seit der erstmaligen Austragung im Jahr 2006 beherrscht, das davor letzte Match der beiden Spanier gegeneinander hatte er vor zwei Jahren in Buenos Aires im Halbfinale 6:4,6:2 gewonnen.

Thiem gegen Almagro gab es erst vor dreieinhalb Wochen am 20. Jänner in der zweiten Runde der Australian Open zum ersten Mal. Damals hatte der Österreicher auf Hartplatz nur wenig Mühe, er siegte 6:3,6:1,6:3. In der aktuellen Woche hat der ehemalige Top-Ten-Spieler aus Murcia aber außer mit Ferrer mit dem Franzosen Jo-Wilfried Tsonga im Viertelfinale auch schon einen anderen aktuellen Top-Ten-Spieler in zwei Sätzen besiegt. (APA)


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