Ukrainische Katholiken enttäuscht vom Papst

Vatikanstadt (APA/AFP) - Die ukrainischen Katholiken haben sich enttäuscht von der gemeinsamen Erklärung von Papst Franziskus und dem russis...

Vatikanstadt (APA/AFP) - Die ukrainischen Katholiken haben sich enttäuscht von der gemeinsamen Erklärung von Papst Franziskus und dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill zum Konflikt im Osten der Ukraine gezeigt.

Das Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, erklärte am Sonntag auf der Internetseite der Kirche, die Erklärung habe „unter zahlreichen Gläubigen unserer Kirche und ukrainischen Bürgern tiefe Enttäuschung“ ausgelöst. „Viele Menschen haben mich kontaktiert, um mir zu sagen, dass sie sich vom Vatikan verraten fühlen und enttäuscht sind von den Halbwahrheiten des Textes und der indirekten Unterstützung des Heiligen Stuhls für die Aggression gegen die Ukraine“, schrieb Schewtschuk. Die Erklärung lege nahe, dass es sich um einen „Bürgerkrieg“ und „nicht um eine Aggression eines Nachbarlandes“ handle.

Papst Franziskus und Patriarch Kyrill hatten am Freitag bei ihrem historischen Treffen in Kuba die katholische und die orthodoxe Kirche aufgerufen, sich nicht „an der Konfrontation“ in der Ostukraine zu beteiligen und nicht „die weitere Entwicklung des Konfliktes zu unterstützen“. Das Treffen am Flughafen von Havanna war das erste Treffen eines Papstes und eines russisch-orthodoxen Patriarchen seit dem Jahr 1054.

Die Regierung in Kiew und der Westen werfen Russland vor, den Konflikt im Osten der Ukraine zu schüren, indem sie die prorussischen Separatisten mit Waffen und Kämpfern unterstützten. Moskau bestreitet dies. Die ukrainischen Katholiken wünschen, dass der Vatikan die russische Politik in der Ukraine verurteilt. Doch beschränkt sich der Papst darauf, die Ukrainer zur Versöhnung und zur Einstellung der Kämpfe aufzurufen.


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