Ausbaggern des Stausees könnte sich verzögern

Die Entfernung von Geschiebematerial im Stausee Gaulwerk wollte man im Winter erledigen. Die Anträge dafür werden erst jetzt eingereicht.

Kaum mehr als Stausee erkennbar: Die Auflandung ist mittlerweile zum Biotop geworden.
© Daum

Von Hubert Daum

Tarrenz –Einen Aufschrei hörte man letzten Sommer bei Bauern und dem Tarrenzer BM Rudolf Köll: Der Gurglbach nahe der Knappenwelt trat an manchen Stellen über die Ufer, überschwemmte Felder, floss teilweise auf den asphaltierten Weg, Pegel und Brücke trennten geschätzte 20 Zentimeter. Eine in den Bach mündende Mure verschärfte noch die Situation. Der Ursprung des Übels war jedoch die Verlandung des Stausees unterhalb der Knappenweltbrücke, welcher in den frühen 1960er-Jahren von den Imster Stadtwerken zur Stromgewinnung errichtet wurde.

Im Laufe der Jahrzehnte lagerte sich in diesem Stausee und auch östlich davon Geschiebematerial ab, so dass der Pegel des Gurglbaches immer höher wurde und bei Stark­regen bereits Teile der Kulturlandschaft überschwemmt wurden. Die Beschäftigung mit der Problematik wurde jedoch zum gordischen Knoten: Der Kraftwerksbetreiber, die Stadtwerke Imst, ist zwar per Wasserrechtsbescheid aus dem Jahr 1963 verpflichtet, Geschiebeablagerungen zu entfernen, mittlerweile ist der Stausee zum Biotop geworden, so dass auch der Naturschutz bei Eingriffen ein Wörtchen mitzureden hat.

„Nach langen Verhandlungen bekamen wir vor rund 15 Jahren die Genehmigung, oberhalb der Brücke einmalig Material zu entfernen“, berichtet BM Köll, der eine ähnliche Aktion bereits im Herbst erneut forderte und auch das Ingenieurbüro Gstrein beauftragte, ein bewilligungsfähiges Projekt zu entwickeln. Ziel war es allerdings, bereits in diesem Winter, nämlich bei Niedrigwasser, die Ausbaggerungsarbeiten zu erledigen.

„Wir arbeiten seit Anfang Dezember an den sehr aufwändigen Einreichunterlagen für die Behörde“, schildert Adalbert Gstrein den Stand der Dinge, „wir brauchen eine wasserrechtliche und naturschutzrechtliche Bewilligung der BH Imst. Die nun kompletten Unterlagen werden noch diese Woche eingereicht.“ Gstrein schließt nicht aus, dass „die Sache kompliziert werden kann“, hofft aber, dass eine Analogie zur einmaligen Materialentnahme vor 15 Jahren hergestellt wird: „Die Limnologen attestierten damals, dass der Natur kein Schaden zugeführt wurde. Daraus könnte man ableiten, dass bei einer ähnlichen Materialentnahme ebenfalls kein Schaden entsteht.“ Darüber hinaus sei dieser erste Eingriff mit sehr vielen und kostspieligen Auflagen wie Ansiedelung von Krebsen und Errichtung zweier Biotope verbunden gewesen. Die Kosten würden, wie damals, die Stadtwerke tragen. Ob die Genehmigungen allerdings noch in der wasserarmen Zeit ins Gemeindeamt Tarrenz als Projektwerber flattern, sieht Gstrein skeptisch.


Kommentieren


Schlagworte