Olympiasiegerin Kronberger will anderen ihr Schicksal ersparen

Mit einer Olympiasiegerin als Frauenbeauftragter kämpft der ÖSV gegen das Klischee vom männerdominierten Skisport an.

Immer wieder in der Öffentlichkeit, aber gelassen und mit klarem Blick zurück: Kronberger heute.
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Von Florian Madl

Innsbruck – Es war der 28. Dezember 1992, als die heimische Ski-Welt kurzfristig in sich zusammenbrach. Für Petra Kronberger, die damals 23-jährige Olympiasiegerin und Weltmeisterin, mag das schon zuvor gegolten haben: Deshalb hörte die Salzburgerin, die selbst im Angesicht einer Fernsehkamera so herzlich weinen konnte, an diesem Tag auf. Endgültig und ohne Comeback-Absichten, heute würde es mancher wohl „Burnout“ taufen.

„Ich wusste nicht wohin, ich war einfach überfordert“, blickt „Petra the Great“, wie sie auf einem Cover des TIME-Magazins tituliert wurde, zurück. Ohne Wehmut, vielmehr voller Dankbarkeit. Eine Lektion, die sie zum Studium der Kunstgeschichte und der Germanistik veranlasste. Und vor einigen Monaten zu ihren Wurzeln zurückführte. Der Österreichische Skiverband bedarf ihrer Unterstützung, seit im Zuge der Causa Anna Fenninger (Vertragsstreitigkeiten) die mangelnde Einbindung der Frauen kritisiert wurde. Kein Einzelfall im Sportsystem, aber im konkreten Fall reagierte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel: „Petra soll als Bindeglied zwischen einer Männerwelt und einer Frauenwelt fungieren. Es gibt leider keine Trainerinnen“, meinte der 74-Jährige offenherzig. Sein Credo: „Frauen sind halt oft sensibler als Männer.“ Und: „90 Prozent der Mädchen sind keine toughe­n Feministinnen.“

Petra Kronberger weiß das in gewählte Worte zu kleiden: Es gehe um Ausgewogenheit, meint die 47-Jährige gegenüber der TT. Männer und Fraue­n könnten sich gut ergänzen, eine Macho-Gesellschaft sei der Sport aber keine. Die Aussagen muten einstudiert an, sind es aber kaum: Bis dato lehnt Kron­berger Interview-Anfragen vornehmlich ab, sie müsse sich zuerst einarbeiten. Die Phase der Anpassung habe man ihr zeit der Sportkarriere nicht gewährt: „Bei uns fing das mit dem Mentaltraining damals erst richtig an. Ich hätte auch wen gebraucht, an den ich mich hätte wenden können.“ Jetzt soll sie die Lücke schließen. Vorerst nur für Alpin-Damen, aber das immerhin hauptberuflich. Intime Einblicke wird man sich allerdings keine erwarten dürfen: „Ich seh­e mich als Vertrauensperson.“ Ihr Schicksal soll tunlichst ein Einzelfall bleiben.

Bei der Ski-WM 1991 räumte Petra Kronberger ab, der Rummel um ihre Person nahm seinen Ausgang.
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