Terror in Paris

Paris-Attentäter Abdeslam in Brüssel festgenommen

Der Hauptverdächtige der Anschläge von Paris, Salah Abdeslam, war vor einer Woche nach monatelanger Fahndung festgenommen worden.
© AFP/Reuters (Montage)

Belgiens Regierungschef bestätigte die Festnahme, auch zwei weitere Personen wurden verhaftet. Abdeslam soll laut unbestätigten Berichten bei dem Einsatz verletzt worden sein.

Brüssel - Der Hauptverdächtige der Pariser Anschläge, Salah Abdeslam, ist nach monatelanger Fahndung festgenommen worden. „Wir haben ihn“, teilte der belgische Staatssekretär für Asyl und Einwanderung, Theo Francken, am Freitag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Auch das Büro der Bundesstaatsanwalt bestätigte den Erfolg der Ermittler.

Noch zwei Personen festgenommen

Belgiens Regierungschef Charles Michel sagte bei einer Pressekonferenz, außer dem Hauptverdächtigen der Pariser Attentate vom November, Salah Abdeslam, seien noch zwei weitere Verdächtige festgenommen worden. Abdeslam war bei dem Einsatz verletzt worden.

Michel äußerte sich an der Seite von Frankreichs Präsident François Hollande. Der französische Staatschef sagte, er erwarte eine rasche Auslieferung von Abdeslam nach Frankreich. Für Samstag kündigte er eine Sitzung des Sicherheitsrats des Landes an.

Neuer Großeinsatz nach Festnahme

Kurz nach der Festnahme startete die Polizei einen neuen Großeinsatz. Nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga waren am Abend in Molenbeek laute Explosionen zu hören.

Ob sie von Spezialeinheiten der Polizei oder von Terroristen verursacht wurden, war zunächst unklar. Von der Staatsanwaltschaft gab es dazu zunächst keine Angaben.

Bei den Pariser Anschlägen im November waren 130 Menschen getötet worden. Abdeslams älterer Bruder war einer der Selbstmordattentäter. Abdeslam selbst kehrte Stunden nach den Anschlägen nach Brüssel zurück. Zu der Tat hatte sich die Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) bekannt. Die Fahndung nach Abdeslam lief seit Monaten auf Hochtouren. Spekuliert wurde, der 26-Jährige sei nach Syrien geflohen.

Aufnahmen des belgischen Fernsehens zeigten maskierte Spezialkräfte, die den Eingang zu einer Straße in Molenbeek bewachten. Reporter berichteten, über dem Dach eines Gebäudes in der abgesperrten Zone sei weißer Rauch aufgestiegen.

Am Dienstag wurden Abdeslams Fingerabdrücke gefunden

Die Ermittler waren bereits am Dienstag Abdeslam dicht auf den Fersen. An dem Tag wurden Beamte bei einer Routine-Überprüfung einer Brüsseler Wohnung im Zusammenhang mit den Pariser Attentaten aus einer Wohnung heraus beschossen. Ein Scharfschütze erschoss einen 35 Jahre alten Algerier. Nach Medienberichten konnten während der Schießerei zwei Männer fliehen. In dem Appartement fanden die Ermittler Fingerabdrücke von Abdeslam auf einem Glas.

Bei dem getöteten Mann soll es sich nach Angaben der Ermittler wahrscheinlich um Mohamed Belkaid handeln, der den Decknamen Samir Bouzid angenommen hatte. Bouzid wurde von Sicherheitskameras dabei aufgenommen, wie er zwei Tage nach den Pariser Attentaten Geld an die Cousine von Abdelhamid Abaaoud überwies. Abaaoud gilt als eigentlicher Drahtzieher der Pariser Anschläge. Er und seine Cousine wurden bei einem Polizeieinsatz am 18. November im Pariser Stadtteil Saint-Denis bei einem Polizeieinsatz getötet.

Bisher bereits zehn Festnahmen in Belgien

Die belgische Polizei hat nach den Anschlägen zehn Verdächtige festgenommen, zu denen die am Freitag Festgenommenen noch hinzugezählt werden müssen. Im Verdacht stehen unter anderem französische und belgische Staatsbürger, die in Syrien aufseiten des IS gekämpft haben sollen. Ermittler gehen davon aus, dass die Pariser Attentate von Brüssel aus gesteuert wurden. Insbesondere der Stadtteil Molenbeek gilt als Drehkreuz für europäische Jihadisten. Dort haben auch mindestens zwei der mutmaßlichen Attentäter gelebt.

Die Pariser Attentate hatten auch zu Spannungen zwischen Frankreich und Belgien geführt. Französische Ermittler warfen belgischen Sicherheitsbehörden vor, zu lax die Aktivitäten von militanten Rückkehrern aus Syrien zu überwachen. (APA/Reuters)