Osttiroler Familie will auf Pedalen zu noch mehr Freiheit

Sie wollen es wieder wissen: Petra Stranger und Peter Van Glabbeek aus Außervillgraten starten erneut eine Radreise, diesmal durch Nord- und Südamerika. Mit an Bord sind ihre zwei Kinder. Das Abenteuer wird mehrere Jahre dauern.

achen sich in wenigen Wochen auf den Weg: Petra Stranger und Peter Van Glabbeek mit ihren Kindern Ben und Esmé.
© Petra Stranger

Von Claudia Funder

Außervillgraten –Petra Stranger zählt zu jenen Menschen, deren Freude am Erlebten in jedem Satz spürbar ist und die mit ihren Geschichten den Funken der Begeisterung rasch an ihr Gegenüber überspringen lassen. Was die 33-Jährige im Gespräch mit der TT zu erzählen hat, ist aber auch alles andere als banal und alltäglich. Petra Stranger ist das, was man eine passionierte Weltreisende nennen kann. Viele Länder der Erde hat die gebürtige Steirerin mit ihrem Mann Peter Van Glabbeek – er stammt aus Holland – bereits erkundet. Mit Rad, Zelt und Campingkocher. Auch während der Schwangerschaften, mit Baby und Kleinkind wurde in die Pedale getreten. Das Paar bezeichnet sich selbst als „moderne Nomaden“.

In den vergangenen beiden Jahren war die sympathische Familie in Außervillgraten sesshaft geworden. Vorübergehend. Obwohl man hier bestens integriert ist und sich sehr wohl fühlt, heißt es bald Abschied nehmen. Ein weiteres großes Abenteuer ruft.

„Wir werden am 22. April nach Holland reisen und am 3. Mai Europa verlassen“, verrät Petra Stranger, die sich inmitten der Vorbereitungen befindet. „Wir wollen mit unseren Kindern durch Nord- und Südamerika radeln.“ Los geht es in Vancouver, vier Monate lang will die Familie zuerst Kanada erkunden, bevor im September die Einreise in die USA auf dem Plan steht. Angepeilt ist, den amerikanischen Kontinent bis zur südlichsten Stadt zu durchradeln. „Die Reise wird drei bis vier Jahre dauern“, so Stranger zur Dimension der Reise.

© Petra Stranger

Sie hat in Holland Dokumentarfotografie studiert. Dort lernte sie 2009 ihren Mann Peter kennen, den sie zwei Jahre später heiratete. Der 38-jährige Physiker und Astronom war bereits auf sechs Kontinenten mit dem Rad unterwegs, 2010 war Petra erstmals gemeinsam mit ihm auf einer mehrmonatigen Reise. Zu den beiden gesellten sich die Kinder Ben (4,5 Jahre) und Esmé (knapp zwei Jahre). Gemeinsam mit dem kleinen Sohn sollte es 2013 eigentlich durch Asien bis nach Japan gehen. In der Türkei wurde jedoch die Rückreise angetreten. Der Grund: Petra war erneut schwanger.

Außervillgraten wurde zur neuen Heimat der jungen Familie. „Wir hatten uns im Internet kundig gemacht, wo es Ruhe, Sonne und Berge gibt“, lacht Stranger. Die vergangenen zwei Jahre verbrachte das Quartett in Osttirol. Petra organisierte eine Fotoausstellung, bekam Fotoaufträge, arbeitete am Thurntaler als Skilehrerin. Und in Vorträgen berichtete das Paar über seine bisherigen Radreisen. Referieren können die beiden auch auf ihrer nächsten Tour überall, die Bilder sind auf Dropbox gespeichert.

Nun steht dem neuerlichen freien und abenteuerlichen Alltag auf dem Rad nichts mehr im Weg. Es wurde gespart, letzte Vorbereitungen laufen. Für die Tour durch den amerikanischen Kontinent wurden bewusst ruhige Straßen gewählt, mit nicht zu hohen Steigungen, abseits von großen Städten. Unterwegs ist die Familie mit zwei Rädern samt zwei Anhängern, in denen die Kinder als Passagiere mitfahren. Beim Gepäck ist Minimalismus angesagt, man setzt aber auf Qualität. „Eine gute Campingausrüstung, ein hochwertiges Zelt und Daunenschlafsäcke bis minus 18 Grad, aber auch wasserdichte Kleidung und gute Schuhe sind wichtig“, weiß Stranger.

Genächtigt wird stets im Zelt. Gefährliche Situationen gab es auf bisherigen Touren noch nie. Ganz im Gegenteil. Kontakte zur Bevölkerung waren immer der Hauptinhalt des Reisens. Die Gastfreundschaft sei vielerorts enorm. Stranger: „Man wird oft eingeladen oder bekommt Essen geschenkt. Die Kinder erregen überall Aufmerksamkeit.“

Viele Spielsachen werden diesmal nicht im Gepäck landen. „Die Kinder beschäftigen sich am liebsten mit natürlichen Materialien“, weiß Stranger aus Erfahrung. Straßenmalkreide, ein Ball und Sandspielzeug kommen aber sicher mit an Bord. Und für Ben, der während der Reise das schulpflichtige Alter erreicht, auch ein Federpennal. „Wir dürfen häuslichen Unterricht machen“, freut sich Stranger über die Chance, zeitlich unbegrenzt zu reisen.

Langsam, authentisch und intensiv wird gereist. Warum? „Wir sind auf der Suche nach noch mehr Freiheit, auch im Kopf. Ehrlichkeit und Freiheit wollen wir auch den Kindern mitgeben“, erklärt Stranger.

Und nach Ende der Reise? „Falls wir nach Österreich zurückkehren, lassen wir uns wieder in Außervillgraten nieder“, lässt sie aufhorchen.

Ben bekommt übrigens eine kleine Digitalkamera. Er kann damit unbefangen festhalten, wie er als Kind die aufregenden nächsten Jahre erlebt.


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