Der Mann, der Tom Cruise zum Rennfahrer machte

Der Kirchbichler Gerhard Zimmermann ist vor 50 Jahren nach Amerika ausgewandert. Dort ging er mit Arnold Schwarzenegger Ski fahren und duellierte sich mit Paul Newmann und Tom Cruise beim Autofahren.

Gerhard (links) und Klaus Zimmermann mit ihrer Mutter Anna, die 2013 zum ersten Mal ihre Söhne in den USA besuchte.
© Zimmermann

Von Michael Mader

Kirchbichl –Den Namen Zimmermann verband man in den 50er-Jahren mit erfolgreichen Skirennläufern. Noch dazu, wo gleich zwei mit dem Namen Egon Zimmermann zur selben Zeit im Rennsport tätig waren. Einer davon wuchs in Kirchbichl auf, zog 1960 nach den Olympischen Spielen in Squaw Valley in die USA, kehrte aber Mitte der 80er wieder in seine Heimat zurück, wo er im Februar dieses Jahres verstarb.

Mit ein Grund, warum auch sein Cousin, Gerhard Zimmermann, wieder kurz in Tirol vorbeischaute. Obwohl er das eigentlich regelmäßig einmal im Jahr macht, um seine Mutter Anna in Kirchbichl zu besuchen. Gerhard wanderte nämlich ebenfalls nach Amerika aus, um in der Skischule seines Cousins Egon vorerst als Skilehrer zu arbeiten. „Zunächst nur für ein Jahr. Dann ging ich zum Bundesheer und 1970 bin ich dann ganz hin­über gezogen“, erzählt der heute 65-Jährige. Ebenso wie sein Bruder Klaus, der auch den Lockrufen seines Cousins folgte.

Gerhards Affinität zum Skisport war schon immer recht groß: „1969 war ich bei der Firma Kneissl Maschinenschlosser, da habe ich bei den Skiern den Metallstern gefeilt.“ In den USA war er aber nicht nur in der Skischule tätig, sondern auch im Verkauf für Kästle und Völkl. Dabei hat er eines Tages Arnold Schwarzenegger kennen gelernt, dabei entstand auch das Erinnerungsfoto. Später sind die beiden dann auch gemeinsam Ski fahren gewesen.

Die Brüder mit Arnold Schwarzenegger.
© Zimmermann

Aber auch im Autorennsport war Zimmermann recht umtriebig. „Ich habe eine Zeit lang für eine Rennschule gearbeitet und bin dort immer mit Paul Newmann gefahren. Ein guter Fahrer“, urteilt Zimmermann. So kam der Kontakt zu Tom Cruise zustande, der auch so gut Rennen fahren wollte wie Paul Newman. „Vier Tage lang habe ich mit ihm gearbeitet, danach hat er dann einen Film über Rennfahrer gedreht“, erinnert sich Zimmermann. Bei uns lief dieser unter dem Titel „Tage des Donners“ im Kino.

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Wenn Zimmermann zu Besuch bei seiner Mutter in Kirchbichl ist, geht er natürlich Ski fahren. Über die Preise für die Liftkarten und das Gedränge vor den Liftstationen kann er nur lächeln. Er lebt mittlerweile in Pennsylvania, nur unweit eines Skigebietes: „Dort gibt es etwa 14 Lifte und einen Berg mit einem Höhenunterschied von nur etwa 300 Metern. Trotzdem strömen am Wochenende unter anderem aus New York zwischen 12.000 und 14.000 Skifahrer auf die Piste – und das für 60 Dollar pro Ticket.“ Mit Anreise und Abreise, Parkplatzsuche, Skiverleih, Essen und Anstellen komme jeder nur auf zwei bis drei Abfahrten. „Trotzdem fahren die Leute glücklich nach Hause“, erzählt Zimmermann. Und vor den Liftstationen würde es trotz der Masse an Leuten kein Gedränge geben. Alle stünden in Reih und Glied, niemand fahre einem über die Skier so wie in Tirol etwa.

Große Unterschiede zwischen den Ländern sieht Zimmermann unter anderem in den riesigen Flächen. „Wir fahren öfters mit dem Auto nach Las Vegas zu den Shows. Da ist man dann zwei Tage unterwegs.“ Trotzdem habe sich seit seiner Auswanderung einiges geändert, vor allem in puncto Reisegeschwindigkeit: „In den 60er-Jahren war man von Kirchbichl nach Amerika fast zwei Tage unterwegs. Mit dem Zug nach Luxemburg über Island bis nach New York. Heute fliege ich von München aus sechs Stunden.“ So wird Zimmermann wohl auch in Zukunft einmal im Jahr seine Mutter Anna in Kirchbichl besuchen kommen.


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