Panama-Leaks - Rasinger: „Nicht nur Panama anschauen“

Wien (APA) - Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger hält es für eine gesunde Kapitalmarkthygiene notwendig, dass im Zusammenhang mit Brief...

Wien (APA) - Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger hält es für eine gesunde Kapitalmarkthygiene notwendig, dass im Zusammenhang mit Briefkastenfirmen und Steueroasen nicht nur auf Panama geschaut wird, sondern auch auf die anderen Steueroasen. „Da gehören genau so gut die Kanalinseln und Delaware dazu“, sagte Rasinger am Montag am Rande eines Pressegespräches in Wien.

Durch Steueroasen entstünden starke Verzerrungen und Ungerechtigkeiten. Einzelne Länder würden durch solche Konstruktionen einfach einen Vorteil für sich herausziehen. Transparenz und Informationsaustausch sei deshalb „sehr, sehr notwendig und wichtig“. „Ich finde, so etwas sollte in einer globalisierten Welt nicht mehr sein und hat auch nichts mit einem Steuerwettbewerb zu tun“, so der Chef des Interessenverbandes für Anleger (IVA).

Das größte Hindernis für mehr Transparenz bilden laut Rasinger Personen, die diese Konstruktionen über Jahrzehnte genossen haben und die auch politisch einflussreich seien. Diese hätten mit ihren Geldern auch den einen oder anderen politischen Prozess beeinflusst und würden mit mehr Transparenz „natürlich keine Freude haben“. „Aber das ist ein Umdenkprozess, der jetzt stattzufinden hat. Und ich glaube, dass das gar nicht so schlecht sein wird. Das wird uns jetzt einige Zeit beschäftigen, aber am Ende des Tages bin ich optimistisch“, meinte Rasinger.

In Zukunft würden nur mehr diejenigen Auslandskonten haben, die wirklich im Zuge einer Risikostreuung ihr Vermögen auf mehrere Länder aufteilen, „aber wissen, dass es transparent sein muss und genau so den steuerlichen Bestimmungen unterlieg, wie wenn sie es einzig und alleine in ihrem Heimatland veranlagen würden“, so Rasinger.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Die Enthüllung der „Panama Papers“ würden vor allem diejenigen mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen, die keine Briefkastenfirmen in Panama haben. Sie würden sich vielleicht sogar freuen, weil sie hoffen, dass damit ein Beitrag zur Reduktion der Staatsverschuldung geleistet werde. Rasinger rechnet mit großen direkten Auswirkungen, weil eine Briefkastenfirma nicht mehr sicher sei, es nicht mehr möglich sei, sich auf dieser Welt im Zuge der Globalisierung zu verstecken. „Daher rechne ich damit, dass die Attraktivität von solchen Standorten stark abnehmen wird“, so Rasinger.

Die großen Fragen bei Steueroasen sind immer, „welches Geld wird transferiert und wird das Geld auch ordnungsgemäß versteuert“. Rasinger vergleicht das mit Waffen: „Eine Waffe zu besitzen ist a priori nicht illegal. Die Frage ist immer, was hat man vor damit, warum brauche ich eine Waffe - vor allem, wenn ich mehrere habe.“ Daraus könne man Rückschlüsse ziehen. Man müsse das Motiv hinterfragen, weil alles, was man tut, mit Kosten verbunden sei. Für Rasinger gibt es nur zwei Gründe, warum jemand Briefkastenfirmen gründet: Gier oder Angst. „In Zeiten wie diesen fällt sehr oft die Angst weg, sodass sehr oft nur mehr die Gier übrig bleibt“, so Rasinger.


Kommentieren