Geld verstecken per Mausklick: So betrügen Briefkastenfirmen

Sein Vermögen in Steueroasen zu parken und damit vor dem heimischen Fiskus vorbeizuschleusen, ist nicht viel komplizierter, als etwas im Internet zu bestellen. Nach diesem Prinzip funktionieren Briefkastenfirmen:

Blick auf Panama City: Von hier aus operiert die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, deren brisante Daten von Journalisten aus aller Welt ausgewertet wurden.
© AFP

Panama City - Mehr als 5.000 Milliarden Euro lagern derzeit Expertenschätzungen zufolge in Steueroasen wie Panama. Darunter auch Geld, das teils durch kriminelle oder zumindest dubiose Machenschaften angehäuft wurde. In jedem Fall Geld, das an Finanzämtern vorbeigeschleust wurde. Über Finanzwirtschafts-Konstrukte, die nicht per se illegal sind: sogenannte Briefkastenfirmen.

Aber wie funktioniert dieses Geschäftsmodell eigentlich, das neben wohlhabenden Privatpersonen auch hochrangige Politiker, Sportstars oder Promis nutzen, um Vermögen steuerfrei oder steuermindernd zur Seite zu schaffen? Die bei der Auswertung der Panama-Leaks federführende Süddeutsche Zeitung (SZ) erklärt in einem anschaulichen Video, wie einfach es ist, eine Briefkastenfirma zu bekommen. Mit ein paar Mausklicks und ohne großartigem Aufwand könne man sein Geld in Steueroasen verstecken. Dies sei nicht viel schwieriger, als etwas im Internet zu bestellen.

Das Wesen der Scheindirektoren

Bei der Gründung einer Briefkastenfirma helfen Agenturen wie die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, deren Datenkonvolut vor rund einem Jahr dem Journalisten-Netzwerk anonym zugespielt wurde und den aktuellen Skandal auslöste. Wesentlich für solch eine Briefkastenfirma ist ein Scheindirektor, der offiziell die Firma leitet. „Aber das ist gelogen“, heißt es im SZ-Video. Es bestehe eine „geheime Abmachung“ zwischen demjenigen, der sein Geld in der Offshore-Firma parke und dem Scheindirektor, der alles unterschreibe was man wolle. So habe der tatsächliche, aber geheime Kontoinhaber die volle Kontrolle, auf allen Unterlagen stehe aber nur der Name des Strohmanns.

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Das Erklärungsvideo der „Süddeutschen Zeitung“: http://go.tt.com/225adbE

Scheindirektor sei „ein beliebter Job in Steueroasen, manche Menschen sind Scheindirektoren von tausenden Firmen“, heißt es im SZ-Video. Jeder in Steueroasen wisse, dass Briefkastenfirmen in Wahrheit jemand anderem gehörten, aber keiner greife ein. Das sei Teil des Geschäftsmodells „Offshore“.

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Behörden tappen im Dunkeln

Vermögen kann so im Ausland versteckt werden und Schmiergeldzahlungen können als ganz normales Geschäft getarnt werden. Polizei und Finanzamt aus dem Land in dem ein mutmaßlicher Steuerhinterzieher gemeldet ist können nicht herausfinden, wem die Briefkastenfirma wirklich gehört. Sie stoßen bei Ermittlungen nur auf Strohmänner. „Unserem Staat fehlt es deshalb an Geld. Und jene die nicht tricksen, müssen dies ausgleichen“, heißt es im Video abschließend. Die Panama-Leaks zeigen nun in vielen Fällen, wer wirklich hinter den Briefkastenfirmen steckt. Nun wird sich zeigen, wie die Ermittler mit den Informationen aus den Panama-Leaks umgehen und welche Schlüsse letztlich daraus gezogen werden. (siha, TT.com)

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