Freund mit Lungenstich lebensgefährlich verletzt: Drei Monate Haft

Wien (APA) - Weil sie ihren damaligen Freund mit einem Brotmesser attackiert und lebensgefährlich verletzt hatte, hat sich eine 32-jährige F...

Wien (APA) - Weil sie ihren damaligen Freund mit einem Brotmesser attackiert und lebensgefährlich verletzt hatte, hat sich eine 32-jährige Frau am Montag im Wiener Landesgericht verantworten müssen. Obwohl der Stich dem 30-Jährigen in die Brust drang und die Lunge beschädigte, lautete die Anklage nicht auf versuchten Mord. Die Staatsanwaltschaft warf der Frau absichtliche schwere Körperverletzung vor.

„Ich wollte das nicht. Ich wollte auf keinen Fall, dass er so schwere Schäden davonträgt“, schluchzte die Beschäftigungslose vor Richter Marc Farkas. Ihr Freund habe sie „narrisch g‘macht“. Die Frau kam bei einer Strafdrohung von bis zu fünf Jahren mit 21 Monaten teilbedingter Haft davon, wovon drei Monate unbedingt ausgesprochen wurden. Der Rest wurde ihr unter Setzung einer dreijährigen Probezeit auf Bewährung nachgesehen. Der Schuldspruch im Sinn der Anklage ist nicht rechtskräftig, die Angeklagte erbat Bedenkzeit.

Die ursprünglich harmonische Beziehung des Paars hatte sich verschlechtert, nachdem sie ihn mit einem anderen Mann betrogen hatte. Immer wieder soll es in Folge dessen zu Streitgesprächen gekommen und die mögliche Trennung im Raum gestanden sein. Er soll an ihrer Treue gezweifelt und sie beschimpft haben, wovon sie sich wiederum in die Enge getrieben und erniedrigt fühlte. Die zwischenmenschlichen Unstimmigkeiten verschärften sich, als er eines Tages auf Facebook das Foto einer anderen Frau geliked hat. Sie stellte den Reifenmonteur daraufhin am Abend des 29. Oktober 2015 bei einem Treffen in ihrer Wohnung zur Rede, worauf er ihr lautstark unter Vorhalt ihres Seitensprungs beschied, sie solle ruhig sein.

Zugleich habe er noch Gläser und Häferl aus einem Regal geschoben, die am Boden zerbrachen, schilderte der Mann im Zeugenstand das weitere Geschehen: „Das dürfte zu viel gewesen sein.“ Die 32-Jährige hatte plötzlich ein Brotmesser in der Hand und stach ihm die Klinge in die Brust. Im Vorzimmer fügte sie ihm noch eine Schnittwunde am Unterarm zu, als er im Begriff war, taumelnd die Wohnung zu verlassen. „Schau, was du gemacht hast!“, rief der 30-Jährige, ehe seine Freundin die Rettung anrief. Bevor er von den Einsatzkräften abtransportiert wurde, bemerkte der Schwerverletzte noch zu den mittlerweile auch eingetroffenen Polizisten, die Frau sei „keine Schwerverbrecherin“.

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Eine Notoperation rettete dem 30-Jährigen das Leben. Die Täterin wurde nicht in U-Haft genommen, sondern bereits wenige Stunden nach ihrer Festnahme wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Justiz billigte ihr offenbar von Anfang an zu, bei dem Bruststich das mögliche Ableben ihres Freundes nicht mitbedacht zu haben.

„Ich hab‘ ihn trotzdem geliebt, obwohl ich ihn betrogen habe“, betonte die Angeklagte in ihrer Beschuldigteneinvernahme. Wegen ihres einmaligen Ausrutschers hätten sie „jeden Tag gestritten“, ihr Partner habe sie „monatelang erniedrigt“. Beim letzten Streit habe der 30-Jährige sie kurz „in den Schwitzkasten genommen“ und schließlich ihr Geschirr zu Boden geschmissen. Da habe sie das Messer ergriffen: „Er hat mich nicht ernst genommen. Ihn hat das Messer nicht abgeschreckt.“ Da habe sie „blind hing‘stochen“.

Der Mann, der sich nach seinem längeren Spitalsaufenthalt von der Angeklagten getrennt hat, versicherte, er sei während der Beziehung nie handgreiflich geworden und habe diese auch am Schluss nicht gewaltsam gepackt: „Ich wollte sie nur fixieren, weil sie ganz hysterisch war.“ Auf Belehrung des Richters, dass er sich dem Strafverfahren mit Schadenersatz- und Schmerzengeldansprüchen anschließen könne, erklärte der 30-Jährige, er „wolle nichts“.


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