Freizeitwohnsitze blockieren Raumordnung

Verhandlungsrunde zwischen ÖVP und Grünen über umstrittene Freizeitwohnsitzregelung endete ergebnislos.

Mit Freizeitwohnsitzen auf Bauernhöfen erhoffen sich die Landwirte ein zusätzliches Einkommen.
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Von Peter Nindler

Innsbruck –Der Umgang mit Grund, Boden und Immobilien, der in der Raumordnung geregelt ist, wird einmal mehr zum Kräftemessen mit dem ÖVP-Bauernbund. Schließlich fordert die mächtigste Teil­organisation in der ÖVP in der aktuell diskutierten Raumordnungsnovelle eine Gleichstellung von Bauernhöfen bei der Schaffung von Freizeitwohnsitzen mit Gebäuden im Wohngebiet, Mischgebiet oder auf Sonderflächen für Gastgewerbebetriebe. Sollte in einer Gemeinde die Anzahl von Ferienwohnsitzen noch nicht die Acht-Prozent-Marke übersteigen, soll ihre Errichtung möglich sein. Und auf bewirtschafteten Almen pocht der Bauerbund auf Ferienwohnungen mit maximal acht Betten.

Eine koalitionäre Verhandlungsrunde brachte gestern keinen Durchbruch, wenngleich sich ÖVP und Grüne bei den Ferienwohnungen auf Almen durchaus angenähert haben. Dort scheint eine Einigung unter bestimmten Voraussetzungen möglich zu sein. Bei den Freizeitwohnsitzen sind die Positionen jedoch festgefahren, obwohl der stellvertretende ÖVP-Klubchef und Bauernbundabgeordnete Hermann Kuenz davon spricht, „dass wir einiges aufklären konnten“. Es handle sich keinesfalls um die Ermöglichung des Verkaufs von Freizeitwohnsitzen. „Uns geht es einzig und allein darum, eine weitere Erwerbskombination für Landwirte zu ermöglichen.“

Die Skepsis ist nicht nur bei den Grünen groß, schließlich will das Land seit Jahren die Zahl der (illegalen) Freizeitwohnsitze in Tirol eindämmen.

Die von den Bauern gewünschte Gleichstellung würde allerdings Freizeitwohnsitze im Freiland erlauben. Der aus Oberndorf stammende Bauernbundabgeordnete Josef Edenhauser gilt als treibende Kraft hinter der Forderung. Eigeninteressen bestreitet er, obwohl er selbst eine Ferienwohnung auf seiner Hofstelle vermietet. „Aber nur an einen Gast aus Griechenland und das nur drei Wochen im Jahr.“ In Oberndorf könnten überdies keine Freizeitwohnsitze mehr errichtet werden, die Acht-Prozent-Quote ist ohnehin schon heillos überschritten.

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Dass bisherige längerfristige Vermietungen an Feriengäste mit der Neuregelung legalisiert werden sollen, wird selbst im Bauernbund nicht bestritten – aber: „Bauernhöfe sind als Immobilien für Freizeitwohnsitze nicht mehr begehrt. Die maximal 380 Quadratmeter sind Interessenten zu wenig“, sagt Edenhauser. In schwierigen wirtschaftlichen Zeiten mit sinkenden Erzeugerpreisen könnte eine längerfristige Vermietung einigen Landwirten jedoch ein zusätzliches Einkommen bescheren. „Ich verstehe die Diskussion nicht, hier wird maßlos übertrieben. Das gilt auch für die Ferienwohnungen auf Almen.“

Auf rund 100 Almen könnten zusätzliche Urlaubsangebote geschaffen werden. Es sei zumal von großem landeskulturellem Interesse, wenn vor dem Verwahrlosen bedrohte Almen wieder bewohnt und vor dem Verfall bewahrt würden, betont Hermann Kuenz. Am Freitag wird jetzt weiterverhandelt.


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