Sonderbriefmarke für Michael Haneke

Die Marke aus der Reihe „Österreicher in Hollywood“ wurde am Montag im Filmmuseum präsentiert.

Regisseur Michael Haneke am Montag im Rahmen der Briefmarken-Präsentation der Österreichische Post in Wien.
© APA/HOCHMUTH

Wien – Einen Oscar, zwei Goldene Palmen und viele weitere Filmpreise hat Michael Haneke bereits - nun kommt eine Sonderbriefmarke mit seinem Konterfei hinzu. Dass sein Bekanntheitsgrad solche Ausmaße genommen hat, sieht der österreichische Starregisseur gelassen. „Berühmtheit ist immer Option“, so Haneke bei der Präsentation am Montagnachmittag in Wien. „Wer das nicht will, kann masturbieren im Kammerl.“

Regisseur dreht seinen neuen Film ab Ende Juni

68 Cent ist die Sonderbriefmarke der Österreichischen Post AG wert, von der im Rahmen der Serie „Österreicher in Hollywood“ 470.000 Stück aufgelegt werden. „Dabei hatte ich nur ein kurzes Gastspiel in Hollywood“, sagte der 74-Jährige, der 2007 eine amerikanische Version seines Horrorthrillers „Funny Games“ in den USA gedreht hat, am Rande der Veranstaltung im Österreichischen Filmmuseum zur APA. Wie zuletzt sein Oscar-prämiertes Sterbedrama „Liebe“ siedelt er nämlich auch seinen nächsten Film, „Happy End“, in Frankreich an. „Wir sind in Vorbereitung und fangen Ende Juni zu drehen an“, verriet Haneke, und mehr auch nicht: „Über ungelegte Eier soll man nicht reden.“

Fest steht, dass im nordfranzösischen Calais mit Isabelle Huppert und Jean-Louis Trintignant zwei französische Filmgrößen nicht das erste Mal für Haneke vor der Kamera stehen werden. „Ich versuche immer, mit den Leuten, mit denen ich mich gut verstehe, wieder zu arbeiten“, erzählte Haneke, der sein Kinodebüt 1989 mit „Der siebente Kontinent“ gab, im launigen Gespräch über seine Karriere mit Filmmuseums-Direktor Alexander Horwath. „Man fängt bei jedem Projekt bei Null an, da ist es gut, wenn man Mitstreiter im Geiste hat.“

„Das Wesentliche für einen guten Regisseur ist, dass er schauen und hören kann“

Die Arbeit mit Schauspielern sei ihm dann auch das Liebste am Filmemachen, so Haneke, der im Vorfeld einer 20-minütigen Filmcollage vor rund 100 Gästen - darunter Ehefrau Susanne und Produzent Veit Heiduschka - auch amüsant in seine Arbeitsweise einführte. Benoit Magimel habe er vor einer Szene aus „Die Klavierspielerin“ (2011) mit Isabelle Huppert am Klavier etwa die Regieanweisung gegeben: „Mach den Mund a bissl auf.“ - „Und das ist dann der sinnliche Blick.“ Im realen Leben müssten sich die Schauspieler nicht zwangsläufig gut verstehen oder Chemie aufbauen. „Das Wesentliche für einen guten Regisseur ist, dass er schauen und hören kann.“

„Ohne Scheitern gibt es keine Entwicklung“

Die Ansicht ausgewählter Szenen aus seinen Filmen von „Funny Games“ über „Das weiße Band“ bis „Code inconnu“ im Filmmuseum stellte für Haneke eine „Selbstqual“ dar, wie er sagte. „Jeder ernsthafte Regisseur leidet, wenn er seine Filme sieht, weil er immer nur sieht, was ihm nicht gelungen ist“, so der Filmemacher. „Aber das muss man aushalten. Ohne Scheitern gibt es keine Entwicklung.“ Auch ein sehr erfolgreiches, mehr als vier Jahrzehnte umspannendes Filmschaffen könne ihn nicht vom Versagen bewahren. „Du musst dumm sein, wenn du dich vom Erfolg verwöhnen lässt. Du kannst jederzeit wieder auf die Schnauze fallen.“

Die Sonderbriefmarke jedenfalls „möge ein kleiner Beitrag“ zum vielprämierten Lebenswerk Hanekes sein, sagte Post-Generaldirektor Georg Pölzl bei der Übergabe einer in Glas eingeschweißten Marke. Im APA-Gespräch gab der Geehrte an, „bisweilen“ noch „Briefe an Leute ohne Internet“ zu verschicken. „Wir haben schon immer Briefmarken-Rollen zuhause und verwenden sie. Jetzt werde ich meine eigenen verwenden, das ist viel lustiger.“ (APA)


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