Altersmilde und ein wenig alte Magie

Das Italo-Popduo Al Bano und Romina Power versüßte einen langen Konzertabend mit rührenden Momenten.

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© Andreas Rottensteiner / TT

Innsbruck –Mit Al Bano geht nicht nur bildlich gesprochen die Sonne auf. Die sehr bunt­e Bühnenshow macht plötzlich so etwas wie Sinn, wenn der 73-Jährige die ersten Töne ins Publikum schmettert. Laut Veranstalter sind rund 2300 Zuschauer erschienen, ein Publikum, das mit dem Sänger reif geworden ist. In den etwas lichten Sesselreihen der Olympiahalle finden sich aber auch einige kleine, recht euphorische Frauen­grüppchen. Die 80er-Jahre-Moves von Romina Power dürften die erste­n Tanzbewegungen gewesen sein, die in der Kindheit und Jugend imitiert wurden – die funktionieren auch heute noch. Dass der eingängige Italoschlagerpop des Duos selbst in den entlegensten Tiroler Täler seinen südländischen Zauber entfalten konnte, lässt sich an den Gesichtern der Zuschauer ablesen. „Felicità“ – süße Erinnerung und Verheißung von Romantik und Leidenschaft – wird gleich zweimal angestimmt. So auch zur Zugabe dieses mit gut zweieinhalb Stunden Spielzeit (ohne Pause) ausführlichen Konzertabends. Eine Show, die zuweilen den Charme eines Selbstverwirklichungs­seminars verströmt. Al Bano darf mit seiner Passion für Klassik einen nicht unbeträchtlichen Teil des Abends füllen. Mit weißem Hut, den es praktischerweise im Saal zu kaufen gibt, präsentiert der kleine Tenor aus Apulien ein „Best of Classic“: Von „Vesti La Giubba“ aus der Oper Pagliacc­i bis zu „Ave Maria“, das mit einer Diashow von Marienbildern untermalt wird. Eine Darbietung, die von Teilen des Publikums mit Standing Ovations honoriert wird. Zwischendurch rockt Yari Carris­i, der Sohn des zumindest auf der Bühne wiedervereinten Paares, ein klein wenig den Saal. Mit dem Herrn Papa gibt er den Folkklassiker „House of the Rising Sun“ zum Besten.

Wie es sich gehört, singt Al Bano auch von Amore. Romina Power säuselt derweil „America“ ins Mikro und verbreitet eine Botschaft, die mit Liebe und Toleranz zu tun hat, während ihr auf Deutsch vorgetragenes Gedicht von den Freuden der Mutterschaft spricht. Irgendwann geben beide dann noch abwechselnd Songs ihrer jeweiligen Heimat zum Besten: „Ti voglio bene assai“ trifft auf „Power to the People“. Warum auch nicht, sagt sich ein altersmildes Publikum und lächelt ein wenig müde. Milde sind auch die Protagonisten auf der Bühne. Damit die Leute das bekommen, wofür sie eigentlich gekommen sind, stimmen Al Bano und seine 64-Jährige Gesangspartnerin gelegentlich ihre großen Hits an – „Ci sarà“ „Libertà“ oder „Sharazan“, das alte magische Pritzeln überträgt sich auch aufs Publikum und süße Erinnerungen an ein­e längst verloren geglaubte Leichtigkeit werden wach. Dazu Videobilder einer jungen, schönen Amerikanerin, die mit ihrem süditalienischen Cantante in die Abendsonne blickt. Wenn sie nicht gestorben sind, stehen sie womöglich immer noch auf der Bühne. (sire)


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