Panama-Leaks - Gewerkschaft: Deutschem Fiskus entgehen Milliarden

Berlin (APA/AFP) - Den deutschen Steuerbehörden entgehen nach Einschätzung der Deutschen Steuergewerkschaft durch Offshore-Firmen rund 10 Mr...

Berlin (APA/AFP) - Den deutschen Steuerbehörden entgehen nach Einschätzung der Deutschen Steuergewerkschaft durch Offshore-Firmen rund 10 Mrd. Euro im Jahr.

Gewerkschaftschef Thomas Eigenthaler sagte der „Bild“-Zeitung vom Dienstag: „Der Ausfall für den Fiskus durch Steuerhinterziehung und Steuerflucht summiert sich auf 50 Mrd. Euro im Jahr. Etwa ein Fünftel davon fällt auf den Bereich Offshore-Firmen.“

Eigenthaler forderte die deutsche Regierung angesichts der Enthüllungen über dubiose Finanzgeschäfte von Briefkastenfirmen in Panama auf, eine Liste mit „unsicheren Steuerstaaten“ zu erstellen. „Wer Geschäfte mit einer Firma in diesen Staaten macht, sollte dann so behandelt und besteuert werden, als ob das Geschäft in Deutschland stattfindet“, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende. Das wäre ein wirkungsvoller Schritt, um Steuerflucht und Geldwäsche zu bekämpfen, fügte er hinzu.

Ein weltweites Netzwerk von Journalisten hatte in den vergangenen Monaten einen umfangreichen Datensatz über Briefkastenfirmen ausgewertet, die über die in Panama-Stadt ansässige Finanzkanzlei Mossack Fonseca laufen. Die Dokumente waren der „Süddeutschen Zeitung“ von anonymer Seite zugespielt worden.

Briefkastenfirmen seien zwar formal nicht illegal, so die deutsche Steuergewerkschaft. Wer sein Geld in Steueroasen parke, verfolge damit jedoch so gut wie ausschließlich illegale Ziele. „Es gibt aus meiner Sicht keinen vernünftigen wirtschaftlichen Grund, mit einer Briefkastenfirma in eine Steueroase zu gehen, es sei denn, man möchte insbesondere den Fiskus täuschen und Steuern hinterziehen“, sagte Eigenthaler am Dienstag dem Fernsehsender n-tv. „Zu 99,9 Prozent dient ein solches Konstrukt der Steuerhinterziehung, der Geldwäsche und der Betrügerei.“

Eigenthaler rechnet mit weiteren Enthüllungen in Folge der „Panama Papers“-Veröffentlichung. Neu sei, „dass es in einem kleinen Land wie Panama eine solche Zahl von Briefkastenfirmen gegeben hat“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstagsausgabe). Daraus schließe er, dass es sich weltweit um ein Problem von erheblicher Dimension handelt, zumal es neben Panama auch andere Steueroasen gebe. „Überall dort finden solche oder vergleichbare Dinge statt. Wir sehen bisher nur die Spitze des Eisbergs“, ist Eigenthaler überzeugt.

Der Gewerkschaftsfunktionär forderte eine stärkere internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen Steueroasen. Medien aus rund 80 Staaten hatten am Sonntag Informationen über weitreichende Geldgeschäfte mit Briefkastenfirmen in Steueroasen veröffentlicht. Die von einer anonymen Quelle übermittelten Daten stammen von der panamaischen Wirtschaftskanzlei Mossack Fonseca, die Offshore-Firmen vermittelt. Diese Firmen sind zwar grundsätzlich nicht illegal, eignen sich aber auch dazu, schmutzige Geschäfte zu verschleiern oder heimliches Vermögen an den Steuerbehörden vorbei zu parken.


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