Neue Ski-Modelle getestet: Ein Hauch Haute-Couture

Nach der Saison ist vor der Saison. Am Katschberg nahmen Profis und Hobbysportler deshalb brandneue Ski unter die Lupe. Ihr Design erinnert an Karl Lagerfeld und Co.

Beim World Ski Test am Katschberg in Kärnten wurden die neuen Modelle mit schwarzer Folie abgeklebt und mit Nummern versehen.
© hotter

Von Miriam Hotter

Katschberg –Wie aufgefädelt stehen sie da, die ca. 200 neuen Skimodelle für den Winter 2016/17. Ein buchstäblicher „Lattenzaun“, der die Terrasse des Restaurants „Stamperl“ am Katschberg vor ungebetenen Gästen abschirmt. Denn beim World Ski Test in Kärnten dürfen nur rund 300 „Auserwählte“ die brandneuen Ski unter die Lupe nehmen. Darunter aktive und ehemalige Spitzensportler sowie Journalisten und Hobbysportler aller Alters- und Könnerstufen. „De sein aber schiach“, schimpft ein Ex-Skirennläufer hinter vorgehaltener Hand.

„Man kann nicht jeden Geschmack treffen“, weiß Alexander Mericka vom italienischen Skihersteller Nordica. Am schwierigsten sei es, Damen-Ski zu designen. „90 Prozent der Einkäufer für Sportgeschäfte sind Männer. Sie wissen oft nicht, was den weiblichen Skifahrern gefällt“, nennt er den Grund. Viele Hersteller verpassen ihren Damen-Skiern deshalb eine weiß-schwarze Optik. „Da kann man nichts falsch machen“, sagt Mericka.

Ex-Skirennläufer Michael Walchhofer testete neue Ski.
© hotter

Dabei spielt das Design bei der Kaufentscheidung eine große Rolle. Mericka schätzt, dass zwei Drittel der Kunden sich an der Optik orientieren. Passt der Ski zur Kleidung? Zur Brille? Zu den Schuhen? „Ski-Designer müssen deshalb wissen, was modetechnisch gerade angesagt ist“, erklärt Mericka. Und wo kann man Mode-Trends besser entdecken als auf Modeschauen? Ski-Designer klappern daher regelmäßig Fashion-Shows großer Modehäuser ab. „Sie schauen, welche Farben und Linien Modedesigner bei ihren Kollektionen verwenden und lassen sich davon inspirieren.“ Karl Lagerfeld hat also ein Wörtchen dabei mitzureden, wie die Skimodelle von morgen aussehen.

Beim Skitest rückt das Design jedoch in den Hintergrund. Die Ski, die vorher im Restaurant noch unter die Lupe genommen wurden, liegen nun im Schnee im Skigebiet Katschberg. Alle Paare wurden mit schwarzer Folie abgeklebt und mit einer Verleihbindung ausgestattet. „Weil die Leute den Ski testen sollen und nicht die Marke“, erklärt Organisator Gerhard Brüggler. Neutralität ist oberstes Gebot, um möglichst objektive Aussagen über die getesteten Ski zu bekommen. Aussagen, die bei der Suche nach dem richtigen Paar Ski hilfreich sein sollen. Wer es noch nicht probiert hat: Das Rezept, so simpel es klingt, geht auf. „Ich habe ja sonst nicht die Möglichkeit, andere Skimarken zu testen. Bei diesem Test merkt man aber ganz schnell, welcher Ski zu einem passt – und welcher nicht“, erklärt Skirennläuferin Tamara Tippler und stürzt sich mit dem nächsten Paar Ski über die abgesperrte Teststrecke. Den Teilnehmern bleibt nur eine Fahrt, bevor sie die Ski auf einer Punktekarte in unterschiedlichen Kategorien wie kurzer/langer Schwung oder allgemeiner Kraftaufwand bewerten.

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Nicole Hosp ist zum dritten Mal beim Skitest dabei. „Man glaubt, dass die Ski der einzelnen Firmen ziemlich gleich sind. Das stimmt aber nicht. Deshalb ist es so interessant, hier mitzumachen“, erklärt die ehemalige Skirennläuferin bei einem Boxenstopp.

Die Ergebnisse werden im Herbst unter www.worldskitest.com veröffentlicht. Die Hersteller hoffen natürlich auf ein nützliches Vermarktungsergebnis. Und manche Skifahrer, dass der Gewinner-Ski auch zum Helm passt.

Der Test im Detail

World Ski Test: Der Skitest wird vom Kärntner Gerhard Brüggler organisiert, als Testleiter fungiert Franz Klammer.

Testski: Getestet wurden rund 200 Paar Ski folgender zehn Marken: Atomic, Blizzard, Dynastar, Elan, Fischer, K2, Nordica, Rossignol, Salomon, Völkl. Die Ski werden mit schwarzer Folie abgeklebt und mit einer Nummer versehen, um Objektivität zu gewährleisten.

Bewertung: Nach jeder Fahrt wird ein Bewertungsbogen ausgefüllt und dabei folgende Punkte auf einer Skala zwischen 1 und 10 bewertet: Langer Schwung – Kurzer Schwung – Kantengriff – Drehfreudigkeit – Allgemeiner Kraftaufwand.

Kategorien: Getestet wurden folgende Kategorien: Ladies/Men High Performance (für Könner, die schnell und mit viel Dynamik unterwegs sind) – Ladies/Men Allround (kraftsparendes Fahren und Komfort stehen im Vordergrund, geeignet für Hobbysportler) – Race SL (Slalom-Carver, ideal für hochsportliche Fahrer) – AllMountain (für harte und weiche Pisten sowie im freien Gelände geeignet) – Jugend TwinTip (hier werden beidseitig aufgebogene Ski bei Sprüngen getestet) – Jugend Race Slalom (Slalom-Carver mit kleinen Radien) – Open Space (für Modelle, die in keine angeführte Kategorie passen).


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