EU-Projekt soll Väterbeteiligung bei Kinderbetreuung erhöhen

„Es ist Zeit für einen Kulturwandel“, sagte Frauenministerin Heinisch-Hosek bei der Vorstellung des Projekts. Arbeitnehmer- und geber in männerdominierten Branchen sollen verstärkt aufmerksam gemacht werden.

Symbolfoto.
© dpa-Zentralbild

Wien - Das Frauen- und das Sozialministerium haben am Mittwoch ein EU-Projekt für mehr Väterbeteiligung in der Kinderbetreuung vorgestellt. Der Fokus liegt dabei auf männerdominierten Branchen wie Bau, Verkehr und Warenerzeugung. Die Kosten von rund 400.000 Euro für zwei Jahre werden dabei zum großen Teil seitens der EU finanziert.

Es gebe viele Männer, die ihre Kinder im Kindesalter nicht erleben, stellte Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) bei der Pressekonferenz fest. Während in Österreich die Beteiligung von Männern an Kinderbetreuungsaktivitäten bei 28 Prozent liegt, betrage diese in nordischen und baltischen Ländern über 40 Prozent. 2015 lag außerdem der Anteil der Männer an Kinderbetreuungsgeldbeziehern bei 18 Prozent. Auch sei die Bezugsdauer bei Männern wesentlich kürzer. Ziel sei es daher, die Väterbeteiligung an der Kinderbetreuung zu erhöhen sowie eine bessere Verteilung der Familienarbeit zu erreichen: „Bei dieser Gleichstellung gibt es in Österreich einen großen Aufholbedarf.“

„Es ist hoch an der Zeit für einen Kulturwandel in den Köpfen“, meinte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und verwies darauf, dass es den Begriff „Rabenmutter“ in keiner anderen Sprache gebe. Es sei daher wichtig, die Rolle der Väter in der Kinderbetreuung zu stärken, ihnen Selbstbewusstsein zu geben und Unternehmen die „Angst“ zu nehmen.

Gemeinsam mit Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) sei diesbezüglich auch bereits „einiges“ gelungen. Derzeit sei man auch in „Endabstimmung“ über die Reform des Kinderbetreuungsgeldes, nachdem die Gespräche wieder aufgenommen wurden. „Wir gehen aufeinander zu“, es soll so rasch wie möglich ein Kompromiss erreicht werden. „Wir sind auf einem sehr guten Weg“, erklärte Heinisch-Hosek auf Nachfrage.

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Das Projekt hat eine Laufzeit von zwei Jahren (Dezember 2015 - Dezember 2017) und soll laut Stöger die Ursachen für die geringe Beteiligung beleuchten. Geplant sind auch Fallbeispiele in männerdominierten Branchen aus Sicht der Arbeitnehmer und -geber sowie die Bewusstseinsschaffung. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 400.000 Euro, wobei die beiden Ministerien 100.000 Euro kofinanzieren - 70.000 kommen vom Sozialressort und das Frauenressort stellt 30.000 Euro in Form von Personalkosten zur Verfügung, erklärte Heinisch-Hosek.

Beteiligt sind an dem Projekt neben den beiden Ressorts die Arbeiterkammer, der ÖGB, die Industriellenvereinigung sowie die Forschungsinstitute L&R Sozialforschung und Forba. (APA)


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