Ziegel – uralt und brandaktuell zugleich

Von Ursula Philadelphy...

Von Ursula Philadelphy

Wien, Kals –Alle zwei Jahre wird einem uralten Baumaterial gehuldigt: dem Ziegel. Vor inzwischen fast zehn Jahren lobte der Ziegelhersteller Wienerberger den internationalen Wettbewerb „Brick Award“ erstmals aus und prämiert seither sowohl auf österreichischer als auch auf internationaler Ebene die besten Ziegelbauten. Am vergangenen Donnerstag war es wieder so weit. Im Rahmen des „Wienerberger Architektur-Symposions 2016“ zum Thema „Werkstoff Ziegel. Architektur im Wandel“ in der Secession Wien wurden fünf sehr schöne Beispiele österreichischer Ziegel-Architektur mit dem „austrian brick and roof award 15-16“ ausgezeichnet. 54 Einreicher und 79 Nennungen sind ein neuer Rekord und die fünfköpfige Expertenjury mit Sanja Filep (Architekturfakultät Zagreb), Adrian Meyer (ETH Zürich), Georg Pendl (Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten), Margit Ulama (Architekturfestival TURN ON) und Christian Weinhapl (Wienerberger Österreich) hatte die Qual der Wahl.

Die eingereichten Projekte wurden in Hinblick auf die architektonische Qualität, aber auch in Bezug auf die Frage, wie man mit dem Potenzial des Ziegels in all seinen Möglichkeiten umgegangen ist, bewertet. Ebenfalls wichtig ist, „wie sich das Material Ziegel in ökonomischer, ökologischer und gestalterischer Art auf das realisierte Gebäude und sein Umfeld auswirkt“, betont Christian Weinhapl, GF der Wiener Ziegelindustrie und Präsident des VÖZ.

Die Qualität der Einreichungen führte dazu, dass es heuer fünf Siegerprojekte gibt und vier Anerkennungspreise. Neben einem Bürohaus in Lustenau (V), einem Gartenhaus in Steyr (OÖ), einem Wohnbau in Gneixendorf (NÖ) und dem „Vereinshaus“ Strasshof an der Nordbahn (NÖ) wurde das Kulturhaus in Kals am Großglockner zum Siegerprojekt gekürt.

Das Architekturbüro Schneider–Lengauer aus Neumarkt im Mühlkreis ist in Kals nicht unbekannt, zeichnen sie doch bereits für die Sanierung des aus zirka 1480 stammenden Widums, das einst die Görzer Grafen errichteten, aber auch für das Gemeindezentrum verantwortlich. Angefangen hat ihre Arbeit für Kals übrigens bereits 1995, als das Glocknerhaus von der Tiroler Dorferneuerung ausgeschrieben worden war und sie den Zuschlag erhielten.

Das Kulturhaus haben Erich Lengauer und Peter Schneider, der übrigens aus Osttirol stammt, am Standort des ehemaligen Amtsgebäudes von Kals errichtet. „Das steile Satteldach des Neubaus und präzise gesetzte Öffnungen nehmen Bezug auf das benachbarte gotische Widum, ohne sich ihm anzubiedern“, so die Architekten.

Der Neubau passt perfekt ins vorhandene Ensemble, die Fassade wurde bewusst reduziert gestaltet. Eine Giebelseite ist nahezu komplett geschlossen, sieht man von einem quadratischen Metalltor ab, dessen Proportionen in dieser Front ebenfalls abweisend wirken. Der eigentliche Zugang zum Haus erfolgt durch ein gläsernes Foyer dorfplatzseitig, das unter dem Platzniveau liegt. Die Verwendung von Ziegeln als Baumaterial war, so Architekt Schneider, „klar, denn wir sind vom Baustoff Ziegel einfach überzeugt“.

Die Qualitäten des Materials und das Faktum, mit einem einschichtigen Baumaterial arbeiten zu können, sind für Schneider ein Atout!


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