Kunst, die sich die Freiheit nimmt: Albertina zeigt Erwin Bohatsch

Wien (APA) - „Eventlastig kann man diese Kunst nicht nennen.“ Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder nannte angesichts der Personale von...

Wien (APA) - „Eventlastig kann man diese Kunst nicht nennen.“ Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder nannte angesichts der Personale von Erwin Bohatsch, die am Abend eröffnet wird, das Werk des 1951 in Mürzzuschlag geborenen Künstlers „eine wichtige Minderheit, eine Position, die viel zu leise ist, die Aufmerksamkeit braucht“. Diese Art von Kunst sichere Kunsthistorikern wie ihm ihr Brot, schmunzelte er.

Tatsächlich versteht man rasch, wieso Bohatsch, der in seinen Anfängen am Wiener Völkerkundemuseum für wissenschaftliche Zwecke afrikanische Masken zeichnete, selbst unter den Alterskollegen, die sich in den 1980er-Jahren unter dem Gruppen-Label „Neue Wilde“ anschickten, die Welt zu erobern, Außenseiter blieb. „Schon damals zeichnete sich in Bohatschs künstlerischem Wollen ab, dass weniger der explosive Duktus des expressiven Malens als vielmehr ein sensibles Austarieren der Malerei und ihrer differenzierten koloristischen Möglichkeiten im Mittelpunkt seines Interesses stand“, schreibt Schröder in seinem Vorwort zum Ausstellungskatalog.

61 Werke hat Kuratorin Antonia Hoerschelmann für die bis 12. Juni laufende Ausstellung zusammengetragen, 90 Prozent davon aus den Beständen der Albertina. „Es war die beste Zusammenarbeit, die ich je erlebt habe“, lobte Bohatsch. Die von den Papierarbeiten ausgehende Schau spannt den Bogen von den frühen Arbeiten der 80er Jahre bis zu den im vergangenen Herbst entstandenen jüngsten Werken. Das Pendel schwinge „zwischen Figuration und Abstraktion, Barock und Askese“ hin und her, meinte Hoerschelmann. Bohatsch, der seit 2005 an der Akademie der bildenden Künste die Klasse für Abstrakte Malerei leitet, lote die malerischen Möglichkeiten aus, „ohne sich in eine konzeptionelle Zwangsstruktur zu pressen“. Dabei habe er sich Schritt für Schritt von der Figuration gelöst und hin zu Blasen und amorphen Raumformen bewegt.

Auch nahezu monochrome weiße Bilder finden sich in der Schau, die für Hoerschelmann „eine Einladung, sich mit Wahrnehmungsfragen auseinanderzusetzen“, darstellt: Zu sehen sei „eine Befreiung von den lauten, marktorientierten, figurenreichen Zeiten von heute. Es geht um Freiheit, um Freiheit, sich nicht vereinnahmen zu lassen. Es ist ein Nachforschen, was Malerei heute sein kann.“

(S E R V I C E - Ausstellung „Erwin Bohatsch“ in der Albertina, 8. April bis 12. Juni, täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch 10 bis 21 Uhr, Katalog, erschienen im Verlag für Moderne Kunst, 136 S., 24 Euro, www.albertina.at)


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