Hypo-Prozess „Skiper“ - Ein Golfplatz, zu 100 Prozent fremdfinanziert

Klagenfurt (APA) - Im Hypo-Untreue-Prozess um das kroatische Tourismusprojekt „Skiper“ am Landesgericht Klagenfurt ist am Donnerstag die Ent...

Klagenfurt (APA) - Im Hypo-Untreue-Prozess um das kroatische Tourismusprojekt „Skiper“ am Landesgericht Klagenfurt ist am Donnerstag die Entwicklung der kroatischen Anlage weiter beleuchtet worden. Ein neuerlicher Kredit für einen Golfplatz erhöhte das Gesamtobligo der „Rezidencija Skiper“ bei der damaligen Hypo-Bank Alpe Adria auf mehr als 40 Mio. Euro.

Der Staatsanwalt wirft den Ex-Hypo-Vorständen Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger sowie Projektwerber Miro Oblak und einer ehemaligen Geschäftsführerin der Anlage vor, einen Schaden von 105 Mio. Euro verursacht zu haben. Fünf Kredite seien unrechtmäßig vergeben worden.

Der Schöffensenat behandelte in der Hauptverhandlung am Donnerstag das Jahr 2004 und den dritten der angeklagten Kredite. Die Bauphase 2 der Apartmentanlage auf der Halbinsel Istrien war kurz vor der Fertigstellung, da erreichte die Bank ein weiterer Kreditwunsch der „Rezidencija Skiper“. Es sollte ein Golfplatz gebaut werden, die dafür notwendigen Investitionskosten errechnete ein Experte mit 11,15 Mio. Euro.

Dieser Betrag wurde schließlich beantragt und vom Kreditausschuss des Aufsichtsrats bewilligt. Die Werthaltigkeit war mit 33 Prozent, also rund 3,7 Mio. Euro angegeben. Dafür gab es kein Schätzgutachten, sondern eine Bewertung durch die Sachbearbeiter. Dazu sagte Striedinger, das sei das Worst Case-Szenario der Bank und so in Ordnung gewesen. Ein Schätzgutachten habe man nicht gebraucht, weil des die Verträge der Grundstückskäufe gegeben habe.

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Richter Uwe Dumpelnik hielt Kulterer vor, dass das Projekt zu 100 Prozent fremdfinanziert gewesen sei. Man müsse den Golfplatz im Konnex mit der gesamten Anlage sehen, antwortete Kulterer. „Was haben Sie erwartet? Dass Sie die Häuser dort unten in der Pampa statt um 2.000 um 4.000 Euro pro Quadratmeter verkaufen?“, fragte der Richter. Ein Golfplatz habe eine Wertsteigerung und eine Saisonverlängerung für die Apartmenthäuser und Luxusvillen bedeutet, erklärte Kulterer. Aber für die Berechnung seien die Sachbearbeiter zuständig gewesen, er habe sich auf die vorgelegten Aufstellungen verlassen müssen. Berechnungen für den Kreditantrag wiesen eine Wertsteigerung der gesamten Anlage von 75 Mio. Euro auf 91,6 Mio. Euro aus. Ein Quadratmeterpreis für die Apartments von bis zu 5.000 Euro wurde erwartet.

Striedinger sagte dazu, es sei es von Anfang an klar gewesen, dass der Golfplatz isoliert die 11,15 Mio. Euro niemals würde abstottern können, die Investition könne man nur im Zusammenhang mit dem Gesamtprojekt sehen. Er bezeichnete die Anlage „Skiper“ als gemeinsames Investitionsprojekt, zu dem man sich entschlossen habe. Daher sei der Aufsichtsrat auch sehr eng eingebunden gewesen. „Es haben alle gewusst, zu welchen Bedingungen das Projekt realisiert wird, es ist nichts verheimlicht worden“, sagte er aus. Die Mitglieder des Kreditausschusses des Aufsichtsrats, die den Baufortschritt besichtigt haben, hätten es jederzeit ablehnen können, erklärte Striedinger und legte Wert auf die Feststellung, in keiner Phase des Projekts operativ tätig gewesen zu sein oder sich eingemischt zu haben. Wenn er generell Weisungen erteilt habe, dann seien diese auch klar dokumentiert worden.

Auf den Vorhalt des Richters, dass es laut vorliegender Unterlagen zum Zeitpunkt der Vertragserstellung noch keinen Grundbuchsauszug gegeben habe, sagte Striedinger, das sei Aufgabe der Marktfolge gewesen. „Wenn diese ‚Stopp‘ gesagt hätte, dann hätte es kein Geld gegeben“, erklärte er. Aber es habe oft länger gedauert, bis die behördlichen Nachweise eingelangt seien.

Die Hauptverhandlung wurde am Nachmittag fortgesetzt.

~ WEB www.heta-asset-resolution.com ~ APA265 2016-04-07/12:54


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