Hypo-Prozess „Skiper“ - „Ich hab‘ gedacht, ich hupf aus dem Fenster“

Klagenfurt (APA) - Im Hypo-Prozess um das kroatische Tourismusprojekt „Skiper“ am Landesgericht Klagenfurt ist es am Donnerstagnachmittag em...

Klagenfurt (APA) - Im Hypo-Prozess um das kroatische Tourismusprojekt „Skiper“ am Landesgericht Klagenfurt ist es am Donnerstagnachmittag emotional geworden. Der angeklagte Ex-Hypo-Vorstand Günter Striedinger wehrte sich wortreich gegen Vorwürfe eines ehemaligen Mitarbeiters und bezeichnete sie als „Schwachsinn“.

Richter Uwe Dumpelnik hielt Striedinger das Einvernahmeprotokoll eines damaligen Hypo-Mitarbeiters vor, der das Projekt „Skiper“ als „unattraktiv“ und „in der Pampa“ stehend bezeichnet hatte. „Daher habe ich den Ausdruck Pampa, der stammt nicht von mir“, sagte Dumpelnik, der die Frage nach den „Apartments in der Pampa“ am Vormittag schon an den ebenfalls angeklagten Ex-Hypo-Vorstand Wolfgang Kulterer gerichtet hatte. Darauf reagierte Striedinger sehr emotional: „Als ich das gelesen hab‘, hab‘ ich gedacht, ich hupf aus dem Fenster, so einen Zorn hab‘ ich gehabt“, sagte er. Diese Aussage sei ein „Schwachsinn“ und ein Skandal für einen Bankmitarbeiter.

Denn dieser Mitarbeiter habe als Sachbearbeiter an dem Projekt „Skiper“ tagtäglich gearbeitet und es im Kreditkomitee präsentiert, meinte Striedinger weiter. Er hätte jederzeit die Gelegenheit gehabt, dem Vorstand zu erläutern, dass er von dem Projekt nicht überzeugt sei. Und er hätte es dann auch nicht vorlegen dürfen.

Jener Sachbearbeiter hatte auch von einem Vertrauensverhältnis Striedingers mit dem Projektwerber Miro Oblak, der sich ebenfalls wegen Untreue verantworten muss, gesprochen. Das stimme nicht, erklärte Striedinger. Der Ex-Mitarbeiter könne das gar nicht beurteilen, er könne nicht wissen, wann er sich mit wem getroffen habe. Außerdem werden ihm ohnehin mit jedem Kreditnehmer Freundschaftsverhältnisse unterstellt, erklärte der Angeklagte verärgert. Auch habe die Anträge an die Aufsichtsrat immer ein dritter Vorstand mitunterschrieben. Denn ohne Einstimmigkeit sei kein Antrag an den Kreditausschuss weitergeleitet worden.

Im Zentrum dieses Verhandlungstags stand ein 11,15 Mio. Euro Kredit für einen Golfplatz in der Anlage „Skiper“ auf der Halbinsel Istrien im Jahr 2004. Oblak erzählte, er habe bereits 1997 vom kroatischen Staat eine von 20 für Istrien ausgeschriebenen Lizenzen für einen Golfplatz erworben, um vielleicht irgendwann eine solche Anlage zu bauen. 2003 habe er dann den notwendigen Vertrag mit den Behörden abschließen können, habe aber zu dem Zeitpunkt kein Interesse daran gehabt. „Ich habe gesagt, ich gebe kein Geld dafür aus“, präzisierte Oblak. Aber die Bank habe den Platz bauen wollen.

Er habe mit dem Bau des Golfplatzes in der Folge auch nichts zu tun gehabt, erklärte der ehemalige Projektwerber. Dafür habe es einen eigenen Vertrag zwischen der „Rezidencija Skiper“ und der Hypo gegeben. Eine österreichische Firma habe den Platz errichtet und der Geschäftsführer der Golfplatz-Gesellschaft habe den Bau überwacht und die Rechnungen kontrolliert.

Weiters sagte Oblak, dass man auf Verlangen der Bank dargestellt habe, wie positiv sich ein solcher Golfplatz auf das Gesamtprojekt auswirken würde. In diesem Zusammenhang habe er den Quadratmeterpreis der Apartments auf 5.000 Euro geschätzt. Dieser Durchschnittpreis sei dann beim Verkauf der Luxusapartments der Bauphase 2 in den Jahren 2005 bis 2007 mit 4.700 Euro auch tatsächlich fast erreicht worden.

Das erwähnte Schreiben wurde von der ebenfalls angeklagten Geschäftsführerin auf Anfrage jenes Sachbearbeiters, der in der Einvernahme vom Projekt „in der Pampa“ gesprochen hat, verfasst. Das sagte sie in ihrer Einvernahme aus. Der Inhalt sei mit einer Kollegin und Oblak abgesprochen gewesen, erklärte sie. Im Zusammenhang mit dem Golfplatz habe sie weder Kulterer noch Striedinger jemals am Gelände gesehen.

Die Hauptverhandlung wurde auf 19. April vertagt.

~ WEB www.heta-asset-resolution.com ~ APA452 2016-04-07/17:00


Kommentieren