Griechenland schob weitere Flüchtlinge in die Türkei ab

Lesbos/Athen (APA/AFP/dpa/Reuters) - Nach mehreren Tagen Unterbrechung hat Griechenland am Freitag die Abschiebung von Flüchtlingen in die T...

Lesbos/Athen (APA/AFP/dpa/Reuters) - Nach mehreren Tagen Unterbrechung hat Griechenland am Freitag die Abschiebung von Flüchtlingen in die Türkei fortgesetzt. Die meisten der rund 200 Abgeschobenen stammen nach griechischen Regierungsangaben aus Pakistan. Es wird damit gerechnet, dass die Türkei sie in ihre Heimat zurückbringen wird.

Zwei Schiffe mit insgesamt 124 Migranten wurden nach Angaben griechischer Behördenvertreter über die Ägäis, weitere 97 Menschen wurden auf dem Landweg in die Türkei zurückgeschickt. Bei letzteren handelt es sich jedoch um Migranten, die bereits vor Inkrafttreten des EU-Türkei-Deals am 20. März Griechenland erreicht hatten, wie das Bürgerschutzministerium mitteilte. Weitere Abschiebungen seien vorerst nicht vorgesehen. Erst müssen Asylanträge anderer Flüchtlinge geprüft werden, hieß es aus griechischen Regierungskreisen.

Vergeblich protestierten einige Aktivisten gegen die „Deportation“ der Schutzsuchenden. Drei Aktivisten sprangen im Hafen von Lesbos ins Wasser und kletterten auf die Ankerkette eines Schiffes, das die ersten 45 Migranten in den türkischen Hafen Dikili bringen sollte. Die Demonstranten wurden festgenommen.

Stunden später erreichten die beiden Schiffe Dikili, wo türkische Sicherheitsbeamte die Flüchtlinge von Bord begleiteten. Einer der Pakistaner wurde von den türkischen Behörden ohne Angabe von Gründen wieder nach Lesbos zurückgeschickt. Es habe Probleme mit der Identität des Mannes gegeben, hieß es aus Kreisen der Polizei.

Die restlichen Migranten wurden ärztlich untersucht und registriert und sollten anschließend mit einem Bus an die bulgarische Grenze gebracht werden. Es wird damit gerechnet, dass die Türkei die meisten von ihnen schon bald in ihre Heimat abschiebt: Das Parlament in Ankara hatte in der Nacht auf Freitag ein Repatriierungsabkommen mit Pakistan gebilligt.

Die griechischen Behörden hatten am Montag mit der Umsetzung des umstrittenen Paktes zwischen der EU und Ankara begonnen und die ersten 202 Flüchtlinge von den Ägäis-Inseln in die Türkei zurückgeschickt. Im Gegenzug waren die ersten Syrer aus türkischen Flüchtlingslagern von Deutschland und einigen anderen EU-Ländern aufgenommen worden, wie es der Pakt vorsieht.

Die EU hofft, dadurch die irreguläre Migration durch die Ägäis zu stoppen. Mehrere EU-Außenminister reisten am Freitag unter Führung des niederländischen EU-Ratsvorsitzes Bert Koenders nach Griechenland und in die Türkei, um über die jüngsten Entwicklungen in der Flüchtlingskrise zu beraten. Niederländischen Angaben zufolge waren auch Treffen mit Menschenrechtsgruppen vorgesehen.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren die EU, weil sie alle Neuankömmlinge in die Türkei abschieben will und bis dahin in Lagern auf den Inseln einsperrt. Laut Amnesty International führt dieser Automatismus zu einem Versagen bei der Beurteilung individueller Umstände und Bedürfnisse: Folteropfer, Familien mit sehr kleinen Kindern, alleinreisende Frauen mit Kindern, Behinderte, Kranke - alle würden in einen Topf geworfen.

Unterdessen kommen weiterhin Schutzsuchende aus der Türkei nach Griechenland, allerdings bei weitem weniger als im Vormonat. Innerhalb von 24 Stunden hätten 149 Migranten auf griechische Ägäis-Inseln übergesetzt, teilte der Krisenstab in Athen mit. Am Donnerstag hatten 76, am Mittwoch 68 und am Dienstag 225 Asylsuchende die Inseln erreicht. Noch im März kamen nach Angaben des UN-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR täglich mehr als 900 Migranten auf dieser Route, im Herbst 2015 waren es noch 5.000 gewesen.

Auf der Insel Chios beendete die Polizei zusammen mit dem Bürgermeister Manolis Vournous in der Nacht auf Freitag die Besetzung eines Teils des Hafens durch etwa 300 Migranten. Auf Samos konnte die Polizei rund 250 aus einem Auffanglager geflohene Asylbewerber überreden, wieder zurückzukehren, wie örtliche Medien berichteten.

Auf der Insel Leros kam es am Donnerstagabend laut lokalen Medienberichten zu Tumulten zwischen Einwohnern und Beamten der Küstenwache. Die Einwohner protestierten gegen die Unterbringung von mehr als 200 Migranten aus Chios auf ihrer Insel. Eine Fähre hatte zur Entlastung der Insel Chios die Migranten nach Leros gebracht wo die Aufnahmelager fast leer sind.


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