Delle Karth/Resch mit einer Investition in die Gefühlslage

Zwei Top-Boote in Rio, das Ersatzgefährt nicht so schnell wie erhofft. Also wagte das 49er-Duo Delle Karth/Resch einen Vorgriff aufs Budget.

Nico Delle Karth/Niko Resch wechselten nach Platz vier zuletzt vor Palma ihr Boot.
© Pedro Martinez/Trofeo Sofia

Von Max Ischia

Barcelona, Palma –Das Regattasegeln ist eine Wissenschaft für sich. Bootstrimm, Manövertaktik und das kaum ausrechenbare Spiel mit dem Wind – nur drei von unzähligen Komponenten, die für Landratten nicht zu übersetzen sind. Und doch reduziert sich das komplexe Zusammenwirken auf dem Wasser auf einen gemeinsamen Nenner: das Gefühl. Vereinfacht formuliert: Nur wer sich stark fühlt, segelt auch stark.

Exakt das hat das 49er-Duo Nico Delle Karth und Nico Resch in dieser Olympia-Saison verinnerlicht. Mitte Februar segelten die beiden vor Clearwater (USA) zu WM-Silber, zuletzt schloss man die Weltcup-Woche vor Palma de Mallorca mit einem Sieg im Medal Race und einem vierten Gesamtrang ab – und das mit Ersatzmaterial, da sich die beiden Paradeboote bereits auf prä- olympischer Mission befinden.

Alles in allem ergibt das ein „sehr gutes Gefühl“, wie es Delle Karth ausdrückt. Eine über die Jahre erarbeitete Basis, die man nun mit einem nicht gänzlich konkurrenzfähigen Arbeitsgerät („Es hakte bei der Bootsgeschwindigkeit“) nicht aufs Spiel setzen wollte. Also entschloss man sich vor der am Montag beginnenden Europameisterschaft vor Barcelona spontan zum Kauf eines neuen Bootes. Was grundsätzlich einfacher klingt, als es gewöhnlich der Fall ist, da so ein 49er-Boot neuseeländischen Zuschnitts gemeinhin eine halbjährige Wartezeit inkludiert. Es war also dem Zufall geschuldet, dass gerade ein 49er in Mailand verfügbar war. Der Rest war ein Vorgriff aufs Budget (18.000 Euro) und familiäre Improvisation. Nicos Vater Werner und Onkel Dieter holten das Boot in Mailand ab und lieferten es quasi frei Hafen nach Barcelona. Dort hatte dann Delle Karth alle Hände voll zu tun, um das gute Stück auf die eigenen Bedürfnisse abzustimmen. Ab Montag, wenn die Jagd auf EM-Edelmetall beginnt, wird sich zeigen, wie gut das gelungen ist.

Kaum Fragen und noch weniger Wünsche bleiben bei der 470er-EM vor Palma offen. Zumindest für Österreichs Paradeduo Lara Vadlau/Jolanta Ogar, das die Führung nach fünf Wettfahrten verteidigte.


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