Der Name des Vaters - Keiko Fujimori will Perus Präsidentin werden

Lima (APA/AFP) - Mit 19 Jahren übernahm sie an der Seite ihres Vaters die Rolle als Perus „Primera Dama“ - nun will sie selbst Präsidentin d...

Lima (APA/AFP) - Mit 19 Jahren übernahm sie an der Seite ihres Vaters die Rolle als Perus „Primera Dama“ - nun will sie selbst Präsidentin des südamerikanischen Landes werden: Keiko Fujimori, die inzwischen 40-jährige Tochter des wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit inhaftierten ehemaligen Staatschefs Alberto Fujimori, gilt als aussichtsreichste Kandidatin bei der Wahl am Sonntag.

Doch ihr Nachname spaltet die Nation. Er steht für eine der dunkelsten Dekaden Perus. In seiner Zeit als Staatschef von 1990 bis 2000 kämpfte Alberto Fujimori mit allen diktatorischen Mitteln für seine Ziele: Im Kampf gegen die Links-Guerilla „Leuchtender Pfad“ (Sendero Luminoso) setzte er Todesschwadronen ein und löste das Parlament auf, zur Geburtenkontrolle ließ er zahllose Frauen zwangssterilisieren.

Dann setzte er sich inmitten eines Korruptionsskandals nach Japan ab, der Heimat seiner Eltern, und erklärte von einem Hotel in Tokio aus per Fax seinen Rücktritt. Fünf Jahre später reiste er nach Chile, um von dort sein politisches Comeback vorzubereiten. Er wurde stattdessen festgenommen, nach Peru ausgeliefert und schließlich 2009 wegen Korruption und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 25 Jahren Haft verurteilt.

Doch so sehr der inzwischen 77-Jährige von einem Teil der Bevölkerung gehasst wird, so sehr wird er von dem anderen Teil geliebt: Viele Peruaner sehnen sich nach seiner autoritären Herrschaft zurück, die keine Ungewissheiten kannte. Sie verweisen auf seinen Sieg über den „Leuchtenden Pfad“ sowie auf seine erfolgreiche Wirtschaftspolitik und glauben, dass sie mit ihren Träumen von einem sichereren und wohlhabenderen Peru am besten bei Fujimoris Tochter aufgehoben sind.

Die 40-Jährige weiß um ihr zwiespältiges Erbe, spätestens seit sie nach einem bitteren Scheidungskampf an der Stelle ihrer Mutter die Rolle der First Lady übernahm: Susana Higuchi hatte als erste die Korruption innerhalb der Familie Fujimori angeprangert und war dafür nach eigenen Angaben vom Geheimdienst gefoltert worden. Sie floh aus dem Präsidentenpalast und reichte 1994 die Scheidung ein.

Keiko Fujimori schlug sich damals auf die Seite ihres Vaters. Auch als sie 2006 in die Politik eintrat, tat sie das in erster Linie zur Rehabilitierung ihres Vaters. 2011 kandidierte sie zum ersten Mal für das Präsidentenamt. Damals präsentierte sie sich noch als Nachfolgerin ihres Vaters, beteuerte seine Unschuld und versprach, Fujimori zu begnadigen. Sie verlor gegen den Linkspolitiker Ollanta Humala.

Die Mutter zweier Töchter hat aus dem Debakel gelernt: Im Wahlkampf wird sie nicht müde zu versichern, dass sie die demokratischen Regeln und die Menschenrechte respektiere - und ihr Amt nicht „zum Nutzen meiner Familie“ einsetzen werde. Sie reiste quer durch das ganze Land, um tanzend und lachend gegen ihr Image als kalte und undurchschaubare Persönlichkeit anzukämpfen.

Fujimoris Wahlprogramm dagegen ist recht übersichtlich: Sie verspricht mehr Polizisten und mehr Gefängnisse, mehr Straßen und Flughäfen und Steuererleichterungen für Kleinstbetriebe. Sie sei fest davon überzeugt, „mit Gottes Hilfe erste Präsidentin Perus“ zu werden, rief sie bei ihrer Abschlusskundgebung am Donnerstag ihren tausenden Anhängern zu.

Helfen könnte Keiko Fujimori auch, dass sich fast die Hälfte der Kandidaten im Vorfeld des Urnengangs am Sonntag zurückgezogen hat oder wegen einer seit Jänner geltenden Wahlreform ausgeschlossen wurde. Neben ihr haben nur noch der 77-jährige frühere Wallstreet-Banker und kurzzeitige neoliberale Ministerpräsident Pedro Pablo Kuczynski und die 35-jährige Linksabgeordnete Veronika Mendoza ernsthafte Aussichten.

Jüngste Meinungsumfragen sehen Keiko Fujimori bei einem Drittel und ihre beiden Rivalen bei jeweils 15 Prozent. In diesem Fall käme es am 5. Juni zur Stichwahl. Das neue Staatsoberhaupt tritt am 28. Juli sein Amt an.


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