Mazedoniens Polizei setzte Tränengas gegen Flüchtlinge in Idomeni ein

Idomeni (APA) - An der griechisch-mazedonischen Grenze in Idomeni ist die Lage am Sonntag erneut eskaliert. Die mazedonische Polizei feuerte...

Idomeni (APA) - An der griechisch-mazedonischen Grenze in Idomeni ist die Lage am Sonntag erneut eskaliert. Die mazedonische Polizei feuerte Tränengas und Gummigeschosse auf Hunderte Flüchtlinge, die versuchten den Stracheldrahtzaun an der griechisch-mazedonischen Grenze in Idomeni zu überwinden. Nach Angaben von Hilfsorganisationen wurden dabei Dutzende Migranten verletzt.

Tränengaspatronen seien auch direkt in das Flüchtlingslager geschossen und nicht nur gegen Migranten vor dem Stacheldrahtzaun eingesetzt worden, teilte die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) auf Twitter mit. Ein 16-jähriger Jugendlicher sei zudem von den Behörden geschlagen worden.

In sozialen Medien kursierten Fotos und Videos, auf denen mehrere hundert Migranten zu sehen sind, die sich in Richtung Grenzzaun bewegen, während um sie herum Tränengaspatronen explodieren. Bereits in den Morgenstunden hatte die griechische Polizei vor Ausschreitungen in Idomeni gewarnt, nachdem dort Flugblätter aufgetaucht waren, die zum Sturm des Grenzzaunes aufriefen. Nach den Verfassern der Flugblätter wird gefahndet.

Nachdem die mazedonische Polizei anfangs dementiert hatte, Tränengas einsetzt zu haben und stattdessen ihre Kollegen auf griechischer Seite beschuldigte, erklärte eine Sprecherin später „erlaubte chemische Produkte“ verwendet zu haben. Den Einsatz von Gummigeschossen, von denen zahlreiche Fotos auf Twitter kursierten und den auch MSF bestätigte, wiesen die mazedonischen Behörden jedoch weiter zurück. Die mazedonische Polizei habe lediglich „die Grenze geschützt, als einen Gruppe von Migranten versucht hat, den Zaun zu zerstören“, zitierte die Nachrichtenagentur AFP Innenministeriumssprecher Toni Angelovski. Die Flüchtlinge sollen die Beamten zudem mit Steinen beworfen haben.

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Scharfe Kritik am Nachbarland kam am Sonntag aus Athen. Der „Einsatz von chemischen Mitteln, Gummikugeln und Blendgranaten gegen eine verletzliche Bevölkerungsgruppe - insbesondere ohne Gründe für einen solchen Gewalteinsatz - ist ein gefährlicher und bedauerlicher Akt“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters den Sprecher der griechischen Migrationsbehörde, George Kyritsis.

Im improvisierten Flüchtlingslager in Idomeni harren laut offiziellen Angaben weiterhin mehr als 11.000 Menschen in der Hoffnung aus, über die Balkanroute weiter nach Westeuropa zu gelangen. Dieser im Sommer und Herbst von Hunderttausenden Menschen benutzte Weg ist mittlerweile jedoch - auch auf Bestreben Österreichs - geschlossen.

Bereits Mitte März hatte ein ähnliches Flugblatt für einen Sturm auf den Grenzzaun gesorgt. Rund 2.000 Flüchtlinge waren damals der Aufforderung gefolgt, einen reißenden Fluss zu überqueren. Drei Menschen waren dabei ertrunken. Wer es nach Mazedonien schaffte, wurde von den dortigen Sicherheitskräften umgehend zurückgeschickt.


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