Wenn das Kartenlesegerät ausfällt

Eine Außerfernerin wurde auf der Tankstelle Fernpasshöhe am Wegfahren gehindert, weil sie nicht bar zahlen konnte und die Tankstelle keine Rechnung stellen wollte. Der Betreiber verlangte ein „wertvolles“ Pfand.

© Daum Hubert

Von Helmut Mittermayr

Nassereith, Lechaschau –Solche Geschichten schreibt das Leben. Die Lechaschauerin Manuela Schöffmann tankte vergangenen Sonntag an der Tankstelle auf der Fernpasshöhe und wollte wie üblich mit Bankomatkarte zahlen. Sie schildert aufgebracht, was ihr dann passiert ist: „Unglaublich. In der Tankstelle hieß es, ich müsse den Betrag bar entrichten, da gerade das Kartenlesegerät ausgefallen sei.“ Vorinformation an der Zapfsäule gab es keine, der nächste Bankomat befindet sich in sieben Kilometern Entfernung von der Fernpasshöhe. „Und die 14 km wären eine reine Schneiderfahrt gewesen, die ich nicht auf mich nehmen wollte. Ich bat um eine Rechnung, aber das wies der Tankstellenbetreiber strikt ab und meinte, ich müsse ihm etwas Wertvolles, wie Zulassung, Führerschein oder Bankomatkarte als Pfand hinterlassen, während ich das Geld besorge.“ Zornig erklärte die Kundin, dass sie das sicher nicht tun werde. „Ich bot als Alternative an, den Betrag zu überweisen und meine Personendaten zu hinterlassen. Als ich in mein Auto stieg und losfahren wollte, stellte sich der Tankstellenbetreiber hinter und eine Mitarbeiterin vor mein Auto, um mich am Wegfahren zu hindern.“ Für die Lechaschauerin, die schon öfters dort getankt hatte, ist diese Vorgangweise des Tankstellenpersonals glatte Nötigung.

„Ich bot dem Tankstellenbetreiber dann eine Vereinswertkarte als Pfand an, die er schließlich annahm und ich meine Fahrt – nach fast einer Stunde – endlich fortsetzen konnte“, ärgert sich die Lehrerin weiter. Der Betrag von 47 Euro wurde am Dienstag von ihrer Mutter persönlich bei der Tankstelle vorbeigebracht. „Ich bin extra von Lechaschau zum Fernpass gefahren. Ich finde vor allem den Ton und die Unfreundlichkeit gegenüber meiner Tochter ungewöhnlich. Der Fehler lag ja nicht bei ihr“, sagt die Mutter gegenüber der TT.

Tankstellenbesitzer Peter Dolle bestreitet den Vorfall nicht. Ganz im Gegenteil. „Ja, das Kartenlesegerät ist ausgefallen. Fünf Kunden waren betroffen, bis wir eine schriftliche Warnung an der Zapfsäule anbringen konnten, dass im Moment nur Barzahlung möglich ist.“ Von den fünf hätten drei Deutsche ohne großes Wenn und Aber den Weg zum nächstgelegenen Bankomaten auf sich genommen und bar gezahlt. Die beiden Einheimischen hätten hingegen Probleme gemacht, die Lechaschauerin und ein Haller haben sich geweigert, die (lange) Fahrt zur Bargeldbesorgung auf sich zu nehmen sowie ein wertvolles Pfand als Sicherheitsleistung zu hinterlegen. Der Haller sei davongefahren und habe dann von sich aus die Polizei verständigt, damit er nicht als Benzindieb dastehe. Dolle bestätigt auch, dass die Außerfernerin am Wegfahren gehindert worden sei. „Wir konnten sie doch nicht mit einem vollen Tank ohne Bezahlung einfach davonfahren lassen“, ist er von der Rechtmäßigkeit seines Tuns überzeugt. Immer wieder einmal komme es vor, dass Kunden nicht zahlen könnten. Sie hätten kein Geld dabei oder ihre Karten würden nicht funktionieren. Die Erfahrungen mit Überweisungen seien durchwegs schlecht, trotz aller Beteuerungen. Man könne niemandem mehr trauen. In sieben von zehn Fällen würde er kein Geld mehr sehen, sagt Dolle. „Wir verlangen inzwischen immer ein Pfand. Auch der organisatorische Aufwand ist groß, wenn der Kunde die offene Summe Tage später auf das Konto überweist.“

Bei der Shell-Tankstelle Ehrwald-Viadukt kann Ulrike Müller das genaue Gegenteil berichten. Der Tankvorgang sei ja dokumentiert, die Autonummer bekannt: „Wann immer es in all den Jahren ein Kartenleseproblem, egal ob bei uns oder kundenseitig, gegeben hat, haben wir unsere Bankverbindung bekannt gegeben und das Geld immer anstandslos erhalten.“

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Die TT bat den Reuttener Rechtsanwalt Gerhard Mader zu einer Ad-hoc-Einschätzung des Vorfalls. Mader: „Nachdem ein Bezahlen mit Karte bei Tankstellen längst üblich ist, hätte laut Konsumentenschutzgesetz § 6a die Tankstelle ihre Bankverbindung bekannt geben müssen, um dem Kunden diese Möglichkeit der Bezahlung einzuräumen.“ Das Hindern am Wegfahren bezeichnet Mader als „überschießend“ und nötigend. Es bestehe auch kein Anspruch auf eine Sicherheit oder ein „Pfand“.


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