Interview mit PKK-Chef: Türkei kritisiert indirekte Terrorpropaganda

Ein BBC-Interview mit PKK-Anführer Cemil Bayik sorgt in Ankara für Ärger. Bayik bestreitet darin angebliche Pläne zur Errichtung eines Kurdenstaates in der Türkei.

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Der führende PKK-Kommandeur Cemil Bayik alias Cuma.
© AFP

Erbil – Der führende PKK-Kommandeur Cemil Bayik hat abgestritten, einen Kurdenstaat auf dem Gebiet der Türkei errichten zu wollen. „Wir wollen die Türkei nicht spalten, wir wollen innerhalb der türkischen Grenzen frei auf unserem Land leben“, sagte Bayik, der sich im Nordirak aufhält, in einem BBC-Interview, das am Montag veröffentlicht wurde.

Die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ist in der Türkei als Terrororganisation verboten. Gleichzeitig kündigte Bayik an, den Kampf gegen die türkische Armee auszuweiten, und zwar „nicht nur in den Kurdengebieten, sondern in der ganzen Türkei“. Dies sei eine Reaktion auf Angriffe Ankaras. Anschläge auf Zivilisten lehnte Bayik ab; er äußerte aber Verständnis für Selbstmordanschläge der PKK-Splittergruppe TAK, denen im Februar und März diesen Jahres in Ankara Dutzende Menschen, auch Zivilisten, zum Opfer gefallen waren.

Der türkische Regierungsberater Ilnur Cevik hatte der PKK zuvor „offene Sezession“ vorgeworfen. „Die PKK will einen eigenen Staat in der Türkei errichten“, sagte Cevik der BBC.

Ankara: Interview ist indirekte Terrorpropaganda

Die türkische Führung kritisierte die BBC wegen des Gesprächs mit Bayik scharf. Auf das Interview angesprochen, sagte Präsidentensprecher Ibrahim Kalin am Montag in Ankara vor Journalisten: „Das ist nichts anderes als eine indirekte Unterstützung der Terrorpropaganda.“

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Derartige Bemühungen, die darauf abzielten, die Terrororganisation zu entlasten, hätten „mit Journalismus nichts zu tun“. Kalin fügte hinzu, der Versuch, die Aussagen der PKK als „plausible und legitime Forderungen“ darzustellen, sei ebenfalls eine indirekte Unterstützung von Terrorpropaganda.

Die Türkei führt seit Monaten eine Militäroffensive gegen die PKK im Südosten der Türkei und fliegt regelmäßig Luftangriffe auf das Hauptquartier der Organisation im Nordirak. Die PKK gilt in der Türkei, Europa und den USA als Terrororganisation. (dpa, tt.com)


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