Standort Tirol

Große Küche mit regionalen Waren

(v. l.) BKH-Verwaltungsdirektor Dietmar Baron, Bezirksbäuerin-Stv. Andrea Friedle, BKH-Küchenchef Franz Habicher, Andreas Melekusch (Küchenchef im „Guten Hirten“), Bezirksbauernobmann Richard Wörle und Bauernbunddirektor Peter Raggl
© Bauernbund

Reuttener Großküchen entscheiden sich ganz gezielt für heimische Produkte. Bezirkskrankenhaus und Seniorenzentrum sorgen auf diese Weise dafür, dass mehr als 320.000 Euro in der Region bleiben.

Reutte –„Gerade bei Milch und Milchprodukten fällt mir kein Grund ein, weshalb man nicht zu Tiroler Produkten greifen sollte. Noch dazu, wo wir im Bezirk gleich drei Kleinmolkereien haben, die hochwertigste Produkte erzeugen“, findet Bezirksbauernobmann Richard Wörle im Rahmen einer Pressekonferenz am Bezirkskrankenhaus Reutte deutliche Worte. Für Andrea Friedle, Stellvertretende Bezirksbäuerin, ist die Situation schwierig, aber nicht aussichtslos. „Der Milchpreis ist schlecht und es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass es bei massiven Einnahmeverlusten leicht zu wirtschaften ist. Aber den Kopf stecken ich und viele unserer Bauern garantiert nicht in den Sand. Wir suchen eben nach einem zweiten Standbein“, meint Friedle, die sich neben ihrem Milchviehbetrieb auch noch auf die Kräuterproduktion spezialisiert hat.

Friedle freut sich trotz harter Zeiten aber darüber, dass ein Großteil der Konsumenten bereits sehr bewusst einkauft. „Wir dürfen jetzt nicht müde werden, auf die Wichtigkeit und Wertigkeit der heimischen Landwirtschaft und Produkte hinzuweisen.“

Ein Bereich, in dem besonders große Mengen an Lebensmitteln verarbeitet werden, sind die öffentlichen Küchen. 6000 Altenheimplätze in Tirol, das heißt jährlich je zwei Millionen Frühstücke, Mittag- und Abendessen. Mehr als 30.000 Essen am Tag werden in den 20 Landesschulen mit eigener Küche ausgegeben. Allein am Landeskrankenhaus Innsbruck werden täglich fünf Tonnen Lebensmittel verarbeitet. Pro Woche werden dort 2400 Liter Milch gebraucht. „Der Großteil stammt bereits jetzt aus Tirol. Da hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel bewegt“, nennt Bauernbunddirektor Peter Raggl Zahlen.

Auch im Bezirk Reutte gibt es Großküchen, die auf regionale Produkte setzen. Im BKH Reutte hat Küchenchef Franz Habicher freie Hand was die Essensgestaltung angeht und er versucht, so regional wie möglich einzukaufen. „Alle Produkte, die es in der Region gibt, kaufe ich hier, alles andere kommt aus Österreich. Es geht hier darum, Transportwege möglichst kurz und Arbeitsplätze im Bezirk zu halten“, erklärt der Küchenchef. Ca. 60 % der jährlich 380.000 Euro, die das BKH in Essen investiert, fließen in heimische Produkte. „Die leeren Teller nach den Mahlzeiten sind unser Qualitätsmanagement“, fügt Verwaltungsdirektor Dietmar Baron hinzu.

Auch der Küchenchef des Seniorenwohnheims „Zum Guten Hirten“ in Reutte, Andreas Melekusch, ist vom Mehrwert der Regionalität überzeugt: „Ich will, dass die Kaufkraft im Bezirk bleibt.“ Rund 95.000 Euro würden bei der Beschaffung von Nahrungsmitteln so pro Jahr in der Region liegen bleiben, schildert Melekusch.

Beide Küchenchefs haben ein gemeinsames Anliegen: „Es wäre wünschenswert, wenn die heimischen Produkte auch über Großhändler erhältlich wären. Zurzeit muss ich mit fünf unterschiedlichen Lieferanten Geschäfte abwickeln, was ich gerne mache. Für viele Berufskollegen ist das aber eine große Hürde“, konkretisiert Melekusch. Auch Bauernobmann Wörle sieht in der Zusammenarbeit mit dem Handel „noch Luft nach oben“. (TT, fasi)

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