Der elektrische Lieferdienst
Leise, schnell und emissionsfrei: Mehr Bewegung in der E-Mobilität wünscht sich der Innsbrucker Gerald Windisch.
Innsbruck –Gerald Windisch saust durch die Straßen Innsbrucks, schnell, leise und emissionsfrei. Er ist der Besitzer des „Pizza Call Lieferdienstes“ und ein großer Verfechter der Elektromobilität.
Der sechsfache Familienvater ist in Innsbruck aufgewachsen. „Als Kinder waren wir ganz oft mit unserer Mutter auf der Seegrube. Ich erinnere mich, wie wir über das Inntal heruntergeblickt haben und eine Wolke aus Dreck und Abgasen über der Stadt schwebte.“ Seitdem hat der Ausstoß luftverschmutzender Abgase durch Autos und andere Faktoren stark zugenommen, die Smogglocken kommen häufiger vor.
Vor fünf Jahren entschied sich Gerald deshalb dafür, einen kleinen, aber feinen Beitrag zu leisten, die Stadt sauberer zu machen. Seit der Eröffnung seines Lieferdienstes 2012 ist er elektrisch unterwegs. Damit ist er ein Vorreiter in Tirol und Österreich. „Es gibt in ganz Österreich nur zwei Lieferdienste, die mit Elektrofahrzeugen ausliefern, uns eingeschlossen.“ Gerald ist überzeugt, dass jeder Beitrag zählt. „Jemand muss den ersten Schritt machen, irgendwann werden Nachahmer folgen“, gibt er sich zuversichtlich.
Nicht nur schnellstmöglich, sondern vor allem geräuschlos und ohne CO2-Ausstoß, geladen mit 100 Prozent Ökostrom, bewegen sich die speziell geschulten Scooterfahrer durch das Stadtgebiet von Innsbruck. Bis zu neun Roller flitzen mit ihren charakteristischen, roten Koffern täglich durch die Stadt. Täglich legt jeder Fahrer rund 70 Kilometer zurück. Das Unternehmen hat somit eine Laufleistung von insgesamt 150.000 Kilometern im Jahr. „Damit fahren wir nicht nur finanzielle Einsparungen beim Sprit ein, sondern können den CO2-Ausstoß pro Jahr um bis zu neun Tonnen reduzieren.“
„In Innsbruck sehe ich mich als Vorreiter und versuche einen Trend zu setzen. Einen Trend hin zu ökologischem Bewusstsein in der innerstädtischen Mobilität, die rein elektrisch auskommen würde.“
Die Suche nach dem passenden Fahrzeug hat sich hingegen als schwierig gestaltet. Vor allem die meteorologischen Begebenheiten in Tirol haben hier eine Rolle gespielt. „Wir brauchen einen Roller, der bei Kälte und Hitze, Regen, Schnee und Sonnenschein fahren kann.“ Irgendwann hat man sich mit einer semioptimalen Lösung zufriedengegeben und nun sind 14 Elektro-Scooter abwechselnd im Einsatz. Aus den Erfahrungen der letzten fünf Jahre hat Gerald einiges gelernt. Im Moment arbeitet er deshalb zusammen mit verschiedenen Partnern an der Entwicklung eines eigenen Rollers, der speziell auf die Bedürfnisse von Lieferdiensten abgestimmt ist. „Mir ist es ein Herzensanliegen, für das Voranschreiten der Elektromobilität in Tirol, vor allem in Innsbruck, zu kämpfen. Leider fühle ich mich trotz vieler potenzieller Möglichkeiten ziemlich alleine gelassen.“ Gerald ist von Amt zu Amt gerannt und hat unzählige Gespräche geführt – mit der Stadt-, Landes- und Bundesregierung, dem Deutschen Bundesverband für Elektromobilität und vielen mehr. Laut Gerald kommt viel zu langsam Bewegung in diese fortschrittliche Art der Mobilität – umso besser findet er es, dass mit Anfang des Jahres das Projekt „So fährt TIROL 2050“ gestartet ist. „Es gibt nun einen festen Ansprechpartner und energiepolitische Unterstützung für die Elektromobilität in Tirol.“
Allerdings hat er auch Unterstützung bei der Umsetzung seines Projektes bekommen. „Vom Lebensministerium und dem Projekt klimaaktiv wurden wir gefördert und für unser Engagement ausgezeichnet“, erzählt er stolz. Für die Zukunft hat Gerald einiges vor. Er möchte eine PV-Anlage am Dach seines Unternehmens installieren und den Ökostrom, den er für seine Roller braucht, selbst erzeugen. Zudem ist die Anschaffung von mindestens einem mehrspurigen Fahrzeug mit alternativem Antrieb geplant.
Tirol 2050 – Eine neue Energie-Serie
Klimapolitik. Wöchentlich erscheinen an dieser Stelle in der TT am Sonntag Tiroler Beispiele in Sachen gut gemachter Energie- und Klimapolitik. Es sind Beiträge von einzelnen Menschen, aber auch von Firmen, die mit guten Ideen im Sinne eines bewussten Mitwirkens umdenken. Für die Zukunft. Das Land Tirol hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 energieautonom zu sein. Wer sein Projekt vorstellen will, findet nähere Infos unter www.tirol2050.at.