Schwaz

Zillertal strampelt sich für E-Bikes ab

Der E-Bike-Förderung liegt der umweltfreundliche Gedanke zugrunde, das Auto weniger zu nutzen.Foto: iStock

Die E-Bike-Förderung soll Zillertaler motivieren, ihre Autos öfters stehen zu lassen. Die Gemeinden haben die Arbeit und die Bürger dürfen radeln. Mancherorts wird der Umweltgedanke aber kritisch gesehen.

Von Eva-Maria Fankhauser

Zillertal –Mühsames Abstrampeln am Fahrrad war gestern. Die E-Bikes erobern nämlich das Zillertal. Die Region im Bezirk ist Vorreiter in Österreich mit einem ausgeklügelten Fördersystem für den einzelnen Bürger.

Allein in den Gemeinden Ramsau, Schwendau und Hippach durften sich letztes Jahr 150 Einwohner über eine finanzielle Unterstützung für Elektrofahrräder freuen. Immerhin schießen der Bund 300 Euro und die Gemeinden rund 150 Euro zu. Von ausgewählten Zillertaler Radfachhändlern gibt es zehn Prozent Nachlass dazu. „Als Klimabündnis- und E5-Gemeinde ist es uns ein Anliegen, umweltfreundliche Möglichkeiten umzusetzen“, betont Schwendaus BM Franz Hauser, der gemeinsam mit dem Zillertaler Planungsverband die Förderidee initiierte.

Eigentlich ist das Fördermodell nicht für Privatpersonen gedacht, sondern für Firmen oder Vereine. Der Clou daran ist, dass die Gemeinde das E-Bike kauft und es dann per vierjährigem Vertrag an den Bürger vermietet. „Danach ist ein kleiner Restbetrag fällig, mit dem das Rad endgültig erworben werden kann“, verrät Aschaus BM Andreas Egger.

Insgesamt zwölf Gemeinden im Zillertal schöpfen aus dem Fördertopf. Doch laut Planungsverband sei der Verwaltungsaufwand nicht zu unterschätzen. „Es freut mich, dass so viele Gemeinden wie noch nie mitmachen. Dennoch sind Förderungen immer zu hinterfragen“, meint Planungsverbandsobmann und Rieder BM Hansjörg Jäger. In Ried werde es weiterhin keine E-Bike-Förderung geben, da „sich Bürger möglicherweise benachteiligt fühlen, falls sie schon ein Elektrorad gekauft haben und jetzt der Nachbar seines gefördert bekommt“.

Der Uderner Gemeinderat hat keine Bedenken und bietet die Förderung heuer erstmals an. „Uns geht es um den Umweltgedanken. So können Bürger beispielsweise auch mit dem E-Bike einkaufen fahren“, erklärt BM Josef Bucher. „Unsere Vizebürgermeisterin fährt nur noch mit dem E-Bike zur Arbeit. Es ist ja nicht nur eine Freizeitbeschäftigung, sondern eine Erleichterung“, betont BM Hauser.

Die Gemeinde Hainzenberg will haushalten und lehnt die Förderung ab. „Für uns ist das eine finanzielle Geschichte und ein Luxus. Ich sehe nicht ein, wieso jemand, der sich ein E-Bike ohnehin leisten könnte, auch noch gefördert wird. Und jemand, der es sich nicht leisten kann, wird auch mit der Förderung nicht weit kommen“, sagt BM Georg Wartelsteiner. Dass das Fördersystem heuer jederzeit – sobald der Topf ausgeschöpft ist – enden kann, war für die Gemeinde Stumm ein Grund, nicht teilzunehmen. „Da könnte man plötzlich auf den Kosten sitzen bleiben und der Mietvertrag ist auch kompliziert“, so BM Fritz Brandner.

Die teilnehmenden Zillertaler Radfachgeschäfte verzeichnen seit einigen Jahren ein Plus bei E-Bike-Verkäufen. Die Förderung trage laut ihnen zum wachsenden Interesse bei. „Wir wollen gemeinsam mit den Gemeinden durch die Förderung die Leute motivieren, mehr mit dem Rad zu fahren und das Auto öfter stehen zu lassen. Fitness, Gesundheit und Umwelt stehen für uns dabei im Vordergrund“, betont Günther Unterlercher (Sport Unterlercher). Zudem würden nicht nur ältere Leute Elektroräder kaufen, sondern auch Sportler, die mit dem E-Bike anstatt mit dem Auto zum Start ihrer Bergtour fahren können.

Einig sind sich Gemeinden und Händler, dass heuer wahrscheinlich die letzte Chance auf die Förderung bestehen dürfte.

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