Mögliche Mordserie in Hessen: Um diese zehn Fälle geht es
Den Verdächtigen Manfred S. können die Fahnder nicht mehr befragen. Die Polizei bringt den 2014 Verstorbenen mit bis zu zehn Tötungsdelikten in Verbindung. Sein privates Umfeld ahnte nichts von einem Doppelleben.
Wiesbaden – Der mutmaßliche Serienmörder Manfred S. aus Hessen hat möglicherweise bis zu zehn Menschen getötet. Sechs Taten stehen nach den Ermittlungen der Polizei mit dem 2014 gestorbenen Pensionisten in engem Zusammenhang. Dazu kämen mindestens vier Fälle, die gewisse Ähnlichkeiten aufwiesen. Die zehn Fälle im Einzelnen:
1971: Die verstümmelte Leiche der 19 Jahre alten Gudrun E. wird im Februar bei Bad Vilbel entdeckt. Die Tote weist Zeichen sadistischer Handlungen auf, sagen die Ermittler. Sie hatte bisherigen Ermittlungen zufolge als Reinigungskraft in einem Altenpflegeheim in Frankfurt am Main gearbeitet.
1971: Nur zwei Monate später wird die Leiche einer Kollegin aus dem Johanna-Kirchner-Stift gefunden. Die getötete türkische Gastarbeiterin Hatice E. wird nahe der Camberger Brücke in Frankfurt am Main gefunden.
1991: Die Leiche der Frankfurter Straßenprostituierten Gisela S. wird am 30. Juni im Wald zwischen Hofheim und Langenhain im Main-Taunus-Kreis gefunden. Die Tote weist den Ermittlern zufolge Zeichen von sexuellem Sadismus auf.
1993: Der Torso der getöteten Straßenprostituierten Dominique M. wird im Dezember 1993 an der Friedberger Landstraße in Frankfurt am Main im Gebüsch gefunden. Die Leichenteile sind in Plastiksäcke eingepackt. Weitere Leichenteile werden 1994 an der Bundesstraße 40a in der Nähe des Flughafens entdeckt. Der Kopf fehlt bis heute.
1996: Die Bankangestellte Pia H. (27) wird seit Juli vermisst. Spaziergänger finden den Kopf ihrer Leiche am ersten Weihnachtsfeiertag am Weg zu einer Kleingartenanlage. Die Frau war nach Mitteilung der Polizei von damals auf die Einnahme von Tabletten zur Behandlung schizophrener Schübe angewiesen.
1998: Der 13 Jahre alte Schüler Tristan wird am 26. März in einem Tunnel des Liederbachs nahe des Bahnhofs Frankfurt-Höchst grausam ermordet. Der Täter schneidet dem Buben am helllichten Nachmittag die Kehle durch. Er trennt Teile des Leichnams ab und nimmt sie im Rucksack des Schülers mit.
1998: Die etwa 18 Jahre alte Julia S. verschwindet Mitte Juli aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel. Die Obdachlose soll eine drogenabhängige Prostituierte und in desolatem gesundheitlichen Zustand gewesen sein.
1999: Rund ein Jahr später, im September 1999, verschwindet auch die 1967 geborene Gabriele D. aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel. Von beiden Frauen fehlt bisher jede Spur.
2004: Ein stark verwester menschlicher Schädel wird im April in einer Main-Schleuse bei Frankfurt gefunden. Der Kopf soll zu einer Frau mittleren Alters gehören und war in Aluminiumfolie eingewickelt. Die Identität der Frau ist noch immer unklar.
2014: Nach dem Tod des mutmaßlichen Serienmörders Manfred S. räumen Angehörige eine von ihm gemietete Garage in Schwalbach am Taunus aus. Darin finden sie blaue Plastikfässer mit Leichenteilen der Prostituierten Britta D., die seit etwa zehn Jahren tot ist. Vom linken Arm fehlt bisher jede Spur. Der Fund bringt die Ermittlungen ins Rollen. (dpa)