Marina Rebeka - La Traviata, Detektivarbeit und privates Singverbot
Wien (APA) - Die Sopranistin Marina Rebeka steht derzeit in ihrer Paraderolle als Violetta gemeinsam mit Placido Domingo in „La Traviata“ au...
Wien (APA) - Die Sopranistin Marina Rebeka steht derzeit in ihrer Paraderolle als Violetta gemeinsam mit Placido Domingo in „La Traviata“ auf der Bühne der Wiener Staatsoper. Mit der APA sprach sie über ihre Detektivarbeit bei der Vorbereitung auf eine neue Rolle, das „Diva“-Klischee, Perfektionismus und warum sie ihrer Tochter nicht vorsingen darf.
Die Violetta ist Rebekas Schicksalsrolle. Mit ihr gelang ihr der Sprung auf die große Bühnen, mittlerweile gilt sie als eine der besten Sopranistin für die Partie. „Es ist bereits meine 14. Inszenierung, ich habe die Violetta sicherlich schon über hundert Mal gesungen“, sagte die Lettin. Dass sie nun die Bühne mit Placido Domingo teilt, bringt sie nicht weiter aus der Ruhe. „Natürlich träumt man davon, mit einem Giganten wie Domingo zu singen, doch bei der Aufführung sind wir nicht Placido und Marina, sondern gehen ganz in unseren Rollen auf“, meinte Rebeka. Die Aufführung am Montag wird unter www.staatsoperlive.com auch gestreamt.
Langweilig ist ihr die Rolle der verführerischen Kurtisane trotz der vielen Auftritte nicht - ganz im Gegenteil. „Keine ‚Traviata‘ ist wie die andere. Ich verändere mich, meine Stimme verändert sich, es gibt immer wieder neue Facetten. Ich spiele sie aber immer mit ganzer Seele. Und es kommt natürlich auch auf meinen Partner an, wie die Chemie zwischen uns ist“, sagte Rebeka. In Wien wird der Part des Alfredo übrigens von ihrem Ex-Mann Dmytro Popov verkörpert. „Aber da gibt es kein Problem, wir haben uns in bestem Einvernehmen getrennt und sind beide Profis“, unterstrich die Sopranistin.
Falls es bei ihrer Arbeit einmal Probleme geben sollte, so liegt das an ihrem geradezu pedantischen Perfektionismus. „Ich bin vom Sternzeichen Jungfrau, ich habe große Probleme damit, einfach loszulassen und mir auch Fehler zuzugestehen. Natürlich ist das verrückt, weil ja jeder Fehler macht“, meinte Rebeka. Die Gründlichkeit beginnt schon bei der Vorbereitung. „Ich nähere mich einer Partie wie ein Detektiv einem Tatort. Ich untersuche die Umstände, die Zeit, die Gefühle und die Psychologie der Rolle. Und ich studiere auch immer die Partitur“, verriet die Sopranistin.
Am liebsten sind der Sängerin Produktionen, bei denen vor allem der Komponist und sein Werk und weniger der jeweilige Regisseur im Mittelpunkt steht. „Wir spielen ja für die Zuschauer, möchten sie berühren und erreichen, dass sie für kurze Zeit ihren Alltag vergessen. Und das gelingt am besten wenn die Musik und die Regie gemeinsam wahrgenommen werden“, unterstrich Rebeka. Da sie diese Meinung nicht immer für sich behält, wurde ihr auch schon divenhaftes Verhalten vorgeworfen. „Dabei bin ich überhaupt keine Diva, das ist doch auch ein Klischee. Ich laufe mit blauen Flecken herum, die ich mir bei den Aufführungen geholt habe und bin privat nicht einmal geschminkt“, sagte Rebeka. Ihr legeres Auftreten hat sogar schon dazu geführt, dass sie der Portier in der New Yorker Met für eine neue Kantinenmitarbeiterin hielt.
Privat steht für die Lettin ihre fünfjährige Tochter im Zentrum, die bei ihrer Familie in Riga lebt und dort den Kindergarten besucht. „Ich versuche, sie so oft zu sehen, wie es nur irgendwie geht. Manchmal mache ich mir natürlich Vorwürfe, weil ich so viel weg bin, aber ich weiß, dass es ihr gut geht“, sagte Rebeka. Umso mehr genießt sie dann die Zeit, die sie mit ihrem Kind verbringt. Singen darf Rebeka dabei aber nicht. „Sie mag das überhaupt nicht, ich muss immer sofort aufhören, vielleicht bedeutet Gesang für sie, dass die Mama nicht da ist.“
In Wien wird Rebeka schon übrigens bald wieder zu sehen sein. Beim Red Ribbon Celebration Concert des Life Ball am 10. Juni (Restkarten unter www.burgtheater.at) wird die Sopranistin die Arie „Casta Diva“ aus der Oper „Norma“ darbieten. Das Werk von Vincenzo Bellini ist für Rebeka besonders speziell, hat es doch in der kleinen Marina im zarten Alter von neun Jahren den unbändigen Wunsch geweckt, selbst Opernsängerin zu werden.
Danach geht es wieder quer über den Globus: An der Metropolitan Opera tritt sie in „Guillaume Tell“, „Norma“ und „Don Giovanni“ auf, am Opernhaus Zürich steht „Idomeneo“ an und am Gran Teatro Liceu Barcelona wiederum „Don Giovanni“. Für sie selbst liegt das große Glück aber nicht unbedingt auf den großen Bühnen. Was sie sich wünscht? „Ein zweites Kind, einen netten Partner, ein Apartment, einen Hund - und vielleicht zwei eigene CDs und zwei DVDs.“
(Das Gespräch führte Gerwin Haider/APA)