Bundespräsidentenwahl

So viele wie noch nie: Fast 900.000 Briefwähler sorgen für Spannung

Ein amtlicher Stimmzettel für die Wahl des Bundespräsidenten.
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Bei der heutigen Stichwahl ist mit einem Briefwähler-Rekord zu rechnen - denn die Zahl der Wahlkartenanträge ist mit fast 900.000 deutlich größer als bisher. Damit könnte ihre Auszählung am Montag das vorläufige Endergebnis, das Sonntagabend verkündet wird, noch ziemlich verändern.

Wien, Innsbruck - Die Hofburg-Stichwahl bringt auch einen neuen Briefwahl-Rekord: Die Wahlbehörden haben fast 900.000 - genau 885.437 - Wahlkarten ausgestellt. Das bedeutet, dass beinahe 14 Prozent der 6,382.507 Wahlberechtigten ihre Stimme nicht im Weg der „klassischen“ Urnenwahl am Sonntag abgeben wollen. So viele Wahlkarten-Anträge gab es noch nie - und es ist noch einmal deutlich mehr als am 24. April (641.975 Anträge).

38.931 Wahlkarten wurden an Auslandsösterreicher übermittelt, teilte das Innenministerium mit. Die meisten Wahlkarten wurden wie üblich in Wien verlangt - nämlich 222.283.

Am stärksten gestiegen ist das Interesse an der Briefwahl allerdings im Westen des Landes. 61.010 Wahlkarten wurden in Tirol beantragt - beim ersten Wahlgang am 24. April waren es 39.283 Wahlkarten gewesen. Allein in der Landeshauptstadt Innsbruck beantragten die Wähler bis Freitagmittag 13.582 Wahlkarten, mehr als jeder Siebte von rund 89.000 Wahlberechtigten.

Briefwähler könnten das Ergebnis noch drehen

Damit ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass erst mit Auszählung der Briefwahl am Montag feststeht, ob Norbert Hofer (FPÖ) oder Alexander Van der Bellen (Grüne) der nächste Bundespräsident wird. Die Grünen (auch Van der Bellen im ersten Wahlgang) schneiden bei den Briefwählern traditionell immer deutlich besser ab als in der Urnenwahl, die Blauen bzw. Hofer hingegen deutlich schwächer.

Schon im ersten Wahlgang hatten die fast 535.000 Briefwähler (das waren 12,5 Prozent der gültigen Stimmen) die Ergebnisse noch deutlich verändert: So reduzierte sich der Stimmenanteil von Hofer gegenüber 36,4 Prozent am Wahlabend auf letztlich 35,1 Prozent - während Van der Bellen von 20,4 auf 21,3 Prozent zulegte. Sollte also in dem am Wahlabend veröffentlichten vorläufigen Endergebnis Hofer nur knapp über 50 Prozent liegen, könnte Van der Bellen noch damit rechnen, nach Auszählung der Briefwahl doch der Sieger zu sein.

Van der Bellen kann laut einer Briefwahlschätzung der ARGE Wahlen bei einem vorläufigen Ergebnis von bis zu 51,5 Prozent für Hofer immer noch hoffen, am Montag Bundespräsident zu werden.

Es ist allerdings schwer abzuschätzen, wieviele Briefwähler gültig wählen. Denn einerseits ist es gut möglich, dass deutlich mehr Stimmberechtigte weiß - also ungültig - wählen. Außerdem dürfte die Zahl der ungültigen Stimmen auch dadurch höher ausfallen, dass die Wahlkarte für den zweiten Wahlgang (ein leerer Stimmzettel) gleich mit jener für den ersten Durchgang bestellt werden konnte. Aber sie durfte erst am 3. Mai ausgefüllt werden. Wahlkarten, die davor von der Post abgestempelt wurden, sind ungültig.