Politologe Fritz Plasser: „Eine scharfe Polarisierung“
Der Wahlforscher und Politikwissenschafter Univ-Prof. Fritz Plasser macht mit Blick auf Details des Wahlabends eine geteilte Wählerschaft aus.
1. Hat sich mit diesem gestrigen Wahlsonntag die Republik verändert? Dies erscheint mir zu großflächig. Aber die innenpolitische Wettbewerbslogik ist eine andere geworden. Die Pattsituation des Wahlabends lässt in den Details eine scharfe Polarisierung erkennen.
2. Woran machen Sie die Polarisierung fest? Die Einstellungen der Hofer-Wähler und Van-der-Bellen-Wähler bei den zentralen Themen des Wahlkampfs, also Flüchtlinge, Europäische Union, Abstiegsängste oder Vertrauenskrise in die Politik, weise eine ungewohnte Schärfe an Gegensätzen aus. Zwei unterschiedliche Wählerschaften sind auszumachen, zwei unterschiedliche Alltagsrealitäten. So etwas habe ich bei Wahlen noch nie feststellen können.
3. Die Trennlinien sind zwischen Stadt und Land auszumachen ... ja, ganz eindeutig. Zudem markiert die Bildung eine weitere klare Trennlinie. Je städtischer, desto mehr Van-der-Bellen-Wähler, je niedriger die Ausbildung, desto mehr Hofer-Wähler.
4. Seit Sonntag wird von tiefen Gräben quer durch Österreich gesprochen? Diese Terminologie ist mir zu dramatisch. Ich erkenne sogar Positives. Ich denke, die politischen Eliten werden ihr Sensorium schärfen für die unterschiedlichen Alltagsrealitäten. Ich gehe davon aus, dass Kanzler Christian Kern in den kommenden Wochen seinen angekündigten „New Deal“ akzentuieren wird.
Das Interview führte Michael Sprenger
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