„Sektsteuer ein Flop“, Hoffen auf Kanzler

Marktführer Schlumberger erholt sich vom Steuerschock und startet eine Produkt-Offensive.

© Thomas Boehm / TT

Wien, Innsbruck –Seit Einführung der Schaumweinsteuer von 75 Cent plus 20 Prozent Mehrwertsteuer (insgesamt also 90 Cent) je Flasche noch unter dem Regierungsduo Faymann/Spindelegger seien die Verkäufe der Branche von 26 auf 20 Millionen Flaschen Sekt eingebrochen, sagt Schlumberger-Chef Eduard Kranebitter. Gleichzeitig stieg der Absatz von vor allem italie­nischem Frizzante und Prosecco (von der Steuer nicht betroffen) von 12,5 auf 16 Millionen Flaschen.

Für den Tiroler Kranebitter eine volkswirtschaftlich widersinnige Wettbewerbsverzerrung zugunsten ausländischer Hersteller, die zudem bei Einrechnung der Steuerausfälle und Verwaltungskosten statt kalkulierter 30 nur 1,5 Mio. Euro gebracht habe. Schlumberger habe zudem ein Zehntel des Personals und viele Zukäufe bei österreichischen Winzern (mit 5000 Hektar sind 10 Prozent der gesamten Wein-Anbaufläche Österreichs für Sekt) streichen müssen. Kranebitter hofft nach dem Abgang von Kanzler Faymann, der vom „Sprudel der Reichen“ gesprochen hat, mehr Sachverstand durch Neo-Kanzler Christian Kern.

Schlumberger selbst hat sich mittlerweile vom Steuerschock erholt und im Gegensatz zum Markt mit Schlumberger (+4,6 %), Hochriegl (+3,5 %) und Goldeck (+4,4 %) bei allen drei Marken auch mengenmäßig zugelegt. Hochriegl habe auch erstmals Henkell als stärkste Sektmarke überholt. Der Umsatz (wegen Umstellung des Geschäftsjahres auf Kalenderjahr) des Sekt- und Spirituosenkonzerns in den letzten neun Monaten 2015 stieg um 9 % auf 167,4 Mio. Euro. Im Jänner kaufte Schlumberger die Mozart Destillerie mit Sitz in Salzburg vom japanischen Konzern Beam Suntory zurück.

Wachsen will man noch stärker im Export. Hier stieg der Anteil bereits von 33 auf knapp 40 Prozent, in fünf Jahren will man bei etwa 50 Prozent liegen. Zudem sieht man sich nicht nur als Markt-, sondern auch als Innovationsführer der Branche. So wurde jetzt der erste Schlumberger Grüner Veltliner „als sortenreiner Sekt der österreichischen Parderebsorte“ ebenso präsentiert wie der Schlumberger ON ICE. Dieser sei nach der Champagner-Methode hergestellt und folge dem Trend zu vor allem bei Frauen beliebten stylischen, fruchtigeren und süßeren Sekten. Dabei ist es laut Kranebitter erstmals gelungen, das Sekt-Perlen trotz des beigefügten Eises im Glas zu behalten. (va)


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