Pressestimmen zu den Protesten in Frankreich

Paris (APA/dpa/AFP) - Pressekommentare befassen sich am Donnerstag mit der Auseinandersetzung zwischen Regierung und Gewerkschaft CGT über d...

Paris (APA/dpa/AFP) - Pressekommentare befassen sich am Donnerstag mit der Auseinandersetzung zwischen Regierung und Gewerkschaft CGT über die in Frankreich geplante Arbeitsmarktreform. „Le Monde“ (Paris) schreibt:

„Drohungen, Blockaden, Erpressungen, Geiseln - der Ton wird schärfer, jeden Tag zunehmend, zwischen Regierung und (der Gewerkschaft) CGT. Der Generalsekretär der Gewerkschaftszentrale, Philippe Martinez, gibt sich unflexibel. Sein erklärtes Ziel ist unmissverständlich: die klare und einfache Rücknahme des Projekts einer Arbeitsmarktreform. (...) Ihm gegenüber zeigt sich die Exekutive ebenso unerbittlich. (...) Wie kann es innerhalb einiger Tage zu einer derartigen gefährlichen Eskalation kommen? Natürlich weist jeder die Verantwortung von sich. (...) Es ändert nichts an der Tatsache, dass der kollektive Verstand verlangt, dass jeder seinen Teil (zu einer Lösung) beiträgt. Wer fängt an?“

„Ouest-France“ (Rennes):

„Die Regierung kann nicht zulassen, dass dieser Konflikt andauert, der bereits Unternehmen und Beschäftigung würgt. Die wachsende doppelte Empörung - über die Regierung und über die Blockaden - macht diese Situation so explosiv. (...) In diesem Konflikt setzt jeder auf Härte, weil er schwach ist. Jeder hält unbeirrt an seiner Logik ‚Alles oder Nichts‘ fest und riskiert damit, in dem Land eine Hysterie auszulösen.“

„Times“ (London):

„Präsident (Francois) Hollande und die Regierung von Manuel Valls sollten standhaft bleiben, wenn es darum geht, Regelungen zu erneuern, die die Wirtschaft bremsen. Dabei haben sie bereits einige Schlüsselreformen verwässert und sich gegenüber der Gewerkschaft CGT und anderen militanten Gruppen als Schwächlinge erwiesen. (...) Dadurch verliert der Präsident schnell an Glaubwürdigkeit. Frankreich, die zweitgrößte Wirtschaft der Eurozone, leidet unter einer Arbeitslosigkeit von 10 Prozent. Das vorhergesagte Wirtschaftswachstum liegt bei 1,5 Prozent. Nicht annähernd genug, um die Arbeitslosenquote zu senken oder die Staatsverschuldung zu reduzieren. Die Regierung muss nicht nur die jetzt geplanten Reformen durchsetzen, sondern sie sollte weitergehen. Ein Beschneiden von Frankreichs riesigem öffentlichen Dienst und ein Anheben des Pensionsalters würden helfen, die Staatsverschuldung im Zaum zu halten.“


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