„Da braucht’s knallharte Maßnahmen“

Den Bürgermeistern entlang der Motorradstrecken reicht’s: Sie wollen nicht weiter „hingehalten“ werden und haben erste Maßnahmen gegen den Dauerlärm beschlossen. Die Fäden laufen bei REA zusammen.

(Symbolfoto)
© Tschol

Von Simone Tschol

Weißenbach –Der Jahr für Jahr zunehmende Ausflugsverkehr und der damit verbundene Lärm – speziell verursacht durch Motorräder – ist im Bezirk nichts Neues. Ebenso wenig wie die Beschwerden darüber: „Wir werden ständig nur mit irgendwelchen Argumenten wie ,das entspricht nicht dem Gesetz‘, ,die Lärmpegelmessungen geben nichts her‘, ,es ist EU-Gesetz‘ oder ,da kann man nichts machen‘ abgespeist. Das kann es doch nicht sein“, macht der Weißenbacher Bürgermeister Hans Dreier erneut seinem Ärger Luft.

Zur Vorgeschichte: Bereits im Herbst wurde das Thema auf die Tagesordnung der Bürgermeisterkonferenz gesetzt – mit wenig Erfolg. Auch ein „Motorradgipfel“ an der Bezirkshauptmannschaft im heurigen Frühjahr brachte genau nichts. „Die einzige Erkenntnis, welche aus diesem Gesprächsgipfel mitzunehmen war, ist, dass wir, falls wir uns mit der Situation nicht zufriedengeben wollen, auf Beamtenebene nichts erreichen und wir mit den zuständigen Politikern weiterverhandeln müssen“, fasst Dreier zusammen. Damit will er sich jedoch nicht mehr zufriedengeben. Und viele seiner Amtskollegen auch nicht.

Dreier, dessen Gemeinde am Fuße des Gaichtpasses an schönen Tagen gleich von drei Seiten lärmtechnisch eingekeilt wird, ergriff nun die Initiative und lud die Bürgermeister von Schattwald bis Elmen und jenen aus Namlos eilig zu einem Gespräch ein. Anwesend waren zudem Walter Barbist, Tourismusobmann des Tannheimer Tales, Hotelier Peter Zotz als Vertreter der Wirtschaft und der Geschäftsführer der Regionalentwicklung Außerfern, Günther Salchner. Dabei wurde erörtert, ob und wie weiter vorgegangen werden soll. Dreier: „Fakt ist, dass Verkehrslärm auf Dauer krank macht. Und Fakt ist auch, dass den Regionen, die ja auch als Erholungsräume beworben werden, auf Dauer ein nicht unwesentlicher wirtschaftlicher Schaden entsteht – in Einzelfällen bis hin zur Existenzvernichtung.“

Dreier und seine Amtskollegen wollen die Motorradfahrer „vorerst nicht aussperren. Aber wir werden es auch nicht länger dulden, dass unser Lebensraum von uneinsichtigen Bikern als Rennstrecke missbraucht wird“, findet Dreier klare Worte.

In einem ersten Schritt sollen deshalb nun Tafeln aufgestellt werden, die den Motorradfahrern signalisieren: „Fahr leise, das ist ein Erholungsraum“ oder wie es Dreier formuliert: „Da ist was im Busch, die mögen den Lärm hier nicht.“ Ohne den guten Willen der Motorradfahrer wird es nicht gehen, ist Dreier überzeugt: „Wenn sie weiter hier fahren wollen, müssen sie auch Rücksicht auf die Bevölkerung nehmen.“

In der Gesprächsrunde wurde einstimmig vereinbart, dass die Kosten für die Hinweisschilder von den jeweiligen Gemeinden selbst getragen werden. Ebenso beschlossen wurde auch, dass sich der Verein Regionalentwicklung Außerfern (REA) unter Geschäftsführer Günther Salchner um die Umsetzung kümmern soll. Laut Salchner werde an der Botschaft noch gefeilt. Er macht aber auch unmissverständlich klar, dass es dabei nicht bleiben können wird. „Mit Bewusstseinsbildung allein wird es nicht gehen. Da braucht’s knallharte Maßnahmen.“ Es gebe jetzt zwar einen breiten Schulterschluss, aber dies sei auch kein einfaches Thema. In vielen Wirtshäusern seien beispielsweise Biker willkommen, das werde auch groß beworben. Auf der anderen Seite bewerbe derselbe Wirt auch den Wandertourismus. Salchner: „Das ist ein echtes Dilemma. Hier braucht es ganz klare Weichenstellungen. Die Region muss wissen, was sie will und wohin sich der Tourismus entwickeln soll. Qualitätsvoller Wandertourismus oder Motorräder – beides funktioniert nicht.“

Weiters wären geschwindigkeitsreduzierte Teststrecken geplant. Salchner: „Man muss versuchen, im Tannheimer Tal einen 80er auszuweisen und schauen, ob das was bringt.“

Dreier und seine Bürgermeisterkollegen wollen jedenfalls nicht mehr lockerlassen. Die nächste Gesprächsrunde soll auf alle betroffenen oder auch interessierten Gemeinden erweitert werden. „Bürgermeister Dietmar Berktold aus Berwang hat schon Interesse bekundet“, berichtet Dreier. Und Berktold wird vermutlich nicht der einzige Neue in der Runde sein.


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