Kitzbühel: Wenn der Schnee liegen bleibt

Nach dem Versuch im Vorjahr verstärkt die Bergbahn Kitzbühel die Schneedeponierung. Insgesamt an fünf Standorten wird der Schnee des Vorwinters aufbewahrt und soll einen frühen Winterstart garantieren.

© Angerer Harald

Von Harald Angerer

Kitzbühel –Auch wenn sich der Sommer noch nicht so recht einstellen will, zumindest der Schnee ist ziemlich verschwunden in den Kitzbüheler Alpen. Nicht so aber im Gebiet der Bergbahn Kitzbühel. Hier trifft man noch auf jede Menge Schnee von gestern. Selbst am Hahnenkamm liegt noch ein riesiger Schneehaufen. „Der ist aber nur für die Kinder zum Spielen und für die Gäste zum Staunen. Andere haben eine Sandkiste im Tal, wir haben einen Schneehaufen am Berg“, sagt Bergbahn-Kitzbühel-Vorstand Jose­f Burger schmunzelnd.

Aber nur wenige hundert Meter weiter steht ein riesiger Schneeberg, abgedeckt und mit Isoliermaterial geschützt. Das Zauberwort heißt „Snowfarming“, also die Deponierung des Schnees über den Sommer. Bereits im Vorjahr hat die Bergbahn Kitzbühel das Prinzip der Schneekonservierung am Resterkogel angewendet. Mit großem Erfolg. Es wurden 24.000 m3 Schnee deponiert und im Herbst waren es noch 20.000 m3, mit 20 Prozent Schwund trotz des extrem warmen Sommers des Vorjahrs war die Bergbahn sehr zufrieden.

Zu dem Depot am Resterkogel, das auf 25.000 m3 Schnee erweitert wurde, kommen in diesem Jahr noch Depots an der Bergstation Waldelift mit 14.000 m3 und an der Talstation mit 8000 m3 und zudem noch zwei am Gaisberg in Kirchberg mit 3500 m3 und 1500 m3 Schnee. Wobei der Schnee am Gaisberg für die Rodelbahn verwendet werden soll. „Wir müssen heuer erst Erfahrungswerte sammeln. Denn das Depot am Resterkogel liegt auf 1800 m Seehöhe, das am Walde auf 1700 und das am Gaisberg wesentlich tiefer. Es wird sich zeigen, wie sich hier der Schnee konservieren lässt“, sagt Burger. Auch wären die Deponien nicht überall möglich, eine flächendeckende Versorgung des Skigebiets sei damit nicht möglich, wie der Bergbahnvorstand schildert. „Es werden die Depots also sicher nicht wie Pilze aus dem Boden schießen“, lässt er auch einen Blick in die Zukunft zu.

Rein ökonomisch würde die Deponierung aber Sinn machen, betont Burger. Denn es wird fast nur bestehender maschineller Schnee und Naturschnee im Frühling zusammengeschoben und über den Sommer konserviert, das spare Energie. Die notwendigen Dämmplatten, das Vlies und die Folie werden wiederverwendet. Als Ziel für den Winterstart hat sich die Bergbahn den 22. Oktober am Resterkogel gesetzt, gefolgt vom 5. November am Hahnenkamm/Walde, und Anfang Dezember soll schon die Rodelbahn in Kirchberg in Betrieb gehen.

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Kein Thema ist das Snowfarming bei den Nachbarn der Skiwelt. „Natürlich haben wir schon davon gehört und gelesen, was Kitzbühel da macht. Wir haben uns darüber aber noch keine Gedanken gemacht“, sagt Rudi Köck von der Skiwelt-Bergbahn Brixen. Auf die Probleme beim Saisonstart im Vorjahr, Brixen war durch die Heli-Schneeflüg­e in die Schlagzeilen geraten, habe man aber reagiert. Am Speichersee würden Kühltürme für das Wasser errichtet. Damit könne die Beschneiung deutlich effizienter gemacht werden, ist Köck überzeugt. Zusätzlich wird derzeit auch eine neue Anbindung des Kälbersalve-Speichersees an die Beschneiungsanlage errichtet.


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