Der Sommer, den es nie gegeben hat

„Whitney“ sind mit ihrem Debütalbum „Light Upon The Lake“ dem Sommer auf der Spur, ein Roadtrip, bei dem der Hörer unbedingt mitwill.

© Seriously Canadian

Innsbruck –„No Woman“ klagen Whitney im gleichnamigen Song mit souliger Wärme, ein erster, betörender Vorbote des mit Spannung erwarteten Debütalbums „Light Upon The Lake“. Die beiden Mittzwanziger Max Kakacek und Julien Ehrlich sind in Indie-Kreisen längst keine Unbekannten mehr, beide spielten bei der 2014 aufgelösten Chicagoer Indie-Rockband Smith Westerns, Kakacek als Gitarrist, Schlagzeuger Ehrlich war zuvor auch mit der psychedelischen US-amerikanisch-neuseeländischen Formation Unknown Mortal Orchestra unterwegs.

Fürs Debüt haben Whitney nun die ehemaligen Kollegen um Hilfe gebeten. Sehr familiär sei die Stimmung gewesen, schreibt Drummer und Sänger Ehrlich auf der Bandcamp-Seite über die Aufnahmen im kalifornischen Studio von Foxygen-Mastermind Jonathan Rado. Das analoge Aufnahmeverfahren mit einem „kaputten Vier-Spur-Gerät“ verleiht diesem sehnsuchtsvollen Americana-Album den angenehmen Retroflair. Die Wehmut und Melancholie, die den Songs zugrunde liegt, wird musikalisch mit sommerlicher Leichtigkeit verhandelt. Das ist umso erstaunlicher, als Whitney die Lieder in einem dieser berüchtigt kalten Chicagoer Winter geschrieben haben, 2014, als eine extreme Kältewelle die USA heimsuchte, ist ein Großteil der Songs entstanden. Damals wurde am Flughafen von Chicago mit minus 26 Grad ein neuer Rekordwert gemessen, Zugverbindungen fielen aus. „Wir haben von schöneren Orten geträumt und waren voller Hoffnung“, erinnert sich Ehrlich in einem Pitchfork-Interview. Die Auflösung der Smith Westerns und den ersten Liebeskummer galt es in dieser Zeit zusätzlich zu verdauen. Sentimentale Wehklagen braucht der Hörer aber dennoch nicht zu fürchten. „Light Upon The Lake“ handelt von einer Zeit des Übergangs, perfekt auf den Punkt gebracht im eingangs erwähnten Album-Opener „No Woman“. Whitney nehmen mit auf eine Reise, von der man seltsamerweise wünscht, sie möchte nie zu Ende gehen. (sire)

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