Ein ruhiger Platz zum Verweilen

Bentley aktualisiert den Mulsanne optisch sowie technisch und erweitert die Baureihe um eine Salon-Version mit verlängertem Radstand.

© Hersteller

Von Beatrix Keckeis-Hiller

Schloss Elmau – Sich ins Leder-Fauteuil schmiegen und zurücklehnen. Die Polster neu arrangieren. Die Beine höherlagern. Musik hören. Den Rücken massieren lassen. Den Laptop auf einem ausgeklügelten versenkbaren Klapptischchen postieren. Oder das Entertainment-Tablet per Tastendruck aus der Vordersitz-Lehne holen. Zwischendurch einen Schluck Wasser (oder Champagner) aus dem im Konsolen-Kühlfach abgestellten Glas nehmen. Bei gedämpftem Licht und entfernt murmelnder Geräuschkulisse das Dahingleiten genießen, in diskreter Privatheit hinter Vorhängen, im Abendlicht, das durchs Sonnendach hereinschimmert.

Der Rest der Außenwelt ist weit weg. Auch der Chauffeur. Man ist komplett entkoppelt. Es war der Fond des Bentley Mulsanne von Anfang an ein sehr ruhiger Platz zum Verweilen. Erst recht ist er das in der neuen Variante mit verlängertem Radstand, als EWB (Extended Wheelbase). Da ist das englische Luxuslimousinen-Flaggschiff 5,825 Meter lang, um 35 Zentimeter länger als in der Standard-Version und in dessen Speed-Bruder. Die 25 Zentimeter mehr Radstand – 3,516 statt 3,266 Meter – kommen den Fond-Passagieren zugute. Von denen kann es nur zwei geben, zwischen den beiden Einzelsitzmöbeln sorgt eine Mittelkonsole aus Holz, Metall, Glas und Leder für Wohnraum-Teilung.

Mit der Kreation der Lang-Version hat Bentley dem Mulsanne ein Facelift angedeihen lassen. Der Kühlergrill ist breiter, mit neuer Horizontal-Verrippung noch mächtiger. Die Scheinwerfer sind neu, LEDs, mit getarnter Waschanlage. Überarbeitet sind ebenso Kotflügel, Motorhaube, Stoßfänger vorne und hinten sowie das Heckleuchten-Design. Innen sind Sitze, Türverkleidungen und Armlehnen neu.

Technisch ist der große Engländer ebenfalls upgedatet, an Fahrwerk, Aufhängungen und Akustik, etwa mit neuer Geräuschdämmungstechnik an den Rädern. Eingezogen ist ein eigens für Bentley entwickeltes, stilistisch dezent-unauffällig integriertes Infotainment-System mit acht Zoll großem Touchscreen samt eigener Schnittstelle und bordeigenem WLAN-Netz (LTE-Standard). Dazu kommt ein Audio-System mit 18 Lautsprechern, 19 Kanälen und 2.200-Watt-Verstärker. In puncto Fahrdynamikassistenz ist das Stabilitätsprogramm adaptiert. Es blieb bei der Luftfederung mit kontinuierlicher Dämpferregelung. Auch Fahrassistenten bietet der Mulsanne nun, darunter einen fürs Fernlicht mit drei Lichtkegel-Modi und einen fürs Totwinkel-Warnen (aktiv von 10 bis 210 km/h). Der piepst zum Glück nicht, es blinkt nur ein gelbes Lämpchen im Außenspiegel.

Motorisch blieb man beim Bewährten, dem 6,75-Liter-V8-Twinturbo mit Zylinderabschaltung, gekoppelt an eine Achtgang-Automatik. Im Standard- und im Lang-Mulsanne leistet das Triebwerk 512 PS und 1.200 Nm. Das ist gut für den 0-auf-100-Sprint in 5,3 Sekunden. Im Mulsanne Speed stehen 537 PS (und 1.100 Nm) an. Der kann in 4,9 Sekunden auf hundert sein. Der in jeder Spezifikation mächtige Schub geht nach wie vor von den Hinterrädern des ab 2.685 Kilo wiegenden Engländers aus.

Unverändert ist der manuelle Arbeitsaufwand für den Mulsanne: Es sind 400 Stunden, 37 davon fürs Leder. Zur Personalisierung stehen davon 24 Varianten zur Auswahl, kombinierbar mit 13 verschiedenen Holzfurnieren. Dazu kommt eine breite Palette an Lackfarben.

Als Mulsanne und als Mulsanne Speed präsentierte der Edel-Engländer sein neu interpretiertes Outfit auf rund vierhundert aktiv gefahrenen Kilometern den tirolerischen und bayerischen Bergwelten, teils auf der Strecke der Kitzbüheler Alpenrallye, teils auf limit-losen Autobahnabschnitten. Den Aufstieg zur Hahnenkamm-Lodge allerdings überließ er seinem jüngsten Bruder, dem Bentayga. Und mit verlängertem Radstand sorgte er für ein genussvoll-komfortables Mitfahr-Erlebnis – egal, ob bis zu 100 km/h oder schneller, egal, ob auf schnurgerader oder kurviger Strecke – zwischen dem Innsbrucker Flughafen und Schloss Elmau. Die Ab-Preise des neu gemachten Mulsanne für Österreich: Standard-Version: 387.900 Euro, Speed: 422.900 Euro. EWB: 458.000 Euro.


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