Fußball-EM: Überraschungen am ersten Spieltag der Österreich-Gruppe F

Bordeaux (APA) - Die Österreich-Gruppe F ist bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich am ersten Spieltag zur Gruppe der Überraschun...

Bordeaux (APA) - Die Österreich-Gruppe F ist bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich am ersten Spieltag zur Gruppe der Überraschungen geworden. Zunächst verlor Österreich in Bordeaux gegen Ungarn mit 0:2 (0:0), im Abendspiel musste sich Portugal in St. Etienne gegen Island mit einem 1:1 (1:0) begnügen. Österreich und Portugal treffen am Samstag (21.00) in Paris aufeinander.

Österreichs Nationalteam hat den Start in die EURO 2016 völlig verpatzt. Die ÖFB-Auswahl verlor am Dienstag gegen Ungarn durch Treffer von Adam Szalai (62.) und Zoltan Stieber (87.). Dabei hätte alles beinahe so schön begonnen. Nach 31 Sekunden zog David Alaba aus gut 20 Metern ab, sein Schuss sprang aber von der Stange wieder ins Feld. Damit verpassten es die Österreicher, den schnellsten Treffer in der EM-Geschichte zu erzielen und sich früh der offensichtlichen Anfangs-Nervosität zu entledigen. Stattdessen schlich sich danach eine Pass-Unsicherheit ein, die man von der ÖFB-Elf in den jüngsten Pflichtspielen nicht gewohnt war.

Während sich Ungarns Keeper Gabor Kiraly, seit Dienstag mit 40 Jahren und 74 Tagen ältester Spieler der EM-Historie, nicht bezwingen ließ, schlug der EM-Debütant in der zweiten Halbzeit zu. Nach Doppelpass mit Laszlo Kleinheisler spitzelte Szalai im Fallen den Ball an Almer vorbei ins Netz (62.). Zuvor hatte Christian Fuchs das Abseits aufgehoben. Der eingewechselte Stieber machte im Finish nach einem Konter alles klar (87.).

Zu allem Überfluss wurde Aleksandar Dragovic in der 66. Minute mit Gelb-Rot ausgeschlossen und fehlt nun gegen Portugal - so wie möglicherweise auch der wegen einer Knöchelverletzung ausgetauschte Zlatko Junuzovic. Um die Achtelfinal-Chance zu wahren, muss das ÖFB-Team nun wohl am Samstag gegen Favorit Portugal im Pariser Prinzenpark-Stadion punkten.

Im zweiten Spiel der Gruppe F lieferte EM-Neuling Island mit einem 1:1 gegen Gruppenfavorit Portugal eine Überraschung. Nani brachte das Team um Superstar Cristiano Ronaldo zwar in Führung (31.), Birkir Bjarnason sorgte mit seinem Ausgleichstreffer (50.) aber für den sensationellen Punktgewinn der Isländer.

Russland hat am Dienstag von der UEFA die Dunkelgelbe Karte bekommen und spielt bei der EM nur noch auf Bewährung. Sollten die Fans des WM-Gastgebers 2018 nochmals durch Gewaltakte wie beim Auftaktspiel in Marseille gegen England auffallen, wird das russische Team disqualifiziert. Das entschied die Disziplinarkommission der UEFA am Dienstag in Paris.

Außerdem wurde von der Kommission unter dem Vorsitz des Österreichers Thomas Partl eine Geldstrafe in Höhe von 150.000 Euro verhängt. Die Androhung gilt nur für Ausschreitungen innerhalb des Stadions und nicht für Hooligan-Aktionen außerhalb der EM-Arenen. Dies sehen die Disziplinarregeln der UEFA so vor.

Das Exekutivkomitee hatte allerdings bereits am Sonntag eine Warnung ausgesprochen, dass ein Turnierausschluss auf Grundlage der Verbandsstatuten auch droht, wenn es nochmals zur Ausschreitungen in Spielorten kommen sollte. Die gleiche unmissverständliche Botschaft erhielt auch der englische Verband, dessen Fans an den Straßenschlachten in Marseille auch beteiligt gewesen waren.

Die französische Polizei stoppte in Südfrankreich einen Autobus mit russischen Fußball-Fans, der von Cannes nach Lille unterwegs war. Nach Angaben der Behörden wurden 43 Personen in Polizeigewahrsam genommen. Die Festgenommenen sollen von der Staatsanwaltschaft in Marseille zu den Vorfällen am vergangenen Samstag einvernommen werden. Alexander Sprygin, der Leiter der Fan-Gruppe, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Behörden 29 Ausweisungsanträge gestellt hätten. Nach seinen Angaben war aber keiner der Fans an den Ausschreitungen beteiligt.

Am Dienstag schlug auch der Terror in Frankreich zu. Ein Attentäter mit Verbindungen zur Islamisten-Miliz IS hat einen Polizisten und dessen Frau erstochen. Der zuständige Staatsanwalt Francois Molins bestätigte, dass sich der mutmaßliche Täter auf IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi berufen habe. Dieser hatte zum „Töten von Ungläubigen und deren Familien zuhause“ aufgerufen. In einer Botschaft auf Facebook soll der Tatverdächtige zudem das Attentat in Verbindung mit dem Fußballturnier gebracht haben: „Die EM wird ein Friedhof werden.“


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