Formel 1: Red Bull sieht sich auch in Baku als Herausforderer

Baku/Spielberg/Wien (APA) - Red Bull Racing will am kommenden Sonntag bei der Grand-Prix-Premiere in Baku nochmals die Werbetrommel für das ...

Baku/Spielberg/Wien (APA) - Red Bull Racing will am kommenden Sonntag bei der Grand-Prix-Premiere in Baku nochmals die Werbetrommel für das Heimrennen am 3. Juli in Spielberg rühren. Ob dies ausgerechnet auf dem neuen Straßenkurs in Aserbaidschan gelingt, ist fraglich. „Auf der langen Geraden verlieren wir bis zu 1,2 Sekunden“, weiß Helmut Marko aufgrund der Simulationsdaten.

Der Red-Bull-Konsulent ist Herr der Schaltzentrale beim austro-englischen Formel-1-Team, das zwischen 2010 und 2013 mit Sebastian Vettel vier Mal Fahrer- und Konstrukteurs-Weltmeister wurde, ehe die neue Motorentechnologie die Vorherrschaft beendete. Seit einigen Wochen liefert Renault aber wie versprochen wieder mehr Leistung, der Sieg von Jungstar Max Verstappen in Barcelona war die Folge.

Doch so richtig in die Gänge gekommen ist man noch nicht beim Einser-Team von Dietrich Mateschitz. In Monaco wurde ein weiterer Sieg durch Daniel Ricciardo mit einer Boxen-Stümperei verschenkt und auch zuletzt in Kanada patzte das Team.

Zumindest den Vorwurf, Verstappen habe dort eine Teamorder ignoriert und Ricciardo nicht vorbei gelassen, entkräftete Marko aber vor der GP-Premiere am Sonntag in Baku (15.00 MESZ, live ORF 1, Sky, RTL). „Daniel hatte seine Vorderreifen überstrapaziert. Es sah nur nach außen so aus, als ob Max nicht bereit gewesen wäre, ihn vorbei zu lassen.“ Zudem habe man bei den kalten Temperaturen die Reifen nicht ins optimale Fenster gebracht.

Grundsätzlich sei Ricciardo aber „locker“ vor dem Williams gewesen. „Ein dritter Platz ist am Ende durch seinen Verbremser leider verloren gegangen“, erklärte Marko. Entschädigt habe dafür Verstappen mit seinem abgebrühten Fight gegen WM-Leader Nico Rosberg und Platz vier. „Das war sicher ein Highlight.“

Das Desaster von Monaco ist laut Marko vergessen. „Es war ein Zusammenspiel von Missverständnissen mit der Quintessenz, dass wir gar nie die Reifen hätten wechseln dürfen, Dany hätte sich auch so nie überholen lassen“, lautete Markos Resümee. „Deshalb schauen wir jetzt nur nach vorne.“

Und diese Blickrichtung zeigt Ermutigendes. „Das aktuelle Motorupdate hilft uns sehr“, bestätigte Marko den Aufwind durch mehr PS im TAG Heuer getauften Motor. Vor den letzten fünf Saisonrennen will Renault nochmals nachlegen und 2017 kommt bekanntlich ohnehin ein komplett neues Triebwerk. Dazu habe man zwei hoch veranlagte Piloten. „Wir sind“, so Marko vor dem achten Saisonrennen, „gut aufgestellt.“

Alleine auf sogenannten „Powerstrecken“ wie jene in Kanada fehlt es noch. Das trifft freilich auch auf Spielberg zu. „Das ist die Strecke, auf der wir immer unsere schlechtesten Ergebnisse eingefahren sind“, weiß auch Marko.

Die Gegenwart heißt aber Baku. Und hier sei entscheidend, wie man in den Kurven die Nachteile gegenüber den dominierenden Mercedes von Nico Rosberg und Lewis Hamilton auf der über zwei Kilometer langen Geraden wettmachen könne, betonte Marko.

Aufgrund der hohen Temperaturen von bis zu 30 Grad werde es aber auch in Aserbaidschan ein Risikospiel mit den Reifen werden. „Wir rechnen aber damit, dass wir auch dort zusammen mit Ferrari die Verfolger von Mercedes sein werden.“

Ferrari hat bisher auch geschwächelt. In Kanada hat man aber dank eines neuen Turboladers wieder mächtig zugelegt, was Vettels zweiter Platz hinter Hamilton bewies. Red Bull darf dafür in Anspruch nehmen, durch Verstappen im RB12 für den bisher einzigen Nicht-Mercedes-Sieg dieser Saison gesorgt zu haben.

Das und die Situation für 2017 macht den Österreichern Mut. Einige Regeländerungen haben schon diese Saison für neue Spannung gesorgt, etwa das teilweise Funkverbot. „Dadurch hat Rosberg in Spanien zu spät gemerkt dass er ein falsches Mapping fährt und schon ist er mit Hamilton zusammen gefahren“, erinnert sich Marko amüsiert.

Die Fahrer würden künftig ohnehin noch mehr im Mittelpunkt stehen, ist Marko überzeugt. „Wir werden wieder wir mehr Mann gegen Mann Kämpfe sehen. Und so leicht wird es das Eins, Zwei für Mercedes künftig nicht mehr geben.“ Ob das bereits für die letzte Saison unter dem bestehenden Reglement zutrifft, wird das nächste Mal am Sonntag in Baku abgefragt.

( 0682-16, 88 x 120 mm)


Kommentieren