25 Jahre „YUxit“ - Jansa: Sloweniens Sieg ließ Jugoslawien zerfallen

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Ljubljana (APA) - Es war auch etwas Glück dabei. Eine Schiffslieferung mit Waffen traf genau zwei Tage vor der Unabhängigkeitserklärung am 25. Juni 1991 ein. „Wer weiß, was mit unserer Verteidigung gewesen wäre, wenn es eine Woche später gekommen wäre“, erinnert sich der damalige Verteidigungsminister Janez Jansa (57) an die dramatischen Tage, als Slowenien Jugoslawien herausforderte - und dessen Zerfall auslöste.

„Wenn es Slowenien nicht geschafft hätte, wäre Jugoslawien ein Zentralstaat geblieben und man hätte in späteren Jahren versucht, ihn halb zu demokratisieren“, sagt der Ex-Premier im APA-Gespräch. Freilich wäre der Vielvölkerstaat weiterhin ein „künstliches Gebilde“ geblieben, „das nicht funktioniert hätte“.

Jansa betont, dass die Slowenen nicht allein vom Wunsch nach nationaler Selbstbestimmung getrieben wurden. „Die wirtschaftlichen Gründe waren sehr wichtig“, sagt er mit Blick auf Versorgungsprobleme und die Hyperinflation im gemeinsamen Staat. „Wir haben uns einfach nur ein normales Leben gewünscht.“ Probleme gibt es freilich auch im heutigen Slowenien, verweist der Oppositionsführer auf den Exodus der jungen Generation wegen fehlender Jobperspektiven, der ihn mit „großer Bitterkeit“ erfülle. „Aber zumindest sind wir heute selbst für unsere Fehler verantwortlich.“

Bei der Unabhängigkeitserklärung habe „niemand auch nur einen Groschen auf uns gesetzt“, erinnert sich Jansa. Der jugoslawische Ministerpräsident Ante Markovic hatte die slowenischen Unabhängigkeitspläne noch Mitte Juni bei einem Besuch in Ljubljana als „Dummheit“ bezeichnet. „Niemand wird euch anerkennen, Europa und Amerika unterstützen uns“, habe er gesagt. Tatsächlich habe sich kein namhafter internationaler Politiker für Slowenien in die Bresche geworfen. Bei der feierlichen Proklamation der Unabhängigkeit am 26. Juni 1991 vor dem slowenischen Parlamentsgebäude sei „der Wiener Bürgermeister (Helmut Zilk) der höchste ausländische Würdenträger gewesen“.

Sogar Kroatien habe damals kalte Füße bekommen. Zwar erklärte der südliche Nachbar gemeinsam mit Slowenien seine Unabhängigkeit, setzte sie aber nicht um. Dies galt auch für eine im Vorfeld getroffene Übereinkunft zur gemeinsamen Verteidigung mit Slowenien. Jugoslawische Truppen konnten so ungehindert von Kroatien nach Slowenien einrücken. „Kroatien hat abgewartet und den Preis für dieses Abwarten gezahlt, mit 15.000 Toten, der Besetzung von einem Drittel seines Territoriums und einem Entwicklungsrückstand“, sagt Jansa mit Blick auf den Kroatien-Krieg (1991-95).

Gedreht habe sich die internationale Stimmungslage, weil Slowenien gegenüber der jugoslawischen Aggression „standgehalten“ habe, glaubt Jansa. So habe ein US-Diplomat während des Krieges aus Ljubljana nach Belgrad telegrafiert, dass die Dinge „überhaupt nicht so laufen, wie wir gedacht haben“. Daher empfehle er eine Änderung der US-Haltung im Konflikt.

Tatsächlich stand die slowenische Armee im Zehn-Tage-Krieg einem übermächtigen Gegner gegenüber. „Gegen uns stand die auf dem Papier drittgrößte Armee Europas“, erläutert Jansa. Doch habe die Jugoslawische Volksarmee (JNA) ein Handicap gehabt: Ihre multiethnische Zusammensetzung. „Wir wussten, dass ein großer Teil der Einheiten nicht voll einsatzfähig war, weil sie aus national gemischten Angehörigen bestanden.“ Ein „Glück“ sei auch gewesen, dass die slowenischen Truppen über einen Slowenen im Generalstab laufend Informationen über die Aktivitäten der JNA erhielten.

Für ernsthafte Operationen hätte die JNA die Reserve mobilisieren müssen, „und dafür brauchte es Zeit“, sagt Jansa. Daher habe sich die slowenische Seite darauf konzentriert, umgehend alle JNA-Arsenale zu besetzen. Fünf Tage nach Kriegsbeginn sei ein Großteil davon in slowenischer Hand gewesen, einschließlich der Waffen. „Von diesem Augenblick an hatte die jugoslawische Armee keine Chance mehr.“

Tatsächlich endete der slowenische Unabhängigkeitskrieg vergleichsweise glimpflich nach nur zehn Tagen, mit 18 Toten auf slowenischer und 44 Toten auf jugoslawischer Seite. In einem am 7. Juli 1991 auf der kroatischen Adriainsel Brioni unter Vermittlung der Europäischen Gemeinschaft (EG) ausverhandelten Abkommen verpflichtete sich Slowenien, seine Unabhängigkeit für drei Monate zu sistieren, während Jugoslawien den Abzug seiner Soldaten versprach. Am 26. Oktober 1991 verließ der letzte jugoslawische Soldat an Bord eines Schiffes Slowenien.

Jansa ist überzeugt, dass der Unabhängigkeitskrieg vermieden worden wäre, wenn die slowenische Territorialverteidigung nicht beim Antritt der antikommunistischen slowenischen Regierung im Mai 1990 entwaffnet worden wäre. Die unter Republikskommando stehenden paramilitärischen Einheiten hatten damals „Waffen für 100.000 Mann“, nach Entwaffnung aber nur noch für 12.000 Mann. Ohne diesen Schritt hätte der serbische Präsident Slobodan Milosevic „keinen Angriff auf Slowenien gewagt“, betont Jansa. Der starke Mann in Belgrad habe geglaubt, die Aggression gegen Slowenien würde ein „Spaziergang“. Doch dem machte die von Jansa befehligte Armee einen Strich durch die Rechnung, unter anderen mit jenen Waffen, die gerade noch rechtzeitig vor Kriegsbeginn eintrafen. Geliefert wurden sie übrigens von „jungen Demokratien, die zuvor in einer ähnlichen Situation waren wie Slowenien“.

(Das Gespräch führte Stefan Vospernik/APA)


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