Belvedere - Inspiriert von der Fotografie: „Von Makart bis Klimt“

Wien (APA) - Kurz nach dem Kunsthistorischen Museum eröffnet heute, Donnerstag, auch das Belvedere eine Ausstellung über die rasche Verbreit...

Wien (APA) - Kurz nach dem Kunsthistorischen Museum eröffnet heute, Donnerstag, auch das Belvedere eine Ausstellung über die rasche Verbreitung und vielfältige Auswirkung der frühen Fotografie. Zeigt man im KHM das „Alte Ägypten in frühen Fotografien“, so widmet man sich im Unteren Belvedere in Kooperation mit dem Photoinstitut Bonartes der „Inspiration Fotografie - Von Makart bis Klimt“.

„Es gibt keinen einzigen Maler, der gar nichts mit dem neuen Medium zu tun gehabt hat“, postulierte Kuratorin Monika Faber. Die Einflüsse seien höchst vielfältig gewesen, aber so wie man heute Computer und Internet nicht ignorieren könne, sei es „doch Quatsch, zu sagen, es habe keinen Einfluss“. Als sich 1839 von Paris kommend die Kunde einer neuen Methode der Bildgebung mittels des Sonnenlichts rasch auch nach Wien verbreitete, hätten die Maler zunächst eher besorgt reagiert, schilderte Faber. Die erste Präsentation der neuen Erfindung erfolgte im Kunstkontext - an der Akademie der bildende Künste.

Rasch setzte sich jedoch die Einsicht durch, dass das neue Lichtbild auch neue Möglichkeiten eröffne - als Inspirationsquelle, Hilfsmittel und Marketinginstrument. „Die Kooperation zwischen Malern und Fotografen war sehr unterschiedlich“, sagte Faber - und zeigt dies in der Ausstellung anhand von rund 30 Gemälden, 30 Zeichnungen und Druckgrafiken, zwei Kameras aus dem 19. Jahrhundert und rund 200 Fotografien. Besonders gelungen ist der begleitende Katalog, der in Spiralbindung immer wieder mit Transparentpapier die direkten Bezüge zwischen fotografischen Vorlagen und malerischen Endprodukten herausarbeitet.

So schickte etwa der Maler August von Pettenkofen 1868 detaillierte Anweisungen an einen Fotografen, die Zusammenstellung von Vorlagen für Puszta-Impressionen betreffend. Als Arbeitsbehelf seien die Fotos eine große Hilfe gewesen, schilderte Faber: „Ochsen sind schlechte Modelle - sie bleiben nicht stehen.“ Die betreffenden Fotos hätten sich leider nicht erhalten. Dafür gibt es von der Kairo-Reise, die Hans Makart 1875/76 mit Freunden unternahm, von dem in Kairo lebenden österreichischen Fotografen Ludwig Steiner zahlreiche lichtbildnerische Dokumente, die mit vielfältigen Aktszenen in einem Innenhof möglicherweise nicht ausschließlich hehren künstlerischen Interessen dienten. Maler fotografierten nicht nur oder bedienten sich der Fotografie, sie sammelten auch: Rund 2.500 Fotografien seien aus dem Makart-Nachlass versteigert worden, so Faber.

Gleich 18 Fotografien haben sich als Vorlagen für den 1898 gemalten „Nymphentanz“ von Johann Victor Krämer gefunden, da war der Hype um die 1879 aufgekommene „Moment-Photographie“ bereits wieder abgeflaut, die mit ihren Bewegungsstudien insbesondere Pferde-Malern zu ungeahnten Detail-Erkenntnissen verhalf, von anderen jedoch als „unschön oder zum mindesten wunderlich“ abqualifiziert wurde. Die Ausstellung endet um 1900. Am Schluss steht nicht die Marginalisierung, sondern der Siegeszug des neuen Mediums. Faber: „Fotografie wird jetzt selbst zur anerkannten Kunst.“

(S E R V I C E - „Inspiration Fotografie - Von Makart bis Klimt“, Ausstellung in der Orangerie im Unteren Belvedere, 17. Juni bis 30. Oktober, Täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch 10 bis 21 Uhr, Katalog: 272 S., 39 Euro; www.belvedere.at)

(B I L D A V I S O – Pressebilder stehen unter www.belvedere.at/presse zum Download bereit.)


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