Zurückgestuft zu Underdogs: Der zweite ÖFB-Anzug muss sitzen

Österreich ist bei seinem morgigen „Schicksalsspiel“ gegen Portugal nur Außenseiter. Ein Rollenwechsel, der Energie freisetzen könnte – Alessandro Schöpf ist vom Teambaby zum Hoffnungsträger mutiert.

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Aus Paris: Hubert Winklbauer

Paris –Die Inspiration, die den Spirit des ÖFB-Teams wie Zugpferde in Bewegung setzten sollte, war plötzlich – nach rund einer Viertelstunde im Spiel gegen die Ungarn – weg. Die wiederzufinden, ist für die heutige Partie von großer Wichtigkeit. Sinnbildlich soll auf dieser Suche der Tiroler Alessandro Schöpf so etwas wie ein Laternenträger sein. Das Teambaby als Hoffnungsträger. Das hätte er sich selbst vor wenigen Wochen noch am wenigsten vorstellen können. Allein dabei zu sein war schon so etwas wie ein erfüllter Traum. Aber was im Fußball vorgestern hui ist, kann gestern schon pfui geworden sein. Und wer weiß schon, wie es morgen werden wird. Schöpf wird für Junuzovic spielen. Eigentlich sollte er ja im Fall des Falles Alaba simulieren. So ist es besser: Was Junuzovic im Team spielt, ist für seinen morgigen Ersatzmann ohnehin so etwas wie eine Lieblingsrolle. Schöpf musste sich zu der nicht hochdienen. Mal was Neues. Koller hatte ihn erstmals im März für die Tests gegen Albanien (2:1) und die Türkei (1:2) in den Kader geholt. „Er ist ein technisch guter Spieler, der sich gut bewegt und der gut in diese Mannschaft passt“, meinte der Schweizer nach dessen starker Vorstellung gegen Malta. Da hat Koller ein wenig das Phrasenland durchwandert. No na. Wenn er sich nicht gut bewegen und nicht in die Mannschaft passen würde, wäre er auch nicht in Frankreich. Und Martin Hinteregger hatte vor der Presse verkündet, dass man Ronaldos Schnelligkeit unterbinden müsse.

Was muss man sonst noch alles tun? Körperlich robuster auftreten, den Ball genau an den Mann bringen. Und das zum richtigen Zeitpunkt. Fehler minimieren. Und Torchancen nützen. Zulegen, falls man hinten ist. Und cool bleiben, wenn es eine Führung geben sollte.

Kurzum: Österreich soll Klasse beweisen. Mit welchem Personal? Das bleibt ein Geheimnis. Aber ganz so schwer zu enträtseln wird das nicht sein: Prödl für den gesperrten Dragovic, Sabitzer für Harnik, Schöpf für Junuzovic. Der immer noch nicht fitte Janko wird wohl spielen.

Nichts zu ändern, geht nach dem Ungarn-Spiel nicht mehr. Alles, woran noch vor der Auftaktpartie geglaubt worden war, auch nicht. Die Situation verlangt nach Feingefühl. Taktisch, personell, psychologisch. Mit Thomas Graw ist ein Sportpsychologe im Koller-Team. Eigentlich rund um die Uhr. Der könnte den ÖFB-Kickern Ängste nehmen. Dazu müsste er sie erst aufspüren. Denn das Wort Angst steht noch auf dem Index verbotener Wörter.

Angst haben und sich selbst bemitleiden oder die anderen beschuldigen kann man ja auch dann noch, wenn es gegen Portugal schiefgehen sollte. Heute ist alles möglich. Das ÖFB-Team ist Underdog. Keine Elf dieser EM hat bisher schlechter gespielt.

Das, was gegen Portugal aufläuft, nennt sich „zweiter Anzug“. Der muss sitzen. Österreich hat ja nicht nur elf Klassespieler, sondern 20. Zumindest war dies von Teamchef Koller immer wieder betont worden. Allerdings war die magere Leistung beim 2:1 über Malta damit erklärt worden, dass Fuchs und Alaba nicht in der Startaufstellung gestanden waren ...


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