Eine Hütte als Paradebeispiel von Tradition und Innovation

Wanderer können sich dieses Wochenende selbst überzeugen: Die Osttiroler Clarahütte wurde nach ökologischen und baubiologischen Grundsätzen saniert.

Hüttenwirt Johann van den Berg bei der Arbeit am Holzwasserrad.
© johann

Hinterbichl –Seit 1872 steht die Clarahütte eindrucksvoll im Umbaltal auf 2038 Meter Höhe und dient als Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen und Bergtouren. Sie ist die älteste Alpenhütte in Osttirol und bietet einen atemberaubenden Blick auf die Rötspitze. 2012 beschädigte eine Lawine die Hütte stark und die Betreiber standen vor einigen schwierigen Fragen und Entscheidungen.

Am Ende nahmen sie das Unglück als Anlass, die Hütte von Grund auf zu sanieren und zu erweitern. Dabei sollten ökologische und baubiologische Grundsätze die Hauptrolle spielen. Kurzerhand wurde der Innsbrucker Architekt Klaus Mathoy ins Boot geholt. Bald schon stand der Plan für die neue alte Clarahütte. „Küche und Stube sollten erweitert werden und über einen Zubau Platz für neue Zweibettzimmer, Personalzimmer und zeitgemäße Sanitäranlagen geschaffen werden“, so der Architekt. Um sich zukünftig vor Lawinenabgängen besser schützen zu können, wurde der Zubau hinter der Hütte in den Hang eingegraben, sodass die Lawine darüber hinweggehen kann.

Ausgearbeitet wurde zudem ein ausgeklügeltes Energiekonzept. „Wir wollten zukünftig auf Dieselgeneratoren und Gasgeräte verzichten und auf CO2-neutralen Strom aus Wasserkraft setzen“, so Hüttenwirt Johann van den Berg. Macht ja auch Sinn, wenn die nahe gelegene Isel ausreichend Wasser zur Stromerzeugung bietet. „So haben wir auch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Nicht nur die Kosten für den Kauf fossiler Brennstoffe für Generatoren fielen weg, sondern auch die Schwierigkeiten, diese per Hubschrauber zur Hütte zu bekommen.“ Weil die Hütte im Nationalpark Hohe Tauern steht, greift sie aber nicht auf ein konventionelles Kraftwerk mit Wasser in Rohren und Turbinen zurück. „Das wäre auch gar nicht erlaubt.“ So entstand die Idee eines klassischen Holzwasserrades, wie es für Mühlräder an der Isel Standard ist. „Dadurch war es genehmigungsfähig, auch, weil das Wasser in einem offenen Kanal, einem so genannten Waal zum Holz-Rad geführt wird“, so der Betreiber. Das Rad kann eine Leistung von 12 KW aufbringen, zudem bezieht die Hütte Strom aus einer PV-Anlage am Dach. „Das ist mehr als genug für unsere Bedürfnisse. Und weil in der Nacht weniger Strom benötigt wird, werden mit der überschüssigen Energie drei Wassertanks aufgeheizt und so das Wasser zum Duschen und für die Heizung für den Tag gespeichert.“

Der Bau selbst gestaltete sich dann aber aufwendiger als gedacht. Sämtliches Material musste mit Hubschraubern oder zu Fuß zur Baustelle transportiert werden. „Die Helfer hier waren größtenteils Laien. Mitglieder des Alpenvereins, die freiwillig am Wiederaufbau mitarbeiteten“, erinnert sich Mathoy.

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Aufgrund der geografischen Gegebenheiten und fehlender Infrastruktur wurde die Baustoffwahl zur Herausforderung. Deshalb entschloss man sich, auf teils vor Ort vorgefundenes Material zurückzugreifen und so viel wie möglich von Hand zu machen. Bei der Dämmung setzte man mit Schafwolle aus der Region ganz auf Tradition. Das im Passivhausstandard gedämmte und begrünte Dach rundet das ökologische Baukonzept ab. Seit diesem Wochenende hat die Clarahütte wieder geöffnet. (TT)

Tirol 2050 – Eine neue Energie-Serie

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Wöchentlich erscheinen an dieser Stelle in der TT am Sonntag Tiroler Beispiele in Sachen gut gemachter Energie- und Klimapolitik. Es sind Beiträge von einzelnen Menschen, aber auch von Firmen, die mit guten Ideen im Sinne eines bewussten Mitwirkens umdenken.

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