Brexit würde Energie-Investitionen der Insel verteuern

London (APA/Reuters) - Der Ausstieg Großbritanniens aus der EU würde milliardenschwere Investitionen in Strom- und Gasnetze sowie Kraftwerke...

London (APA/Reuters) - Der Ausstieg Großbritanniens aus der EU würde milliardenschwere Investitionen in Strom- und Gasnetze sowie Kraftwerke auf der Insel bremsen und verteuern. „Ich kann nichts Positives für den Energie-Sektor bei einem EU-Austritt für Großbritannien sehen. Der Risiko-Aufschlag wird steigen und die Kapital-Kosten erhöhen“, sagt Ian Simm, Chef von der Investmentfirma Impax Asset Management.

In den vergangenen 25 Jahren seien Kraftwerke und Netze kaum erneuert worden. „Wir brauchen deshalb Investoren, die mit Vertrauen tief in die Tasche greifen und die nächste Generation von Kraftwerken finanzieren.“ Aber auch ohne gestiegene Investitionskosten würde eine Abkopplung vom EU-Energiebinnenmarkt nach Einschätzung der Beratungsfirma Vivid Economics den Sektor bereits jährlich bis zu 450 Millionen Euro kosten

Bei einem Ja zum Brexit am nächsten Donnerstag würden die EU-Verbindungen zwar noch zwei Jahre bestehen bleiben. Danach müsste Großbritannien wieder einzelne Verträge mit der EU neu aushandeln, was Jahre dauern könnte.

Die EU-Mitgliedschaft des Landes setzt im Energiesektor zumindest einige Rahmenbedingungen, die Investoren Sicherheit geben. Dazu gehören die Finanzierungsbedingungen für den geplanten neuen Atomreaktor Hinkley Point. Der französische Konzern EDF hat zwar angekündigt, auch beim Brexit an der Investition festzuhalten. Doch die letzte Entscheidung für das milliardenschwere Vorhaben fehlt noch.

Aber auch die Sparte der wachsenden erneuerbaren Energien würde leiden. Schon in den vergangenen Jahren hatte die Regierung die Subventionen gekürzt. „Es gibt daher schon jetzt eine Unsicherheit bei den Investoren, die EU-Vorgaben zum Klimaschutz gaben da wenigstens ein gewisse Sicherheit. Ich als Investor wäre besorgt“, sagt Anthoney Hobley, Chef der Denkfabrik „Carbon Tracker Initiative“. Vor allem in Windparks auf hoher See rund um die Insel war in den vergangenen Jahren von internationalen, auch deutschen Konzernen, groß investiert worden. Aber für Netze und Infrastruktur müssten Jahr für Jahr Milliarden ausgegeben werden. Und das Land könnte beim Brexit von Fördertöpfen wie der Europäischen Investitionsbank abgeschnitten werden.

Ein Problem droht fernder der Ausbau der Grenzkuppelstellen zu werden, mit denen das Land mit dem europäischen Stromnetz verbunden ist. Bereits jetzt sind die Preise in Großbritannien höher, weil zu Spitzenzeiten nicht genug Elektrizität importiert werden kann.


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